Nach Rassismus-Vorwürfen bei RBL
Nach Rassismus-Eklat: SV Werder holt Jugendspieler Johanns aus Leipzig zurück und gibt ihm eine zweite Chance
Der SV Werder Bremen hat Jugendspieler Lennart Johanns verpflichtet. Der 18-Jährige spielte bis zuletzt bei RB Leipzig, wurde jedoch wegen Rassismusvorwürfen freigestellt.
Bremen – Kurz vor Ende der Transferperiode hat der SV Werder Bremen nicht nur seine Profi-Mannschaft mit Neuzugängen verstärkt, sondern in Lennart Johanns auch einen Spieler für die eigene U19-Bundesliga-Mannschaft verpflichtet. Der 18-jährige Johanns ist defensiver Mittelfeldspieler und stand in den letzten zweieinhalb Jahren bei RB Leipzig unter Vertrag. Vor wenigen Tagen endete Johanns‘ Engagement bei den Sachsen allerdings abrupt – der Spieler wurde zusammen mit einem weiteren namentlich nicht genannten Mitspieler von RB mit sofortiger Wirkung freigestellt. Der Grund ist heikel: Es geht um Rassismus-Vorwürfe gegenüber einem Schwarzen Mitspieler.
„Die beiden haben sich nachweislich über Mitspieler rassistisch geäußert und sich damit in höchstem Maße unsportlich und inakzeptabel verhalten. Nach Bekanntwerden der Vorfälle hat die sportliche Leitung ihnen die Freistellung unmittelbar mitgeteilt“, hieß es in einer Mitteilung der Leipziger gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (SID). Namen nannte der Verein nicht, wohl auch, um die Spieler vor Anfeindungen zu schützen. Bemerkenswert: Mitspieler sollen die RB-Verantwortlichen auf das krasse Fehlverhalten der beiden aufmerksam gemacht haben, was sogar RB-Profi-Cheftrainer Marco Rose zum Anlass nahm, um die Courage der U19-Spieler zu loben. „Großes Kompliment an die Jungs, weil dieses Thema in der Kabine geklärt wurde. Dort ist jemand aufgestanden und hat gesagt, das geht so nicht.“ Das Vorgehen des Vereins und des Nachwuchsakademie-Leiters Manuel Baum, die betreffenden Jugendspieler sofort zu suspendieren, bezeichnete Rose als „nötige und richtige Konsequenz“. Die Tür für eine Rückkehr in den Verein machten die Verantwortlichen bewusst zu.
Werder Bremens Björn Schierenbeck über Neuzugang Johanns: „Unsere Erfahrungen mit Lennart waren positiv“
Dass nun ausgerechnet der SV Werder Bremen, der bekanntlich nachdrücklich für Weltoffenheit und kulturelle Vielfalt steht, großen Wert auf den Kampf gegen Rassismus legt und sich immer wieder in verschiedensten Projekten aktiv gesellschaftlich engagiert, Lennart Johanns verpflichtet hat, wirft Fragen auf. Fragen, die die Norddeutschen am Dienstagmittag proaktiv selbst versuchen, in einem Statement auf der vereinseigenen Website zu beantworten.
„Wir haben den Fall sehr intensiv geprüft, sowohl intern als auch extern. Wir haben uns mit den Kollegen aus Leipzig ausgetauscht. Die Aussagen der Verantwortlichen von RB haben uns ein Bild vermittelt, dass Lennart in dem Fall eine klare Grenzüberschreitung begangen hat, er sich aber sonst während der zweieinhalb Jahre in Leipzig nichts hat zu Schulden kommen lassen“, erklärt Björn Schierenbeck als Leiter des Werder-Leistungszentrums dort. Und weiter: „Unsere Erfahrungen mit Lennart waren positiv, sowohl fußballerisch, aber vor allem auch menschlich. Nach intensiven Gesprächen unter anderem auch mit unserer Abteilung Fankultur und Antidiskriminierung haben wir uns entschieden, ihn in unsere U19 aufzunehmen und ihm eine zweite Chance zu geben. Allerdings sind daran auch Bedingungen für ihn geknüpft, die er erfüllen muss.“
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Lennart Johanns soll sich nach seinem Wechsel zu Werder Bremen bei sozialen Projekten gegen Rassismus engagieren
Dazu gehört, dass Lennart Johanns, der schon von der U13 bis zur U16 seine Schuhe für die Bremer schnürte, beim SV Werder künftig nicht nur Fußball spielen, sondern sich auch aktiv in sozialen Projekten engagieren soll. So werde er laut Vereinsangaben künftig ein Projekt in den Bereichen Antidiskriminierung, Antirassismus oder Diversity eigenständig entwickeln. „Lennart wird regelmäßig in unser Spielraum-Projekt eingebunden. Außerdem wird er in Abstimmung mit der Abteilung Fankultur und Antidiskriminierung eine Veranstaltung organisieren, bei der er den Themenschwerpunkt erstellt, das Konzept entwickelt und die Organisation und Umsetzung übernimmt. Das natürlich alles unterstützt und begleitet von Mitarbeitenden von Werder“, erklärt Jermaine Greene, der als Werder Bremens Antidiskriminierungsbeauftragter ebenfalls in die Transfer-Entscheidung involviert war.
Rückkehrer Lennart Johanns freut sich sehr über die zweite Chance an der alten Wirkungsstätte: „Ich bin Werder sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit bekomme, hier wieder spielen zu dürfen. Ich habe in Leipzig einen großen Fehler gemacht, den ich aufrichtig bereue. Ich will bei Werder auf und neben dem Platz alles dafür tun, um meine Chance zu nutzen.“
U19-Trainer Cedric Makiadi hatte großen Anteil von Lennart Johanns Rückkehr zu Werder Bremen
Grünes Licht für den Johanns-Wechsel an die Weser gab auch U19-Trainer Cédric Makiadi, der mit Johanns bereits bei Werder Bremen zusammengearbeitet hat. „Ich kenne Lennart und seine Eltern aus seiner Zeit bei der U16. Er war bei mir Vize-Kapitän, und ich hatte einen sehr guten Eindruck von ihm. Ich bin daher absolut bereit dafür, Lennart in unsere Mannschaft aufzunehmen“, sagt der Ex-Profi über Johanns, der nun bei Werder unter besonderer Beobachtung stehen wird. (mwi)