Ex-Werder-Kapitän im Gespräch

„Es macht mich unglaublich stolz“: Gebre Selassie im DeichStube-Interview über sein Karriereende, den SV Werder und Zukunftspläne

Theodor Gebre Selassie spricht im DeichStube-Interview unter anderem über seinen Stolz, so lange bei Werder Bremen gewesen zu sein.
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Theodor Gebre Selassie spricht im DeichStube-Interview unter anderem über seinen Stolz, so lange bei Werder Bremen gewesen zu sein.

Im DeichStube-Interview spricht Theodor Gebre Selassie über die schwere Verletzung am Ende seiner Karriere, den manchmal fehlenden Spaß im Profifußball und seinen Stolz, so lange bei Werder Bremen gewesen zu sein.

Liberec/Bremen – Nach 464 Pflichtspielen hat sich Theodor Gebre Selassie vom Profifußball verabschiedet – zumindest als Spieler. Der 36-Jährige, der von 2012 bis 2021 für den SV Werder Bremen aufgelaufen ist und zudem für Slavia Prag, Slovan Liberec sowie die tschechische Nationalmannschaft (54 Einsätze) gespielt hat, weiß noch nicht genau, was er künftig machen will. Im Interview mit der DeichStube spricht Gebre Selassie über die schwere Verletzung am Ende seiner Karriere, den manchmal fehlenden Spaß im Profifußball und seinen Stolz, so lange bei Werder gewesen zu sein.

Theodor Gebre Selassie, die wichtigste Frage zuerst: Sie haben sich Anfang März in einem Pokalspiel mit Liberec Ihr Bein gebrochen, wie geht es Ihnen?

Gut! In vier Wochen habe ich meine letzte Kontrolle. Ich bin fast bei 100 Prozent. Aber ich belaste auch noch nicht komplett. Beim Golfen ist es kein Problem, beim Fußball-Tennis mit meinen Jungs auch nicht. Ich denke, dass ich bald wieder alles machen kann.

Welchen Einfluss hatte der Beinbruch auf Ihre Entscheidung, die Karriere zu beenden?

Kaum einen. Ich habe ja eigentlich schon vor der Saison gesagt, dass es meine letzte sein wird. Die Verletzung hat mir dann nur noch mal gezeigt, dass ich auch gut leben kann, ohne Profifußballer zu sein.

Werder-Bremen-Ex Theodor Gebre Selassie übers Karriereende: „Es war eine gewisse Erleichterung, als es endlich öffentlich war“

Wie geht das und wie fühlt sich die Entscheidung zwei Wochen nach der Bekanntgabe an?

Es war schon eine gewisse Erleichterung, als es endlich öffentlich war, weil ich so oft danach gefragt worden bin. Ich wusste es ja schon länger, wollte es aber nicht sagen.

Warum nicht?

Es lief noch die Saison, das war wichtiger. Ich brauche auch dieses Drumherum nicht. Und dann wäre vielleicht noch jemand auf die Idee gekommen, dass ich zum Abschied symbolisch für ein, zwei Minuten eingewechselt werde. Das wollte ich nicht. Entweder ich bin fit und kann richtig spielen oder gar nicht. Ich habe mich in der Zeit dann lieber um andere Sachen gekümmert.

Welche?

Es gab ein paar Missverständnisse zwischen Spielern und dem Management. Das ist ganz normal in einer Saison. Ich habe da die Rolle des Vermittlers übernommen. Wir haben zum Beispiel auch darüber gesprochen, was in unserer medizinischen Abteilung besser laufen könnte – und ein paar andere Sachen. Das war interessant und hat mir gezeigt, dass mir so etwas Spaß macht.

Ex-Werder-Bremen-Profi Theodor Gebre Selassie: „Ich möchte nach so einer langen Zeit als Profi erstmal runterkommen“

Gehört so etwas auch zu den Plänen für Ihre Zukunft?

Jetzt möchte ich nach so einer langen Zeit als Profi erstmal runterkommen und den Sommer mit der Familie genießen. Aber dann würde ich gerne wieder etwas machen. Ich bin nicht der Mensch, der einfach nur so leben kann. Ich brauche eine Aufgabe. Ob das in einem Verein sein wird, weiß ich noch nicht.

Wollen Sie im Fußball-Geschäft bleiben?

Ja, das wäre dann der einfache Weg. Aber es gibt da auch eine andere Möglichkeit, über die ich noch nicht so sprechen kann. Es wird auf jeden Fall etwas mit Sport zu tun haben.

Könnte es auch den Fußball-Trainer Gebre Selassie geben?

So ein Angebot hatte ich tatsächlich, aber das habe ich abgelehnt, denn ich weiß: Wenn man das wirklich gut machen will, kostet es unglaublich viel Zeit – viel mehr als in allen anderen Jobs im Fußball. Das ist aktuell nichts für mich.

Was werden Sie am Profifußball vermissen?

Das Adrenalin! Die vollen Stadien, das war gerade in Deutschland und Bremen beeindruckend. Die Kabine, die Jungs. Es war immer schön, morgens in die Kabine zu kommen, einen Kaffee zu trinken, mit den anderen zu reden und dann zu trainieren. Da sind viele Freundschaften entstanden – nicht nur zu den Mitspielern, auch zu den Mitarbeitern. Das werde ich sehr vermissen.

Ex-Werder-Bremen-Profi Theodor Gebre Selassie: „Im Profifußball geht leider ein bisschen der Spaß am Spiel verloren“

Was hat Ihnen überhaupt nicht am Fußball gefallen?

Im Profifußball geht leider ein bisschen der Spaß am Spiel verloren. Das ist völlig normal, denn es steht nun einmal viel auf dem Spiel – Geld, Jobs und noch mehr. Es ist eben Profifußball.

Hat sich das in den vergangenen Jahren noch verstärkt?

Das ist schwer zu beantworten. Ich wusste aber schon, als ich Profi geworden bin, dass es so ist. Und es ist auch völlig okay. Aber keine Sorge, ich hatte trotzdem meinen Spaß. So etwas kommt in Wellen. Dann hast du einen Lauf, alle sind glücklich, dann lebt es sich als Profifußballer auch leichter. Aber es gibt eben auch die andere Welle – und die gehört genauso dazu. Alles in allem bin ich sehr zufrieden.

Vor zwei Jahren sind Sie zurück in Ihre tschechische Heimat zu Slovan Liberec gewechselt. War es die richtige Entscheidung?

Damals auf jeden Fall. Und ich bin keiner, der zurückblickt und dann so eine Entscheidung infrage stellt. Das ergibt für mich keinen Sinn.

Theodor Gebre Selassie über seine Zeit bei Werder Bremen und als Kapitän: „Es macht mich unglaublich stolz“

Sie waren davor neun Jahre beim SV Werder, am Ende sogar Kapitän. Was bedeutet Ihnen diese gerade für einen Profi sehr lange Zeit?

Extrem viel! Und es wird immer mehr und mehr, je öfter ich die Bilder von damals sehe. Es macht mich unglaublich stolz. Auch die Leute in Tschechien haben großen Respekt davor, dass ich so lange für einen so großen Club in Deutschland gespielt habe. Schade ist nur, dass man das in dem Moment, wenn man dort spielt, nicht so genießen kann. Also ich konnte das nicht zu 100 Prozent genießen, weil ich immer den kompletten Fokus auf den Fußball brauchte. Das gilt übrigens auch für die schlechten Sachen.

Wie meinen Sie das?

Ich sage heute gerne zu Spielern: Genießt auch die schlechten Phasen! Auch das bringt dich im Leben weiter.

Sie haben sich früher selbst sehr viel Druck gemacht.

Das stimmt. Ich habe einfach alles zu ernst genommen, ich war zu selbstkritisch. Ich habe eine gewisse Zeit gebraucht, um das im Kopf so hinzubekommen, dass ich damit gut leben konnte. Es geht darum, was man beeinflussen kann und was nicht. Und es ergibt überhaupt keinen Sinn, sich selbst zu bestrafen.

Haben Sie ein Abschiedsspiel geplant?

Nein. Es war richtig schön, beim Abschiedsspiel von Claudio Pizarro in Bremen dabei gewesen zu sein. Das hört sich vielleicht komisch an, aber ein paar Sekunden davon nehme ich auch für mich mit. Ich habe ja auch meinen Applaus bekommen (lacht).

Wie wäre es damit, mal für Werders Traditionsmannschaft zu spielen?

Natürlich, vielleicht nicht jede Woche (lacht). Als ich noch gespielt habe, waren wir so zwei Mal im Jahr in Bremen. Jetzt dürfte das noch öfter sein. Da werden wir sicherlich mal einen Termin finden. Ich würde mich jedenfalls freuen, mal wieder für Werder zu spielen. (kni)

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