Als im Spiel plötzlich der Anruf kam...

Ismael über Griechenland-Engagement: „Das war alles unseriös“

Valerien Ismael ist aktuell auf Jobsuche – auch im Ausland. In Griechenland wird der Fußball-Lehrer aber so schnell nicht wieder anheuern.
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Valerien Ismael ist aktuell auf Jobsuche – auch im Ausland. In Griechenland wird der Fußball-Lehrer aber so schnell nicht wieder anheuern.

Bremen/München - Es ist eine Geschichte, wie sie sich sicherlich schon tausendfach auf der Welt zugetragen hat. Aber selten wird sie auch so offen erzählt wie von Valerien Ismael. Der Franzose mit der Wahlheimat Deutschland hat in Griechenland etwas erlebt, was er als „Crashkurs“ bezeichnet. Ein Crashkurs in Sachen Trainerleben, wie er es sich nie vorgestellt und deshalb auch nicht lange geführt hat.

Denn Ismaels Griechenland-Story ist die Story über ein offenbar sehr großes Chaos und einen Club-Präsidenten mit einem offenbar noch größeren Ego. Sie endet mit einer Flucht aus einer Stadt, in der es Ismael eigentlich gut gefallen hat und mit dem Abschied von einer Mannschaft, mit der er nach eigener Aussage bestens zusammenarbeitete. Dennoch stand bei dem 43-Jährigen Ende August und nach nur 61 Tagen Amtszeit beim Athener Fußball-Verein Apollon Smyrnis fest: „So geht es nicht, so kann ich nicht weitermachen.“

Ismael: „Ich habe eine falsche Entscheidung getroffen“

Dabei war Ismael, der 2004 als Verteidiger mit Werder Bremen das Double gewonnen hatte, voller Hoffnungen nach Athen geflogen, damals Ende Mai diesen Jahres. 15 Monate nach seiner Entlassung beim VfL Wolfsburg wollte der Fußball-Lehrer wieder arbeiten. Unbedingt. Deshalb gönnte er sich nur zwei Tage des Nachdenkens, bevor er bei dem griechischen Erstligisten, einem Underdog aus der Hauptstadt Athen, zusagte. Er habe für die Entscheidungen in seiner Karriere nie lange gebraucht, erklärte er. Mittlerweile weiß er, dass er besser etwas genauer hingeguckt hätte. Denn was Ismael bei Apollon Smyrnis erlebte, war gelinde gesagt ein Reinfall. Ein totaler.

„Ich habe eine falsche Entscheidung getroffen“, bekennt der Ex-Profi im Gespräch mit der DeichStube und erzählt, was ihm die Arbeit unmöglich gemacht hatte. Es begann direkt in der Vorbereitung auf die Saison. Ismael stellte ein neues Team zusammen, verpflichtete in Kevin Pezzoni (Wehen Wiesbaden) und dem Ex-Bremer Justin Eilers unter anderem auch zwei Deutsche. Doch Präsident und Mäzen Panagiotis Monemvasiotis funkte immer wieder dazwischen. Ismael: „Wir hatten unser erstes Testspiel, die Mannschaft war müde, hat verloren. Das ist völlig normal und gehört im Fußball dazu. Aber der Präsident schmeißt gleich drei Spieler raus. Das war für mich der erste Anlass, mich zu fragen: Wo bin ich denn hier gelandet?“

Die Frage kehrte wieder, weil der Präsident weitere Spieler feuerte. In Summe waren es acht, und auch der deutschsprachige Sportdirektor Georgios Tselios, für Ismael eine wichtige Person im Club, musste gehen. Also stand der Coach eine Woche vor dem Liga-Start mit einem Sportdirektor, den er nicht kannte, und einem nur noch 14 Spieler umfassenden Kader da.

Keine Unterstützung vom Sportdirektor

Das Team wurde zwar eilig wieder mit neuen Spielern befüllt, aber körperlich fit waren längst nicht alle. Spielen sollten sie dennoch sofort. Sagte der Präsident. Mit einem bitteren Lachen erinnert sich Ismael an sein erstes und – wie sich herausstellen sollte – letztes Punktspiel mit Apollon Smyrnis: „Es lief die zweite Halbzeit, ich stand an der Seitenlinie, habe die Spieler gecoacht, als mir der Sportdirektor auf die Schulter tippte und mir ein Telefon reichte.“ Anruf vom Chef. Er gab Anweisung, wer nun einzuwechseln sei. „Das war wirklich der Höhepunkt“, meint Ismael, für den nun absolut klar war: Nix wie weg hier!

Denn vom Sportdirektor hatte er keine Unterstützung zu erwarten: „Der hat alles gemacht, was der Präsident gesagt hat. Für mich stand fest: Das war alles unseriös. Ich bin schon seit 25 Jahren im Fußballgeschäft und ich weiß, dass man ein bisschen harmonieren muss, um erfolgreich zu sein. Man braucht eine Linie und eine Bereitschaft, gemeinsam etwas zu entwickeln. Das war nicht vorhanden. Wenn du jede Woche Spieler rasierst, Entscheidungen aus der Emotion und ohne Sachverstand triffst, dann ist es schwierig, zusammenzuarbeiten.“

Valerien Ismael jubelte von 2003 bis 2005 im Werder-Trikot.

Aktuell macht Valerien Ismael in seinem Wohnort München das, was Trainer ohne Verein so machen: Er bildet sich fort. Er schaut viele Spiele, nimmt zweimal pro Woche Englisch-Unterricht. „Englisch als dritte Sprache neben Französisch und Deutsch zu beherrschen, wäre sehr gut für mich. Es ist ein schönes Gefühl, eine neue Sprache zu lernen. Das tue ich jetzt mit vollem Elan und hoffe, dass eine Anfrage kommt, wo das gebraucht wird.“

Der nächste Job wird ihn mit großer Wahrscheinlichkeit wieder ins Ausland führen, irgendwohin, „wo ich Englisch sprechen muss. Das würde mich weiterentwickeln.“ Nur Griechenland scheidet als Ziel aus. „Dort“, lacht Ismael, „habe ich meine Erfahrungen gemacht.“ Apollon Smyrnis ist aktuell übrigens Tabellenletzter in Griechenland – und das mit dieser Zehn-Spiele-Bilanz: Ein Punkt geholt, zwei Tore geschossen, drei Trainer verschlissen.

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