Werder verliert Offensivtalent ablösefrei
Nick Woltemade verkündet Abschied - und sorgt damit für Irritationen bei Werder Bremen
Nick Woltemade hat dem SV Werder Bremen am Dienstag mitgeteilt, dass er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängert. Doch die Entscheidung des Offensivspielers sorgt beim Verein nicht nur für Enttäuschung, sondern ruft auch Irritationen und Unverständnis hervor.
Bremen – Es war am Dienstagnachmittag, das erste Training der Woche war gerade erst vorbei, als Nick Woltemade auf Cheftrainer Ole Werner und den Leiter Profifußball Clemens Fritz zuging und das Duo spontan um ein Gespräch bat. Es sollte für die sportlich Verantwortlichen des SV Werder Bremen kein angenehmer Austausch werden. Woltemade teilte unter sechs Augen mit, dass er sich dazu entschieden habe, nach der Saison einen anderen Weg zu gehen und Bremen zu verlassen, was am Osterdeich im Nachgang wenig überraschend für Enttäuschung sorgte – schließlich hätte Werder den 22-Jährigen sehr gerne gehalten –, allerdings auch Irritationen und Unverständnis hervorrief. Aber der Reihe nach.
Seit Monaten war die sportliche Zukunft Nick Woltemades ein offenes Thema gewesen, intern wie extern. Während in der Öffentlichkeit zuletzt mehr und mehr Clubs aus der Bundesliga mit dem Angreifer in Verbindung gebracht wurden (Stuttgart, Hoffenheim, Gladbach), hat sich Werder Bremen intern laut eigener Aussage sehr um Woltemade bemüht.
Werder Bremens Frank Baumann: „Es ist sehr schade, dass sich Nick Woltemade dazu entschieden hat, einen anderen Weg zu gehen“
„Es ist sehr schade, dass sich Nick dazu entschieden hat, einen anderen Weg zu gehen. Wir hätten sehr gerne mit ihm weitergemacht. Ihm lag in unseren Augen ein sehr gutes Angebot vor. Sportlich und wirtschaftlich haben wir ihm einen klaren Weg aufgezeigt“, sagte Sportchef Frank Baumann am Dienstagabend im Gespräch mit der DeichStube – und erklärte: „Allerdings müssen wir auch erkennen, dass die Entscheidung nicht mehr in unserer Hand lag.“ Nick Woltemade war seit der U9 für Werder Bremen aktiv, „er hat bei uns einen weiten Weg zurückgelegt. Da tut uns sein Abschied natürlich weh“, sagte Baumann. Da der Vertrag des deutschen U21-Nationalspielers im Sommer ausläuft, sogar doppelt, weil er den Osterdeich verlässt, ohne dass Werder eine entsprechende Ablösesumme einstreicht. Das Branchenportal „transfermarkt.de“ beziffert Woltemades aktuellen Marktwert auf zwei Millionen Euro. Am Ende, so sagte es Baumann, akzeptiere Werder die Entscheidung des Spielers aber selbstverständlich. Und dennoch: Ganz ohne Misstöne ging der Dienstag im Weserstadion nicht über die Bühne.
Nachdem Nick Woltemade seine Vorgesetzten Ole Werner und Clemens Fritz über seine Entscheidung informiert hatte, verkündete er sie umgehend via Instagram, ohne dass der Schritt vorher mit Werder Bremen besprochen gewesen war. Ein Verhalten, das in der Branche unüblich ist. Normalerweise stimmen sich alle Parteien bei Nachrichten vergleichbarer Größenordnung im Vorfeld ab, damit niemand als überrumpelt dasteht. In diesem Fall wurde Werder von der Spielerseite überrascht – und zwar gleich doppelt. Zum einen durch den Instagram-Post als solchen. Frank Baumann: „Wie die Entscheidung kommuniziert wurde, ist mehr als unglücklich. Da hätten wir uns ein gemeinsames Vorgehen gewünscht.“ Und zum anderen durch noch einen Grund. „Eigentlich war mit seiner Berateragentur vereinbart, dass wir am Dienstag unser finales Angebot schicken würden“, erklärte Baumann. Die Spielerseite wartete das vor der Verkündung der Entscheidung aber gar nicht mehr ab.
Werder Bremens Nick Woltemade: will „ab Sommer eine neue sportliche und persönliche Herausforderung“ annehmen
„Die letzten Wochen waren für mich bezüglich meiner Zukunftsfrage sehr intensiv und aufregend“, beginnt Nick Woltemade sein Instagram-Statement – und fährt fort: „Ich habe eine Entscheidung getroffen. Es ist der Zeitpunkt gekommen, auch dank meiner Erfahrung mit Elversberg, ab Sommer eine neue sportliche und persönliche Herausforderung anzunehmen.“ Über sein Ziel verriet der 1,98-Meter-Mann des SV Werder Bremen derweil nichts. Es dürfte in den nächsten Tagen bekannt werden und innerhalb der Bundesliga liegen.
In der vergangenen Saison hatte Werder Bremen den Offensivspieler zur SV Elversberg in die 3. Liga verliehen, wo er mit zehn Saisontoren und neun Vorlagen großen Anteil am Zweitliga-Aufstieg der Mannschaft trug. Zudem gewann Nick Woltemade die Wahl zum Drittliga-Spieler des Jahres, was ihm zusätzliche Aufmerksamkeit bescherte. Seit seiner Rückkehr nach Bremen bringt er es bis dato auf 23 Einsätze, sechsmal durfte er von Beginn an ran. Auf eine Torbeteiligung warten Spieler und Club allerdings noch vergeblich. Sieben Spiele – mehr Gelegenheit wird Woltemade dazu im Werder-Trikot nun nicht mehr haben.
Werder Bremens Frank Baumann über Nick Woltemade: „Er bleibt bis zum Ende der Saison ein Bestandteil unseres Kaders“
Am Dienstag richtete Nick Woltemade bereits ein paar Worte an die Fans des SV Werder Bremen – und betonte: „Euer Support in den letzten Jahren war großartig, dafür möchte ich mich von Herzen bedanken.“ Weiter heißt es: „Ebenso bei meinem Verein Werder Bremen, der sich sehr um mich bemüht hat. Die schönen Momente im Werder-Trikot, der Verein, die Stadt und vor allem ihr werdet mir als Bremer Jung’ immer positiv in Erinnerung bleiben... und hey, es liegen noch sieben Spiele vor uns.“
In denen sich Nick Woltemade übrigens berechtigte Hoffnungen auf weitere Einsätze für den SV Werder Bremen machen darf. Denn bei aller Irritation über die Art und Weise, wie der nahende Abschied des Spielers kommuniziert wurde – Konsequenzen wird die Sache nicht nach sich ziehen. „Nick bleibt bis zum Ende der Saison ein Bestandteil unseres Kaders, so wie er es zuvor auch war“, betonte Sportchef Frank Baumann. (dco/mbü)