Torwart mit Start bei Werder „ganz zufrieden“
Pavlenka: „Ich bin schon besser geworden“
Bremen - Das linke Bein sieht aus, als ob es Probleme machen würde. Die Kniescheibe ist mit einem schwarzen Tapeverband überklebt, doch Jiri Pavlenka winkt bei Nachfrage ab.
„Prevence“ sagt er, und es hätte in diesem Fall keiner Übersetzung durch die Tschechisch-Dolmetscherin gebraucht. Prävention – also ist es nichts Schlimmes, was den Torhüter des SV Werder plagt. Er erscheint mit einem freundlichen Lächeln zum Medientermin mit der Deichstube, und wird gleich erklären, dass er vor Spielen so etwas wie Angst nicht kennt – auch nicht vor dem gegen Schalke 04 (Samstag, 15.30 Uhr). Offenbar hat er aber Respekt vor Interviews. Pavlenka bleibt in seinen Antworten auffallend knapp.
Um die Qualitäten des 25-Jährigen als Gesprächspartner zu charakterisieren, reichen wohl zwei Einordnungen: schüchtern, aber nicht verschlossen. Um ihn als Torwart und den Eindruck, den er in den ersten drei Bundesliga-Spielen als Nummer eins im Bremer Tor gemacht hat, zu beschreiben, braucht es grundsätzlich schon ein bisschen mehr. Für Pavlenka selbst reicht aber auch hier die Kurz-Zusammenfassung: „Ich bin ganz zufrieden. So schlecht war ich nicht.“
Pavlenka stark auf der Linie: „Am Rest muss ich arbeiten“
Stimmt soweit. Der Mann, um dessen Verpflichtung es bei Werder wegen der parallel laufenden Demontage von Vorgänger Felix Wiedwald einige Diskussionen gab, hat sich bislang behauptet. Hoffenheim, Bayern und Hertha waren die Gegner – und er blieb ohne groben oder folgenschweren Patzer. Anders als manch Werder-Torwart vor ihm bekam er auch gegen die Bayern nicht die Hütte voll. Grenzenlose Zufriedenheit mit der Gegentorquote hat sich deshalb aber nicht eingestellt bei dem 1,96-Meter-Hünen. „Jedes Gegentor ist eines zu viel“, meint Pavlenka, „aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Gegner sehr stark waren, ist es in Ordnung.“
Der Eindruck, den Jiri Pavlenka dabei machte, deckt sich im wesentlichen mit dem, was ihm als Ruf vorausgeeilt war. Stark auf der Linie und im Duell Mann gegen Mann. Dafür aber mit Lernbedarf in der Strafraumbeherrschung und in der Spieleröffnung. Pavlenka lässt sich diese Einschätzung übersetzen und antwortet dann mit einem Lachen, in dem mehr steckt als in seiner Antwort. „Mit ,stark auf der Linie‘ bin ich einverstanden. Am Rest muss ich arbeiten“, sagt er. Doch das Lächeln liefert die Ergänzung: Mach dir mal keine Sorgen, scheint es dem Gegenüber vermitteln zu wollen.
Ohnehin verströmt Jiri Pavlenka eine Art von Selbstvertrauen, wie sie selten ist. Er tritt zurückhaltend auf, ist keiner, der in Brüllaffenmanier auf der Brust herumtrommelt. Und doch wirkt es so, als habe er überhaupt kein Problem damit, die Herausforderung Bundesliga anzunehmen. „Angst oder etwas Ähnliches habe ich nie vor Spielen“, behauptet er. Dabei kann er als Vorerfahrung quasi nur auf 103 Einsätze in der tschechischen Liga verweisen. Und die stellt maximal europäische Mittelklasse dar. Sein Werdegang wird zudem lediglich von drei U21- und zwei A-Länderspielen sowie vier Partien in der Europa-League-Qualifikation garniert. Diese Vita war auch der Grund, weshalb der Pavlenka-Transfer von einigen als Risiko gesehen wurde. Bisher haben sich diese Zweifel jedoch als unberechtigt erwiesen.
Zwar hatte der Bremer Schlussmann auch mal einen kleinen Wackler oder eine missglückte Faustabwehr im Repertoire, insgesamt gilt aber, was Werder-Coach Alexander Nouri zur Sache sagen möchte: „Pavlas ist ein sicherer Rückhalt und erfüllt unsere Erwartungen. Er hat dennoch Luft nach oben. Mit weiteren Spielen und mehr Erfahrung wird er noch wachsen.“
Pavlenka will endlich den ersten Bundesliga-Sieg
Die Richtung, so urteilt Pavlenka über sich selbst, hat er ja ohnehin schon eingeschlagen. „Ich fühle, dass ich schon besser geworden bin. Man braucht eben eine gewisse Zeit, bis man sich eingewöhnt hat. Ich habe aber schon Selbstvertrauen aufgebaut und fühle mich besser.“
Was jedoch definitiv noch fehlt, ist der erste Sieg in der Bundesliga. Gegen Schalke 04 soll es am Samstag so weit sein, meint Pavlenka: „Wir sind überzeugt, dass wir das schaffen können. Ich glaube, dass wir schon in Berlin kein schlechtes Spiel abgeliefert haben und dass wir uns immer weiter steigern werden.“
Für ihn bleibt dabei jedes Spiel eine Prüfung. Dass er seine Feuertaufe in der Bundesliga schon bestanden hat, würde Jiri Pavlenka aktuell nämlich noch nicht behaupten. „Nach drei Spielen kann ich darauf noch nicht antworten. Da warte ich lieber die ganze Saison ab.“
