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Offenes Rennen um die Nummer eins? So plant Werder im Tor mit Hein und Schlager
Gibt es nach dem Transfer von Alexander Schlager doch einen offenen Konkurrenzkampf im Tor des SV Werder Bremen? Das sagt Daniel Thioune.
Und plötzlich sind die Sorgen in der Heimat groß. „WirdKarl Hein nur auf der Bank sitzen?“ wird nervös in estnischen Medien getitelt. An anderer Stelle ist die ähnlich erschütterte Frage zu lesen: „Sollten wir Verständnis zeigen oder in Panik geraten?“ Im kleinen Baltikum-Staat hat sich in Windeseile die Nachricht verbreitet, dass der SV Werder Bremen auf dem Torhütermarkt noch einmal zugeschlagen hat.
Und dabei nicht nur einfach irgendein Schlussmann verpflichtet wurde, sondern in Alexander Schlager einer, der mit Österreich just an der WM teilgenommen hat und wie Hein in Estland aktuell die Nummer eins im Nationaltrikot ist. Plötzlich scheint es ein Rennen um Werders Stammplatz zwischen den Pfosten zu geben, nachdem Hein doch nach seiner festen Verpflichtung als gesetzt galt.
Karl Hein oder Alexander Schlager: Gibt es bei Werder Bremen doch ein offenes Torwart-Duell?
„Grundsätzlich geht es nicht um Versprechen, wer wie viele Minuten auf dem Platz bekommt, sondern darum, wie wir miteinander umgehen“, beschwichtigt Chefcoach Daniel Thioune die Gemüter. „Bei Karl verhält es sich so, dass er schon in der letzten Saison ins Qualifying gegangen ist für diese Saison. Es war das Beste, was uns in der vergangenen Saison passieren konnte – dass wir zwei überragende Torhüter hatten.“ Karl Hein hatte letztlich nur zweimal die Gelegenheit erhalten, sein Können zu zeigen – was ihm in den Partien gegen den FC Bayern München und FC St. Pauli aber bestens gelang.
Es hätte keineswegs überrascht, wenn der mittlerweile 24-Jährige seinerzeit im Tor des SV Werder Bremen geblieben wäre. Doch der damalige SVW-Trainer Horst Steffen entschied anders und ließ den zwischenzeitlich verletzten Mio Backhaus zurück auf den Rasen. Mit bekanntem Ausgang. „Der eine spielt jetzt europäisch und der SC Freiburg hat sehr viel Geld für ihn ausgegeben, was auch damit zusammenhängt, dass Karl sehr viel Druck gemacht hat.“
Nach Verpflichtung von Alexander Schlager: So plant Werder Bremen zwischen den Pfosten
Und sich für die Backhaus-Nachfolge positionierte, genau deshalb hat Werder Bremen knapp drei Millionen Euro an Premier-League-Club Arsenal London überwiesen. Das Wissen um die Verdienste der Vergangenheit haben die Norddeutschen dabei keineswegs aus dem Gedächtnis gestrichen. „Er wird mit einem Vorsprung in die Vorbereitung gehen“, versichert Clemens Fritz, doch Werder Bremens Geschäftsführer Fußball betont auch: „Aber wir leben eben auch in einer Leistungsgesellschaft. Auf jeder Position bei uns gibt es einen Konkurrenzkampf.“
Werder startet in die Vorbereitung: Das erste Training in Bildern
Der am Osterdeich jedoch erst in einigen Wochen zu sehen sein wird. Zumindest im Tor. Alexander Schlager erholt sich derzeit im Urlaub von den WM-Strapazen, nach dem Zillertal-Trainingslager des Bundesligisten (20. bis 26. Juli) soll der 30-jährige Salzburger die Arbeit aufnehmen. „Alex weiß um seine Rolle. Und wir wissen, dass er sofort da ist, wenn irgendetwas passiert“, erklärt Daniel Thioune. „Er wird sich nicht damit begnügen, die Nummer zwei zu sein.“
Alexander Schlager selbst formuliert seine Ansprüche nicht ganz so forsch, sondern betont in einem Interview auf Werder Bremens Internetseite: „Am Ende des Tages geht es darum, dass ich Teil von etwas sein darf, das etwas Großartiges werden soll. Dabei will ich mithelfen. Ich werde vom ersten Tag an Gas geben, mich reinhauen und zeigen, dass ich spielen kann. Alles andere wird man dann sehen.“ Und er schiebt hinterher: „Ich bin ein Typ, der gern das Mannschaftliche in den Vordergrund stellt, dem wichtig ist, dass die Mannschaft Erfolg hat.“
Offenes Torwart-Duell bei Werder Bremen? Daniel Thioune: „Karl Hein hat gerade die Nase vorn“
Und Karl Hein? Der hatte schon unmittelbar im Nachgang seines fixen Transfers im Mai verlauten lassen: „Im Fußball gibt es keine Garantien. Ich muss in jedem Training und in jedem Spiel um meinen Platz kämpfen.“ Genau das tut der Este nun. Denn während sein Konkurrent noch abschaltet, fliegt Hein schon wieder unter der Aufsicht von Torwarttrainer Christian Vander über Werder Bremens Trainingsplatz. Am Montagmorgen etwa galt es unter anderem, wuchtige Medizinbälle aus den Ecken zu fischen. Da kamen Hein und seine Mitstreiter Markus Kolke sowie U23-Schlussmann Jonas Horsch ordentlich ins Schwitzen.
Doch den Feldspielern erging es kaum besser, die wenige Meter weiter knackige Steigerungsläufe zu absolvieren hatten. Es gilt schließlich die Grundlagen für eine einmal mehr herausfordernde Saison zu legen. Egal, ob im Tor oder den Aufgabenbereichen davor. „Jede Position bei uns ist offen umkämpft“, sagt Daniel Thioune und meint mit Blick auf die Torwartfrage bei Werder Bremen: „Karl hat gerade die Nase vorn. Wenn seine Leistung stimmt, muss sich Alex richtig auf die Füße stellen. Aber im umgekehrten Fall werde ich auch Leistung honorieren, wenn sie entsprechend ist.“ (mbü)