Werders Rekordtransfer
Van der Vaart über Klaassen: „Er tut jeder Mannschaft gut“
Bremen - Von Hans-Günter Klemm. Am Wochenende hat er sich zweimal verdient gemacht. Einmal als Vorbereiter des Führungstreffers gegen den 1. FC Nürnberg und einmal als schonungsloser Analytiker des danach Folgenden.
„Das war scheiße“, sagte Davy Klaassen und bewies damit die Treffsicherheit, die dem Team zuvor gefehlt hatte. Klaassen darf so etwas sagen, denn Werder Bremen hat ihn als Führungsspieler geholt. Als einen, der den Ton angeben soll – auf und abseits des Platzes. Wie weit der zu Saisonbeginn für 13,5 Millionen Euro vom FC Everton nach Bremen gewechselte Niederländer auf diesem Weg schon ist und wie seine Perspektiven an der Weser und in der „Elftal“ sind, bewerten drei prominente Landsleute. Die DeichStube hat bei Rafael van der Vaart, Alfred Nijhuis und Nico-Jan Hoogma nachgefragt.
Bundesliga ja, Premier League nein
Zu seinem Schritt, die Insel zu verlassen und sich Werder anzuschließen, kann er ihn nur beglückwünschen. „Davy hat alles richtig gemacht“, sagt Rafael van der Vaart über den Klaassen-Transfer in diesem Sommer. Bundesliga ja, Premier League nein – auf diesen Nenner bringt der frühere Nationalspieler der Niederlande die momentane Situation des neuen Werder-Profis. „Ich traue ihm zu, dass er sich in Bremen und Deutschland eher durchsetzt als in England.“
Klaassen sei einfach nicht reif für die Insel gewesen, argumentiert der ehemalige Profi des Hamburger SV, der für die „Elftal“ 109 Länderspiele absolviert hat. Die Erwartungshaltung in Everton sei zu hoch gewesen, als dieser 2017 den Sprung gewagt hatte. In Everton hätten sie auf Klaassen-Treffer am Fließband gehofft. Immerhin war der Mittelfeldmann mit der Empfehlung gekommen, in 126 Erstligapartien für Aajx Amsterdam sage und schreibe 44 Tore markiert zu haben. Van der Vaarts Einschätzung: „Bei Ajax und in der Eredivisie konnte er diese Quote erreichen, in England war dies ausgeschlossen, was ich auch befürchtet hatte. Er ist halt nicht dieser Spielertyp, nicht so torgefährlich und niemand, der in die Spitze geht.“
Für van der Vaart, der seine Karriere augenblicklich beim dänischen Aufsteiger Esbjerg ausklingen lässt, ist Klaassen ein typischer Box-to-box-Spieler, „der jeder Mannschaft gut tut.“ Auch Werder werde von seinen Fähigkeiten profitieren: „Davy arbeitet im Zentralbereich und ist dabei enorm effektiv. Ihn zeichnet eine fantastische Sicherheit am Ball aus, er wird kaum Fehlpässe spielen.“
Van der Vaart gratuliert Baumann
Van der Vaart gratuliert dem Bremer Sportgeschäftsführer Frank Baumann zu diesem Transfer, der sich auszahlen werde. Ihn freut, dass der in Hilversum geborene Klaassen aus der Ajax-Schule einen so guten Einstand an der Weser hingelegt habe: „Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es bei einem neuen Club sehr wichtig ist, schnell Fuß zu fassen.“
Ein guter Anfang, dem ein noch besseres Happy End folgen könnte. „Klaassen schafft es in der Bundesliga“, glaubt Alfred Nijhuis, der frühere Bundesliga-Profi, der für den MSV Duisburg und Borussia Dortmund spielte. „Auch körperlich bringt er inzwischen alle Voraussetzungen mit.“
Der Trainer, der zuletzt den Regionalligisten und Bayern-Pokalgegner SV Rödinghausen betreute und nun als Scout für den holländischen Erstligisten Heracles Almelo tätig ist, sieht dabei ein großes Plus: „Mit Max Kruse hat Davy einen famosen Fußballler an seiner Seite, einen Spieler, der auch für einen technischen Fußball steht. Das ist sein großes Glück. Es wird ihm bei Werder helfen.“
In der niederländischen Nationalelf spielt Klaassen keine Rolle
Einst galt Klaassen, der 2014 sein Debüt in der niederländischen Nationalelf feierte und bislang 14 Länderspiele (vier Tore) absolviert hat, als der kommende Star im gebeutelten Fußball des Nachbarlandes. Sein letzter Einsatz fand vor gut einem Jahr statt, beim 2:0 gegen Schweden in der WM-Qualifikation. Beim Neuaufbau der Elftal unter dem nach der verpassten WM-Qualifikation berufenen Bondscoach Ronald Koeman stand er bisher nicht zur Debatte.
Ob es für ein Comeback nochmal reicht? „Die Chance ist da, wenn er sein Spiel bei Werder stabilisiert,“ betont Nijhuis. „Abwarten“, sagt van der Vaart, der beim Länderspiel gegen Deutschland am 13.Oktober in Amsterdam offiziell verabschiedet wird.
In den Planungen der Niederländer scheint Klaassen gegenwärtig noch keine Rolle zu spielen. Georginio Wijnaldum, der Star aus Liverpool, ist gesetzt. Daneben haben Frenkie de Jong, das Supertalent von Ajax, sowie Kevin Strootman aus Marseille und Davy Pröpper (Brighton) die Nase vorn. Keine Rede augenblicklich von Klaassen, keine Einladung.
„Wir beobachten natürlich, wie sich Davy bei Bremen schlägt“, sagt Nico-Jan Hoogma. Früher Kapitän beim Hamburger SV, ist der einstige Abwehrspieler nun Direktor beim holländischen Verband und neben Koeman der Mann, der den Fußball in den Niederlanden wieder nach oben bringen soll. Hoogma macht dem Spieler mit der Rückennummer 30 bei Werder dezente Hoffnung: „Die Tür zur Nationalelf ist immer offen.“
Davy Klaassen: Seine Karriere in Bildern




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