Nach Ende des Sommer-Transferfensters

„Zufriedenstellend und ausgewogen“: Thioune zieht erstes Kader-Fazit und spricht über kritische Stimmung rund um Werder

Nach Ende des Sommer-Transferfensters: Trainer Daniel Thioune zieht sein Kader-Fazit und spricht über die kritische Stimmung rund um den SV Werder Bremen!

Das Sommer-Transferfenster ist geschlossen, der Kader des SV Werder Bremen steht – zumindest weitgehend. Für Euphorie sorgt das runderneuerte Team bei den Fans und im Umfeld aber erst einmal nicht. Im Gegenteil: Von einer positiven Stimmung ist man rund ums Weserstadion derzeit meilenweit entfernt. Zu sehr schlagen die verletzungsbedingten Ausfälle wichtiger Leistungsträger wie Jens Stage oder auch Justin Njinmah ins Kontor. Hinzu kommen die Abgänge der Kreativspieler Romano Schmid (Frosinone Calcio) und Samuel Mbangula (FC Bologna), die nicht eins zu eins ersetzt wurden. Nach dem verkorksten Bundesliga-Start in Freiburg (1:4) und vor dem schwierigen Bundesliga-Heimspiel gegen RB Leipzig am Samstag (15.30 Uhr, DeichStube-Liveticker) rumort es deshalb im Umfeld des Vereins spürbar. Die kritischen Töne nimmt auch Werder-Trainer Daniel Thioune wahr, wie er auf der Pressekonferenz am Donnerstag verriet. Anstecken oder gar treiben lassen, will er sich von ihnen aber nicht. Vielmehr wirbt er um Geduld.

Nach Ende des Sommer-Transferfensters: Trainer Daniel Thioune sein Kader-Fazit und spricht über die kritische Stimmung rund um den SV Werder Bremen!

Werder Bremens Daniel Thioune: „Ich bin ein zuversichtlicher Mensch, der Kader ist zufriedenstellend und ausgewogen“

„Ich bin ein zuversichtlicher Mensch, der Kader ist zufriedenstellend und ausgewogen“, sagte der 52-jährige Coach – und erklärte: „Wir sind jetzt so aufgestellt, dass wir unser Ziel, die 40 Punkte schnellstmöglich zu holen, erreichen können.“ Ganz uneingeschränkt fiel sein Lob dennoch nicht aus. Daniel Thioune räumte ein, dass der sehr späte Zeitpunkt, zu dem der Kader des SV Werder Bremen nun endlich Formen angenommen hat, „vielleicht nicht ganz so optimal“ sei. Auch die aktuellen Ausfallzeiten mehrerer Spieler bezeichnete er als nicht ideal. Dennoch richtet er den Blick nach vorne:

Der schmale Zeitrahmen berge zugleich „die Chance, daraus was zu entwickeln“. Die Neuzugänge hält der Trainer des SV Werder Bremen für „gute Transfers junger, ambitionierter Spieler“, die den eingeschlagenen Weg tragen sollen. Ob das neue Aufgebot tatsächlich stärker sei als das der Vorsaison, wollte Daniel Thioune jedoch nicht abschließend bewerten. „Das werden wir sehen, wenn wir am Ende der Saison mehr Punkte erzielen als in der letzten“, so seine nüchterne Antwort. „Es wird Zeit brauchen, um das zu erkennen.“

Noch fehle es der Mannschaft an der nötigen Ausgewogenheit. Optimistisch stimmt ihn jedoch die Offensive: Mit Niclas Füllkrug und Neuzugang Cedric Itten sieht er sein Team „schon ganz gut aufgestellt“ – zumal Werder Bremen in den vergangenen Jahren gerade auf der Neuner-Position teils erhebliche Personalprobleme hatte. Auch im Mittelfeld sieht Thioune trotz des Umbruchs Perspektive: Neuzugang Youri Regeer von Ajax Amsterdam sowie Ludovit Reis sollen helfen, „ein neues Mittelfeld“ zu formen.

Das benötigt jedoch Zeit, wirbt Daniel Thioune um Geduld: „Man darf eine Menge erwarten und verlangen, aber auch der Mannschaft die Chance geben, sich dahin zu entwickeln, besser zu sein als letztes Jahr.“ Dass die Automatismen einer derart spät zusammengestellten Truppe noch nicht sitzen, ist dem Trainer des SV Werder Bremen bewusst. Verlangen könne man aber zumindest „weitaus mehr Energie“ als zuletzt beim 1:4 in Freiburg, wo die Mannschaft nach guten ersten 20 Minuten über weite Strecken eingebrochen war.

Um genau das zu beheben, hat Werder Bremen zuletzt zweimal nicht öffentlich trainiert, um Automatismen und Verbindungen im Mittelfeld einzustudieren. Daniel Thioune verriet zudem, sich in dieser Woche ungewöhnlich früh auf eine mögliche Startelf gegen RB Leipzig festgelegt zu haben, „was eigentlich untypisch für mich ist“, aber der Kürze der verbleibenden Vorbereitungszeit geschuldet sei.

Werder Bremens Daniel Thioune über kritische Töne: „Niemand war glücklich mit dem Spiel in Freiburg, aber alle waren fehlertolerant“

Besonders offen sprach Daniel Thioune über die Stimmungslage rund um den Verein. Er wisse um die derzeit kritischen Töne aus dem Umfeld des SV Werder Bremen – und hält sie angesichts des Saisonstarts durchaus für „berechtigt“. Dennoch überwiege bei ihm der Blick auf die Reaktion seiner Mannschaft. „Niemand war glücklich mit dem Spiel in Freiburg, aber alle waren fehlertolerant.“

Die Aufarbeitung sei intensiv gewesen. Die Spieler des SV Werder Bremen forderten inzwischen immer mehr ein – eine Entwicklung, die er ausdrücklich begrüßt: „Das ist richtig cool, finde ich.“ Seine eigene Geduld mit dem Prozess sei entsprechend groß, „ob an anderer Stelle die Geduld genauso groß ist, ist mir erstmal völlig egal“. Klar sei aber auch: „Wir werden am Ergebnis gemessen, und daran lassen wir uns auch messen.“

Zur Frage, wie schwer es ihm angesichts des späten Umbruchs falle, gute Laune zu entwickeln und vorzuleben, antwortete Daniel Thioune mit für ihn typischer Gelassenheit. Er bleibe „in seinem Einflussbereich“ und konzentriere sich darauf, jeden Tag jeden Einzelnen ein Stück besser zu machen. Ein 1:4 werde ihn und den SV Werder Bremen „nicht aus der Bahn werfen“, zumal es durchaus positive Ansätze gebe. Etwa das erste Standardtor der Saison, nachdem man sich im Vorjahr gerade über die fehlende Standardgefahr beschwert hatte.

Dass Werder Bremen nun erst am zweiten Spieltag mit einem fertigen Kader an den Start geht, sieht Daniel Thioune pragmatisch: „Wer nicht zu den etablierten Topvereinen der Liga zählt, muss solche Situationen eben so annehmen, wie sie sind. Willkommen im Leben: Es ist kein Wunschkonzert.“ Auch bei der Frage nach der aktuellen Stimmung innerhalb der Mannschaft blieb Thioune ehrlich. Ein „gewisses Maß an Unzufriedenheit“ sei vorhanden, auch etwas Reibung – Zustände, über die er sich sogar freue, denn: „Harmonie kann ja nicht einkehren, wenn man am ersten Spieltag 1:4 verliert.“

Entscheidend sei für Daniel Thioune, dass die Mannschaft aus den drei individuell aufgearbeiteten Gegentoren von Freiburg lerne und schnellstmöglich eine Reaktion zeige. Auch in Form positiver Ergebnisse. Am Samstag soll beim SV Werder Bremen dabei gegen RB Leipzig (live im TV) ein erster wichtiger Schritt auf dem Platz folgen – und für eine bessere Stimmung rund um den Osterdeich sorgen. (mwi)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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