SVW-Testspiel am Freitag
Abgestürzter Traditions-Club, ungewöhnlicher Name und eine Tragödie: Das ist Werders Testspiel-Gegner Sheffield Wednesday
Der SV Werder Bremen testet am Freitag gegen Sheffield Wednesday aus der Championship. Aber was für ein Club kommt da eigentlich auf den SVW zu?
Zell am Ziller – Das Trainingslager des SV Werder Bremen neigt sich dem Ende entgegen, bereits am Samstag reist die Mannschaft aus dem österreichischen Zillertal zurück nach Bremen. Vorher steht aber noch das dritte Testspiel der Saisonvorbereitung gegen Sheffield Wednesday aus England auf dem Programm (Freitag, 14 Uhr, DeichStube-Liveticker) – und das dürfte zu einer kleinen Standortbestimmung werden. Nach der glanzlosen Vorstellung beim 2:0-Sieg gegen Oberligist FC Verden 04 im ersten und der schwachen Leistung bei der 0:3-Niederlage gegen den italienischen Erstligisten US Lecce im zweiten Vorbereitungsspiel ist der erste Eindruck der Bremer Mannschaft kein besonders positiver. Der bevorstehende dritte Test, der eigentlich sogar einen vierten beinhaltet, weil zwei Partien über jeweils 2x30 Minuten ausgetragen werden, wird daher auch zeigen, wie weit Ole Werner und sein Team im zehntägigen Trainingslager gekommen sind. Aber was ist der Sheffield Wednesday Football Club eigentlich für ein Gegner?
Parallelen und Unterschiede zwischen Werder Bremen und Sheffield Wednesday
Wie der SV Werder Bremen ist auch Sheffield Wednesday Gründungsmitglied der aktuellen ersten nationalen Fußball-Liga. In den ersten acht Jahren der 1992 gegründeten englischen Premier League waren „The Owls“ („Die Eulen“) jeweils dabei, dann folgte allerdings der Abstieg in die Zweit- und zwischenzeitlich sogar der Gang in die Drittklassigkeit, weshalb Sheffield als abgestürzter Traditionsclub bezeichnet werden kann. Schließlich wurde der Verein in seiner langen Historie vier Mal Englischer Meister – eine weitere Parallele zum Club von der Weser, der sich bekanntlich viermaliger Deutscher Meister nennen darf. Anders als bei den Grün-Weißen liegen die glorreichen Jahre von Sheffield Wednesday aber schon fast ein Jahrhundert zurück. Der letzte Meistertitel datiert aus der Saison 1929/30, der letzte Pokalsieg (insgesamt drei) aus dem Jahr 1935. Letztmals einen Titel gab es für den Championship-Club im Jahr 1991 mit dem Gewinn des englischen Ligapokals.
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Ein Deutscher und Champions-League-Sieger als Retter von Werder Bremens Testspielgegner Sheffield Wednesday
Davon ist das Team aktuell aber weit entfernt. In der abgelaufenen Spielzeit gelang dem Aufsteiger immerhin der Klassenerhalt in der 2. Liga. Großen Anteil hatte daran ein Deutscher: Trainer Danny Röhl. Der 35-Jährige könnte sogar so manchem Fan des SV Werder Bremen bekannt sein, war er doch Co-Trainer von Hansi Flick bei der deutschen Nationalmannschaft und beim FC Bayern, weshalb er sich unter anderem Deutscher Meister und Champions-League-Sieger nennen darf. Zuvor arbeitete der Mann aus Zwickau bereits als Co-Trainer unter Ralph Hasenhüttl beim FC Southampton und bei RB Leipzig, wo er als Videoanalyst seine Fußball-Laufbahn begonnen hatte.
Danny Röhl übernahm Sheffield Wednesday im Oktober 2023 als Tabellenletzter der zweitklassigen Championship mit gerade einmal drei Punkten nach elf Partien. Aus 35 Spielen unter dem deutschen Trainer holten die Blau-Weißen dann aber starke 50 Zähler, sodass am drittletzten Spieltag erstmals der Sprung aus der Abstiegszone und letztlich der Klassenerhalt gelang. Am Ende betrug der Vorsprung des Tabellen-20. auf den ersten Abstiegsplatz (22.) drei Punkte.
Der SV Werder Bremen und Sheffield Wednesday im Marktwertvergleich sowie alte Bekannte
Im Vergleich zum SV Werder Bremen (109,25 Millionen Euro) hat Sheffield Wednesday laut dem Branchenportal „transfermarkt.de“ einen deutlich geringen Marktwert: 23,68 Millionen Euro. Wertvollster Spieler ist Torhüter James Beadle (fünf Millionen Euro). Beim Blick auf den Kader fällt auf: Bekannte Gesichter sehen die Grün-Weißen am Freitag nicht wirklich – mit einer Ausnahme. Denn seit diesem Sommer steht Svante Ingelsson bei Sheffield unter Vertrag. Zuvor spielte der Schwede gemeinsam mit Werders neuem dritten Torwart Markus Kolke bei Hansa Rostock. Am Freitag kommt es also zum Wiedersehen. Übrigens haben auch einige Werder-Profis bereits gegen den offensiven Mittelfeldspieler gespielt. In der Bremer Zweitliga-Saison 2021/22 gewannen die Grün-Weißen dabei beide Partien gegen Ingelssons Rostocker (3:0, 2:1).
Werder Bremens Testspielgegner Sheffield Wednesday: Ungewöhnlicher Name und eine Tragödie
Wer den Vereinsnamen „Sheffield Wednesday“ hört, könnte sich im ersten Augenblick wundern. Was hat der Wochentag Wednesday (also Mittwoch) im Namen eines Fußball-Clubs zu suchen? Der Sheffield Wednesday Football Club besteht „erst“ seit dem Jahr 1867, ursprünglicher Gründungsverein war bereits 1820 „The Wednesday Cricket Club“, der sich dadurch auszeichnete, immer mittwochs seine Cricket-Spiele auszutragen.
Werder Bremens Testspiel am Freitag steigt bekanntlich im beschaulichen Parkstadion in Zell am Ziller (1.800 Plätze), das Heimstadion von Sheffield Wednesday ist dagegen mit Platz für rund 40.000 Zuschauer eine richtige Fußball-Arena. Bei deren Namen „Hillsborough Stadium“ könnte so manchem Fan allerdings ein Schauer über den Rücken laufen. Jenes, mittlerweile natürlich modernisierte Stadion, war 1989 nämlich Schauplatz einer der größten Katastrophen in der Geschichte des Fußballs: Beim FA-Cup-Halbfinale zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest kam es wegen damaliger Mängel im Stadion, veralteter Sicherheitsstandards und Fehlern der Polizei zu einem Zuschauerunglück mit 97 Toten und 766 Verletzten. Noch heute erinnert der FC Liverpool regelmäßig an diese Tragödie. (tos/han)