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Der SV Werder Bremen hat das letzte Saisonspiel gegen den VfL Bochum mit 4:1 (1:0) gewonnen. Lange Zeit kontrollierte Werder die Partie, ehe der Zwischenstand eines anderen Spiels die Gäste aufweckte. Am Ende muss sich Werder grämen, nicht noch mehr Tore geschossen zu haben, meint unser Kolumnist Tobias Escher in seiner Taktik-Analyse.
Der letzte Spieltag ist ein ganz besonderer. Entscheidend ist nicht nur das eigene Ergebnis, sondern auch das, was auf den anderen Plätzen der Bundesliga geschieht. Beim finalen Saisonspiel des SV Werder Bremen gegen den VfL Bochumschienen nicht nur die Fans mit einem Auge auf die anderen Plätze zu schielen. In der ersten Halbzeit konnte Werder die Partie noch dominieren. Nach der Pause folgte der Rhythmus der Partie dem Spielstand zwischen Union Berlin und dem SC Freiburg, das für beide Mannschaften das Zünglein an der Waage darstellte.
Werder Bremen gegen VfL Bochum in der Taktik-Analyse: Kleine, aber feine Änderung - Nick Woltemade hinter dem Doppelsturm
Ole Werner sah nach dem 1:1 gegen RB Leipzig keinen Grund, seine Startformation zu ändern. Werder begann zum fünften Mal in Folge mit derselben Startformation. Eine taktische Änderung nahm Werner dennoch vor: Nick Woltemade begann gegen den VfL Bochum nicht in der vordersten Linie. Er hing als Zehner leicht hinter Romano Schmid und Marvin Ducksch. Gerade im Spiel gegen den Ball agierte er klar als Mittelfeldspieler.
Werner dürfte diese Änderung vorgenommen haben, um das Spiel des VfL Bochum durch die Mitte zu blockieren. Zehner Kevin Stöger ist der Spielgestalter der Bochumer Mannschaft. Er lässt sich häufig aus dem Zehnerraum fallen, um den Ball zu fordern und zu verteilen. Bochums Doppelsechs wiederum stößt nach vorne. Sie bietet sich an für Stögers Pässe.
Werder Bremen konnte in der ersten Halbzeit das Spiel über Stöger fast durchgehend verhindern. Im Mittelfeld agierte Werder mannorientiert, übergab dabei jedoch die Spieler. So kümmerte sich Woltemade um Stöger, sobald dieser sich zu weit fallen ließ. So konnte Werder die Mittelfeldspieler des Gegners stets abdecken. Zwischenzeitlich ließ sich Stöger auf die Linksverteidiger-Position fallen, damit er überhaupt Bälle erhielt.
Werder Bremen gegen VfL Bochum in der Taktik-Analyse: Werder mit Vorteilen auf den Flügeln
Werders enge Deckung im Zentrum sorgte für zahlreiche Ballgewinne. Der VfL Bochum versuchte, das Spiel trotz der engen Bewachung der Bremer flach durch das Zentrum zu eröffnen. Das funktionierte in den seltensten Fällen. Selbst wenn sie den Ball nach außen spielten, arbeitete die Bremer Doppelsechs konsequent mit: Sie unterstützte auf den Flügeln. Werder Bremen konnte den Ball sowohl im Zentrum als auch auf den Seiten abfangen.
Nach der Balleroberung beschleunigten die Bremer das Spiel. Sie suchten vor allem den Weg über die Flügel. Hier witterte Werder eine Schwachstelle des VfL Bochum: Gerade der Bochumer Aushilfs-Rechtsverteidiger Tim Oermann tat sich schwer gegen den nach außen rückenden Marvin Ducksch. Romano Schmid bewegte sich ebenfalls häufig nach links, die rechte Seite besetzte der gewohnt offensiv auftretende Mitchell Weiser.
Nicht nur in Kontersituationen gelang es Werder Bremen, die eigenen Flügelspieler freizuspielen. Auch aus dem Ballbesitz heraus überzeugten die Bremer mit genauen Kombinationen. Sie schafften es immer wieder, den Bochumer Rechtsaußen Moritz Broschinski ins Pressing zu locken. Anschließend bespielte Werder den Raum hinter Broschinski. Auch hier waren Schmid und Ducksch die entscheidenden Akteure, um ein Übergewicht auf der linken Seite herzustellen.
Die Grafik zeigt diesmal das Pressing des VfL Bochum. Moritz Broschinski lief auf der rechten Seite die Dreierkette des SV Werder Bremen an. Dahinter sicherte Bochum aber nicht optimal ab, sodass Marvin Ducksch sich immer wieder nach links schleichen konnte.
Werder Bremen gegen VfL Bochum in der Taktik-Analyse: Bochum wachte erst auf, als Union traf
Zur Pause gab es aus Werder-Sicht nur ein Manko: Sie hatten aus ihren zahllosen Möglichkeiten nur ein Tor geschossen. Nach der Pause wollten sie das Versäumnis nachholen. Werder Bremen stand nun etwas tiefer. Das lag auch an der frühen Auswechslung des Gelb-Rot gefährdeten Senne Lynen. Jens Stage interpretierte dessen Position als Abräumer tiefer.
Noch drohte jedoch keine Gefahr vonseiten des VfL Bochum. Der SV Werder Bremen hatte das Mittelfeld weiter im Griff. Als im Stadion jedoch der Führungstreffer von Union Berlin die Runde machte, änderte sich das Spiel. Bochum stand nun mit einem Bein in der Relegation – und musste fortan alles nach vorne werfen.
VfL-Coach Heiko Butscher löste das Mittelfeld auf. Das entstehende 4-2-4 war ein enorm offensives Spielsystem. Gerade auf dem linken Flügel hatte der VfL Bochum nun mehr Präsenz. Werder ließ sich in dieser Phase immer tiefer reindrücken. Gleichzeitig konnten sie über Konter immer wieder Nadelstiche setzen; schließlich gab es kein Bochumer Mittelfeld mehr, das diese Konter hätte verhindern können.
Werder Bremen gegen VfL Bochum in der Taktik-Analyse: Werder hätte zwei Tore mehr schießen müssen
Bereits nach 75 Minuten hatten die Zuschauer 33 Torschüsse bestaunen dürfen. Es gab in der gesamten Bundesliga-Saison nur drei Partien mit Bremer Beteiligung, bei denen es nach 90 Minuten mehr Torschüsse gab. In der Schlussviertelstunde eskalierte die Partie völlig: 20 weitere Torschüsse kamen obendrauf.
Der VfL Bochum ließ permanent fünf Angreifer vorne. Werder Bremen wiederum rückte bei eigenen Kontern ebenfalls mit sieben Mann auf. Gerade Stage war fortan fast ausschließlich im gegnerischen Strafraum zu finden. Werder hatte zu jeder Zeit eine Überzahl im gegnerischen Strafraum. So kamen sie in der Schlussviertelstunde zu drei Toren, es hätten angesichts der Chancen sogar noch mehr sein können. Am Ende genügte der Bremer 4:1-Erfolg nicht für eine Teilnahme an der Conference League. Für Werder war es dennoch ein freudiger Saisonabschluss.
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