Sturm im Fokus

Topstars liefern, produzieren aber noch keine Angebote: Viele offene Zukunftsfragen bei Werder – bleibt Milosevic?

Beim SV Werder Bremen gibt es etliche offene Zukunftsfragen. Die Stürmer-Suche rückt wieder verstärkt in den Fokus. Was wird aus Jens Stage und Jovan Milosevic?

Die Chancen stehen gut, dass Jens Stage auch in dieser Saison wieder Top-Torschütze des SV Werder Bremen wird. Drei Spieltage vor Saisonende steht der dänische Mittelfeldspieler erneut bei zehn Treffern – eine Marke, die ihm bereits im vergangenen Jahr den ersten Platz in der internen Rangliste einbrachte. So außergewöhnlich diese Quote für einen zentralen Mittelfeldspieler auch ist und so sehr Stage als Führungsspieler geschätzt wird, hat die Statistik auch eine Kehrseite: Zum zweiten Mal in Folge wird es bei Werder aller Voraussicht nach kein Mittelstürmer auf eine zweistellige Ausbeute bringen. Ein Umstand, der für die Verantwortlichen im Sommer zur zentralen Baustelle werden dürfte. Die Problematik gilt neben der Verletzungsseuche schließlich auch intern als einer der Hauptgründe für die insgesamt enttäuschende Saison.

Bisher hat Werder Bremen Jovan Milosevic (r.) vom VfB Stuttgart ausgeliehen. Könnte der Stürmer nun sogar längerfristig an der Weser bleiben?

Was, wenn Jens Stage wechselt? Stürmer-Frage rückt bei Werder Bremen noch stärker in den Fokus

Zumal auch der Verbleib von Jens Stage über den Sommer hinaus keineswegs gesichert ist. Zwar besitzt der 29-Jährige nach DeichStube-Informationen noch einen Vertrag bis 2028 und soll im besten Fall behalten werden, mit seinen konstant starken Leistungen weckt er jedoch das Interesse anderer Clubs. So bringt die „Bild“ die TSG Hoffenheim als Interessenten für einen Transfer im Sommer ins Spiel. Konkrete Anfragen gibt es bislang allerdings weder für Stage noch für andere umworbene Profis des SV Werder Bremen wie etwa Karim Coulibaly oder Mio Backhaus. „Bislang liegen uns keine Angebote für Spieler vor“, bestätigt Werders Sportchef Clemens Fritz gegenüber der DeichStube. Ein Abgang Stages ist angesichts der angespannten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dennoch nicht ausgeschlossen – und rückt damit die Stürmersuche noch stärker in den Fokus.

Denn von den aktuell vier klassischen Angreifern im Kader (Jovan Milosevic, Victor Boniface, Keke Topp und Salim Musah) stehen in der kommenden Saison lediglich zwei fest unter Vertrag (Topp und Musah). Dabei fällt Ersterer nach seinem im März erlittenen Kreuzbandriss noch langfristig aus, während Musah erst am Anfang seiner Profikarriere steht. Daher überrascht es nicht, dass sich Werder Bremen intensiv mit einem längeren Verbleib des vom VfB Stuttgart ausgeliehenen Milosevic beschäftigt und die Gespräche zuletzt vorangetrieben hat. „Es gab rund um das Spiel einen Austausch mit den Verantwortlichen des VfB“, sagt Fritz, schränkt aber umgehend ein: „Dabei wurde noch nichts beschlossen.“ Eine weitere Zusammenarbeit ist dennoch vorstellbar. Auch beim VfB zeigt man sich offen für dieses Szenario. „Aktuell funktioniert das sehr gut. Deswegen kann das auch in der neuen Saison so sein“, sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth am Rande des Aufeinandertreffens am Sonntagnachmittag. Gleichzeitig verwies er auf offene Punkte: „Finanzielle Themen und eine mögliche Einsatzgarantie spielen dabei eine Rolle.“

Werder Bremen-Transfer-News: Könnte Jovan Milosevic fest wechseln? Welche Fragen zu klären sind

Positiv aus Bremer Sicht: Anders als noch im Winter sollen die Stuttgarter nach DeichStube-Informationen inzwischen nicht mehr gänzlich abgeneigt sein, bei einer erneuten Leihe auch über eine Kaufoption zu sprechen. Sogar ein fester Transfer scheint nicht völlig unmöglich. So weit sind die Gespräche allerdings noch nicht. Das Interesse Werders an Jovan Milosevic, der im Schwabenland noch einen Vertrag bis 2029 besitzt, ist dennoch klar formuliert. „Jovan ist bei uns gut angekommen und bringt sich gut ins Team ein. Seine Verletzung war natürlich schade und hat ihn etwas zurückgeworfen. Deshalb konnten wir ihn bislang noch nicht vollständig an seine Leistungsgrenze heranführen. Wir sehen aber weiterhin Potenzial in ihm und finden ihn als Spielertyp nach wie vor spannend“, sagt Fritz. Auch Werder Bremens Cheftrainer Daniel Thioune äußerte sich während einer Medienrunde am Montag ähnlich über die Zukunft seines Stürmers: „Sollte Jovan langfristig Teil des Teams sein, steckt in ihm noch viel Potenzial, das wir entwickeln und freilegen können.“

Die finale Entscheidung liegt jedoch nicht bei ihm, sondern bei der sportlichen Leitung. Doch auch der Bremer Coach spielt eine nicht unwesentliche Rolle bei der Kaderplanung. Schließlich geht es darum, in welchem System Thioune Werder Bremen künftig spielen lassen möchte. Setzt der gebürtige Osnabrücker weiterhin auf eine Spitze oder auf ein System mit Doppelsturm? Auch von dieser Frage hängt – neben wirtschaftlichen Faktoren – maßgeblich ab, wie viele Angreifer im Sommer verpflichtet werden müssen. Der Glaube, dass teure Verkäufe samt Millioneneinnahmen dazu führen, dass die gesamten Summen in neues Personal – vorrangig im Sturm – reinvestiert werden können, dürfte sich indes nicht bewahrheiten. Dafür sind die internen finanziellen Verpflichtungen und zu stopfenden Lücken zu groß. Teure Abgänge von Leistungsträgern wie Coulibaly oder Stage würden den Handlungsspielraum für Fritz und Co. dennoch erweitern und auch in den Verhandlungen rund um die Zukunft von Milosevic für etwas mehr Spielraum sorgen. (bvo)

Rubriklistenbild: © Pressefoto Rudel / gumzmedia

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