Ex-Werder-Profi über erfolgreiche U19

Werders U19 kämpft um ersten Titel seit 1999: Borowski sieht Parallelen und schwärmt vom Bremer Nachwuchs

Im Jahr 1999 gewannen die A-Junioren von Werder Bremen letztmals einen Titel. Mit dabei: Tim Borowski. Der 45-Jährige erinnert sich an den Titelgewinn und seine Folgen!

Bremen – Während die Profis des SV Werder Bremen am Freitagnachmittag beim OSC Bremerhaven (16.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) im letzten Testspiel vor dem Sommerurlaub die Saison abschließen, kämpft die U19 über 400 Kilometer weiter östlich in Potsdam gegen den Karlsruher SC um den DFB-Pokal der Junioren. Es wäre für die Bremer der erste Titel im U19-Bereich seit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Jahr 1999 – damals mit dabei: Tim Borowski, der sich im Finale gegen den VfB Stuttgart (4:1) sogar in die Torschützenliste eintragen konnte. Spricht man den langjährigen Werder-Profi heute auf den Titelgewinn von vor 26 Jahren an, sind die Erinnerungen nach wie vor lebendig. „Ich weiß noch, dass es extrem heiß war“, erinnert sich Borowski im Gespräch mit der DeichStube an den Finaltag – und ergänzt: „Im Endspiel konnten wir dank einer starken Teamleistung verdient – auch in der Höhe – gewinnen. Wir hatten, insbesondere durch die Unterstützung des Trainerteams um Axel Plaat, großes Vertrauen in uns selbst. Es war ein wunderbarer Tag.“

Tim Borowski (rechts) feierte im Jahr 1999 den Gewinn der Deutschen A-Junioren-Meisterschaft mit dem SV Werder Bremen.

Ex-Werder-Bremen-Profi Tim Borowski über Meisterschaft 1999: „Enge Verbundenheit war ein entscheidender Erfolgsfaktor“

Ein Tag, der den Höhepunkt einer besonderen Saison und eines außergewöhnlichen Teamgefüges markierte. „Wir waren nicht nur ein Team, sondern auch echte Freunde – auf und neben dem Platz. Wir haben uns gegenseitig motiviert und auch abseits des Spielfelds unterstützt“, so der heute 45-Jährige. Mitspielern von damals wie Markus Krösche (heute Vorstand bei Eintracht Frankfurt), Simon Rolfes (Sportchef in Leverkusen) und Christian Schulz (zuletzt Interimstrainer bei Hannover 96) gelang später ebenfalls der Sprung in den Profifußball. „Diese enge Verbundenheit hat sich im Laufe der Saison zu einer besonderen Eigendynamik entwickelt – ähnlich wie bei der aktuellen U19 – und war ein entscheidender Erfolgsfaktor“, betont Tim Borowski.

Der Ex-Nationalspieler sieht dabei zahlreiche Parallelen zur aktuellen U19 von Werder Bremen. „Die Mannschaft bringt nicht nur hohe individuelle Qualität mit, sondern tritt auch als geschlossene Einheit auf“, erklärt Tim Borowski und verweist auf das Viertelfinalspiel um die deutsche Meisterschaft gegen Eintracht Frankfurt: „Wenn ich daran zurückdenke – das waren echte Mentalitätsmonster.“ Das Team von Trainer Cedric Makiadi hatte gegen die Hessen gleich zweimal einen Rückstand aufgeholt und sich letztlich im Elfmeterschießen durchgesetzt. Der Traum vom Double musste allerdings im Halbfinale gegen den 1. FC Köln begraben werden – erneut durch eine Niederlage im Elfmeterschießen. „Ich hätte es ihnen sehr gegönnt, wenn sie auch den deutschen Meistertitel geholt hätten. Denn in ihrem Jahrgang gehören sie definitiv zu den stärksten Teams“, so Borowski.

Werder Bremens Tim Borowski: „In der aktuellen U19 stechen einige Hochkaräter hervor, teils auch externe Zugänge“

Trotz des verpassten Meistertitels zeigt sich Tim Borowski begeistert vom Nachwuchs des SV Werder Bremen: „Cedric Makiadi macht mit seinem Team einen hervorragenden Job. Man merkt deutlich, dass die Jungs unbedingt Erfolg wollen.“ Diese Haltung lässt auch Fans und Verantwortliche hoffnungsvoll in die Zukunft blicken – der Wunsch, dass wieder ein Eigengewächs bei Werder durchstartet, ist groß. Borowski sieht die strukturellen Voraussetzungen dafür gegeben: „Ich glaube, dass es mit der neu aufgestellten Geschäftsführung wieder gelungen ist, wichtige Infrastrukturen – wie etwa den Neubau des Leistungszentrums – zu schaffen. Das sind entscheidende Faktoren, um auch vielversprechende Spieler aus anderen Regionen anzuziehen.“ Beispiele wie Patrice Covic – der bereits regelmäßig bei den Profis mittrainiert – oder Karim Coulibaly, ein weiterer verheißungsvoller Neuzugang aus dem letzten Sommer, untermauern diese Entwicklung. „In der aktuellen U19 stechen einige Hochkaräter hervor, teils auch externe Zugänge“, so Borowski. Und weiter: „Angesichts der finanziellen Situation ist es für einen Verein wie Werder extrem wichtig, wenn es gelingt, pro Jahrgang ein bis zwei Spieler perspektivisch in den Profikader zu integrieren. Das wäre ein toller Erfolg.“

Tatsächlich haperte es bei Werder Bremen zuletzt immer wieder genau an diesem Punkt. In der laufenden Saison steht kein Stammspieler im Profikader, der unter 25 Jahre alt ist. Talenten wie Nick Woltemade oder Eren Dinkci gelang der finale Durchbruch erst bei anderen Vereinen. Traut man sich in Bremen also zu spät, den eigenen Nachwuchs einzubauen? „Ich bin grundsätzlich ein großer Befürworter davon, jungen Spielern Chancen zu geben“, sagt Tim Borowski – betont jedoch auch: „Der entscheidende Faktor ist natürlich die Qualität. Ole Werner hat da sicherlich den besten Überblick, da er den Weg dieser Jungs genau verfolgt.“ Werder-Coach Ole Werner hatte zuletzt mehrfach betont, Spieler wie Wesley Adeh oder Patrice Covic auf dem Zettel zu haben – gleichzeitig aber auch angemahnt, dass der Übergang vom Jugend- zum Profifußball Zeit benötige. Geduld, die nicht jedes Talent mitbringt. „Im Verein gibt es einige große Talente“, sagt Borowski, „und es ist die Aufgabe des Cheftrainers, den richtigen Zeitpunkt zu finden, sie an den Profibereich heranzuführen.“

Sein Vertrauen in Ole Werner ist dabei groß: Er halte ihn für einen „besonderen Coach“, stellt Borowski klar. Ob aus dem aktuellen U19-Jahrgang tatsächlich künftige Bundesligaspieler hervorgehen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Zunächst aber steht für Werder Bremen das DFB-Pokalfinale der Junioren gegen den Karlsruher SC (live im TV) an – und damit die große Chance, Tim Borowski und dem Team von 1999 nachzueifern. Damals war der Titelgewinn schließlich kein schlechter Startpunkt für spätere Karrieren im grün-weißen Trikot. (bvo)

Rubriklistenbild: © Imago / Sportfoto Rudel

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