Drei Punkte gegen Gladbach
Souveräner Sieg und Stimmungswandel: Werder meldet sich eindrucksvoll zurück und macht Lust auf mehr
Starke Neuzugänge, wichtige Rückkehrer und der erste Saisonsieg: Nach dem furiosen 4:0 gegen Gladbach macht der SV Werder Bremen plötzlich wieder richtig Spaß! Der Nachbericht der DeichStube.
Bremen/Mönchengladbach – Es waren Szenen purer Freude, die sich nach dem Schlusspfiff vor dem Bremer Gästeblock abspielten. Das obligatorische Mannschaftsfoto vor dem mitgereisten Werder-Anhang durfte selbstverständlich auch nicht fehlen. Wie gut der furiose 4:0-Sieg des SV Werder Bremen bei Borussia Mönchengladbach allen Grün-Weißen tat, war unschwer zu erkennen. Nach den vielen Negativerlebnissen in der Vorbereitung sowie dem Pokal-Aus in Bielefeld hatte schon das späte Unentschieden in Unterzahl gegen Leverkusen vor zwei Wochen wie ein halber Gewinn gewirkt – die drei Punkte am Niederrhein fühlten sich dann aber doch noch einmal ganz anders an. „Es ist eine Veränderung da. Die schlechte, missmutige Stimmung ist weg. Alle wissen: Wir haben einen leistungsfähigen Kader, wir können gut sein“, betonte Cheftrainer Horst Steffen nach der Partie. „Ein 3:3 und ein 4:0 tragen dazu bei, dass die Stimmung gut ist. Und dann trauen sich die Jungs auch mehr zu.“
Stimmungsumschwung: Werder Bremen begeistert plötzlich mit Rückkehrern und Neuzugängen gegen Gladbach
Wie das aussehen kann, wenn Werder Bremen mit den Rückkehrern (Jens Stage und Marco Friedl) sowie den Neuzugängen (Samuel Mbangula, Yuki Sugawara, Cameron Puertas und Victor Boniface) selbstbewusst auftritt, davon können sie in Gladbach nun ein Lied singen. „Die letzten zwanzig, dreißig Minuten habe ich es von außen richtig genossen, den Jungs zuzuschauen“, berichtete Stage über die Phase nach seiner Auswechslung im zweiten Durchgang, in der Romano Schmid per Foulelfmeter (74.) und Justin Njinmah (81.) das Ergebnis nach oben geschraubt hatten – und ergänzte: „Das war richtig geiler Fußball.“
Allerdings gehört auch zur Wahrheit, dass Werder Bremen im ersten Durchgang etwas Zeit brauchte, um in die Partie zu finden. Rund um den Führungstreffer durch Mbangula (15.) war zunächst Borussia Mönchengladbach das spielbestimmende Team. „Wir hatten definitiv in der ersten Halbzeit auch unsere Mühe“, räumte Steffen ein. „Wir haben uns am Anfang ein bisschen schwergetan, gerade im Verteidigungsverhalten. Wann schiebe ich raus, wann mache ich die Räume zu – da haben wir ihnen ein bisschen zu viel Platz gelassen“, merkte auch Sportchef Clemens Fritz an. Doch im Verbund bereinigten die Bremer schließlich alle gefährlichen Situationen und zeigten nach vorne hin eine bemerkenswerte Kaltschnäuzigkeit. „Mein Gefühl war, dass wir immer gefährlich wurden, sobald wir in der gegnerischen Hälfte waren“, sagte Stage, der in der 26. Minute bei seinem Comeback nach zwei Monaten Verletzung das 2:0 erzielte.
Was geht für Werder Bremen nach dem Sieg gegen Gladbach? Jens Stage: „Zu früh, um zu beurteilen, was möglich ist“
Es war deutlich zu spüren, dass nicht nur Stages Rückkehr, sondern auch der bislang beste Auftritt von Mbangula im Trikot des SV Werder Bremen sowie das auffällige Debüt von Neuzugang Puertas dem Bremer Spiel guttaten und neue Möglichkeiten eröffneten. „Wir haben richtig Qualität dazubekommen“, freute sich Steffen über die vielen Optionen im Kader. „Sie haben sich schnell an die Abläufe gewöhnt, auch wenn wir aufgrund der fehlenden Zeit noch nicht alles besprechen konnten.“ Tatsächlich fiel auf, dass die neuformierte Mannschaft, die sich wegen der vielen Abstellungen in der Länderspielpause kaum einspielen konnte, nach kurzer Findungsphase schnell einen guten Rhythmus fand. „Die Jungs bringen so viel individuelle Qualität mit, dass sie untereinander vieles selbst regeln, wer wo hingeht“, lobte der Werder-Coach.
Und so kommt es, dass Werder Bremen nach den vielen negativen Vorzeichen der vergangenen Wochen und einer schwierigen Vorbereitung nach dem dritten Spieltag mit positivem Torverhältnis und vier Punkten auf Platz neun steht – und der Blick im Umfeld plötzlich wieder mehr nach oben als nach unten geht. Die Verantwortlichen wollten den kompletten Stimmungsumschwung nach außen aber noch nicht mittragen. „Es ist schon einiges drin, aber eben auch noch einiges zu tun“, betonte Horst Steffen. Auch Jens Stage tat sich schwer mit einer klaren Prognose: „Es ist noch zu früh, um zu beurteilen, was in dieser Saison möglich ist. Aber man sieht definitiv das Potenzial dieser Mannschaft.“
„Ein hochverdienter Sieg“: Werder Bremen schlägt Gladbach klar - und schafft den Turnaround
Ein Potenzial, das in Bremen wieder deutlich mehr Fantasie auf eine positive Spielzeit weckt. Dass sie bei Werder Bremen den Turnaround öffentlich nicht sofort befeuern wollten, ist nachvollziehbar – dafür sah es bis Ende August aufgrund der Verletzungssorgen, der stockenden Transfers und des misslungenen Saisonstarts eben noch ganz anders aus. „Ich habe intern aber immer gesagt: Lasst uns ruhig bleiben, lasst uns aus Überzeugung handeln“, gab Sportchef Clemens Fritz einen Einblick in die vergangenen Wochen. „Wir hatten Dinge vorbereitet, die aus bestimmten Gründen noch nicht umsetzbar waren – das weiß die Öffentlichkeit natürlich nicht. Also habe ich gesagt: Wir müssen jetzt mit der Kritik leben.“
Nun aber war der Ex-Profi mehr als glücklich über die neuen Kaderoptionen und den Auftritt in Gladbach: „Es war ein souveräner und hochverdienter Sieg.“ Einer, der wie ein Brustlöser für Mannschaft und Fans wirkte und Lust auf mehr machte. Denn eines steht fest: Mit dem Sieg in Gladbach hat der SV Werder Bremen endgültig den Turnaround geschafft – auch wenn es erst der Anfang gewesen sein soll. (bvo)
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