Werder vor richtungsweisendem Spiel
Aktuell nicht trittfest: Nach Werders Pleite in Stuttgart fordert Fritz eine Reaktion der Mannschaft
Nach nur einem Sieg aus den vergangenen acht Bundesliga-Spielen steht der SV Werder Bremen unter Druck. Clemens Fritz, Werders Leiter Profifußball, nimmt die Mannschaft vor der richtungsweisenden Partie gegen den FC Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr) deshalb in die Pflicht.
Bremen – Es war durchaus ein symbolträchtiges Bild, das sich da am Dienstagnachmittag vor dem Wohninvest Weserstadion bot. Fast so, als hätte irgendjemand die kleine Szene eigens dafür initiiert, um mit ihr die sportliche Lage des SV Werder Bremen Anfang Dezember 2023, nun ja, zu veranschaulichen. Natürlich hatte das niemand getan, im Gegenteil: die Szene war purer Zufall, passte aber dennoch ziemlich gut. Denn wie bereits beim desaströsen 0:2 von Stuttgart traten die Bremer Profis auch beim Start in die neue Arbeitswoche alles andere als trittfest auf. Schnee und Eis ließen den gepflasterten Weg zum Trainingsplatz zur Rutschpartie werden: Werder Bremen, eine Mannschaft auf Schlingerkurs.
Klar ist: Zumindest fußballerisch sollte damit, ja muss eigentlich schnellstmöglich Schluss sein, weil es in der Tabelle vor Weihnachten ansonsten noch viel ungemütlicher wird, als es aktuell mit nur noch zwei Pünktchen Vorsprung auf den Relegationsplatz ohnehin schon ist. Deshalb stuft Clemens Fritz, Leiter Profifußball beim SV Werder Bremen, bereits die Trainingswoche vor dem kommenden Heimspiel gegen den FC Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) im Gespräch mit der DeichStube als „ganz entscheidend“ ein.
Werder Bremens Clemens Fritz: „Wenn wir so auftreten wie in Stuttgart, wird es schwer, in der Bundesliga Punkte zu holen“
„Wir spielen zu Hause und wollen komplett anders auftreten als zuletzt in Stuttgart. Ich erwarte ein sehr intensives und körperbetontes Spiel gegen Augsburg. Sie werden uns alles abverlangen, und dagegen müssen wir uns wehren“, fordert der 42-Jährige, der genau das zuletzt von seiner Mannschaft vermisst hatte. Gegen den VfB Stuttgart hatte Werder Bremen bekanntlich die wohl schwächste Leistung der Saison gezeigt und nicht mal im Ansatz eine Chance gehabt, was im Nachgang vom Cheftrainer, von den Spielern, den Verantwortlichen, Medien und Fans einhellig kritisiert wurde, allerdings mit variierendem Schärfegrad. „Wenn wir so auftreten wie in Stuttgart, wird es schwer, in der Bundesliga Punkte zu holen“, sagt Clemens Fritz – und hält unmissverständlich fest: „Wenn wir aber unsere bestmögliche Leistung auf den Platz bringen, können wir es jedem Gegner in der Liga schwer machen. Davon bin ich absolut überzeugt. Zuerst muss aber die Basis stimmen, Dinge wie Intensität, Zweikampfschärfe und das Läuferische. Erst dann kommt die fußballerische Qualität. Das muss jeder verinnerlichen.“ Anders als einen klaren Appell, als deutliche Ansage ans Team kann das kaum gelesen werden.
Werder Bremen setzt für die Spieler alle Medienrunden vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg ab
Die Spieler selbst werden sich im Laufe der Woche derweil nicht mehr öffentlich äußern, die ansonsten obligatorischen Medienrunden sind abgesetzt, was beim SV Werder Bremen absoluten Seltenheitswert hat und auf Nachfrage der DeichStube mit Termingründen erklärt wird. Eine Interviewsperre gibt es demnach nicht, dafür wohl stressige Tage in der Vorweihnachtszeit mit Sponsorenterminen und Fotoshootings. Und natürlich und vor allem Trainingseinheiten.
Nach der vom Dienstag hat Werder Bremens Chefcoach Ole Werner für den Verlauf der Woche vier weitere Einheiten in den Plan geschrieben, eine davon im Kraftraum sowie drei auf dem Platz, von denen wiederum eine komplett und die anderen beiden zum Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Neben mannschaftstaktischen und gegnerspezifischen Inhalten wird es dabei auch ums Sinneschärfen gehen, wie Clemens Fritz verdeutlicht.
Werder Bremens Clemens Fritz vor Augsburg-Spiel: „Jedem bei uns muss bewusst sein, in welcher Situation wir uns befinden“
„Jedem bei uns muss bewusst sein, in welcher Situation wir uns befinden. Es geht für uns in dieser Saison ausschließlich um den Klassenerhalt. Etwas anderes haben wir auch nie gesagt“, betont der Ex-Profi des SV Werder Bremen, der nach dem Stuttgart-Spiel aber auch nicht zu schwarzmalen möchte: „Wir sollten nicht vergessen, dass in den vergangenen Wochen viele Dinge gut funktioniert und wir auch Punkte geholt haben. Daran müssen wir anknüpfen.“ Entsprechend hat sich auch nichts an der Tatsache geändert, dass Cheftrainer Ole Werner intern nach wie vor nicht zur Debatte steht, wie Clemens Fritz auf Nachfrage erklärt: „Ole hat unsere komplette Rückendeckung. Wir sehen, wie er mit der Mannschaft arbeitet und vertrauen ihm voll und ganz. Da gibt es überhaupt keine Diskussion.“
Das Problem ist nur, dass diese Arbeit im Kalenderjahr 2023 viel zu wenig Punkte eingebracht hat und sich Rückschläge wie der von Stuttgart in unschöner Regelmäßigkeit wiederholen. Werder Bremen wackelt, rutscht, findet kurz Halt und schlingert dann doch wieder durch die Saison, was sich gestern – um das symbolträchtige Bild vom Anfang noch einmal aufzugreifen – nach dem Weg zum Trainingsplatz übrigens auch dort fortgesetzt hat. Der Winter ist grundsätzlich eher kein Freund des Fußballs, was Clemens Fritz gerade aber nicht mal ansatzweise interessiert. Der Leiter Profifußball dürfte in dieser Woche am Rand des Platzes stehen, wann immer das Team vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg trainiert. „Es ist ganz entscheidend, dass wir eine gute Trainingswoche haben, mit klarem Fokus und hoher Intensität, denn das Spiel am Samstag ist sehr wichtig für uns“, weiß er. (dco)