Werder-Profi überzeugt

Bremer Bodyguard: Warum Werder nicht mehr auf Jens Stage verzichten kann – Baustelle Torabschluss

Jens Stage (am Ball) hatte zuletzt mit Knieproblemen zu kämpfen. Ein Ausfall würde den SV Werder Bremen hart treffen, schließlich zählt der Däne zu den absoluten Stammkräften.
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Jens Stage (am Ball) hatte zuletzt mit Knieproblemen zu kämpfen. Ein Ausfall würde den SV Werder Bremen hart treffen, schließlich zählt der Däne zu den absoluten Stammkräften.

Zuletzt hatte Jens Stage mit Knieproblemen zu kämpfen - da kam die jetzige Länderspielpause wie gerufen. Ein Ausfall würde den SV Werder Bremen hart treffen, schließlich zählt der Däne zu den absoluten Stammkräften - nur in der Offensive hat der Mittelfeldprofi noch Steigerungspotenzial.

Bremen – Beliebt war sie noch nie. Weder bei Spielern, noch bei Trainern. Und schon gar nicht bei den Fans. Dennoch hat sie seit einer gefühlten Ewigkeit ihren festen Platz im Fußball-Terminkalender: die erste Länderspielpause der Bundesliga-Saison, zu der es in der Regel Anfang September kommt. Dann also, wenn die Vereine nach Vorbereitung und wenigen Pflichtspielen gerade dabei sind, so etwas wie einen Rhythmus zu entwickeln, wenn sich Abläufe innerhalb der Mannschaften allmählich festigen – Pause. Zwei Wochen ohne Wettbewerb, der ja gerade erst begonnen hatte. Auch beim SV Werder Bremen schreien sie nicht unbedingt auf vor Freude, wenn es zur ersten Länderspielpause kommt, die im Rahmenterminkalender der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bürokratisch-korrekt „FIFA-Abstellung“ heißt und die entsprechenden Tage tiefschwarz einfärbt, damit sie auch niemand übersieht. Derzeit können sie am Osterdeich der Unterbrechung aber durchaus etwas Positives abgewinnen – verschafft sie doch einem Mann wertvolle Zeit, ohne den Werders Spiel schon lange nicht mehr auskommt: Jens Stage.

Werder Bremens Peter Niemeyer über Jens Stage: „Er plagt sich schon etwas länger mit Knieproblemen herum“

In der ersten Pokalrunde bei Energie Cottbus (3:1) waren es 71, in den ersten beiden Ligaspielen gegen Augsburg (2:2) und Dortmund (0:0) dann jeweils 90 Minuten, die der Däne auf dem Platz stand. Danach war für ihn Pause angesagt. „Jens Stage steuert die Belastung“, gab Werder Bremen zu Beginn der vergangenen Woche bekannt. Mit den Kollegen stand der Däne seit dem Dortmund-Spiel gar nicht auf dem Platz, auch für den Test bei Zweitligist Preußen Münster (2:3) war er nicht vorgesehen. Warum? „Jens plagt sich schon etwas länger mit Knieproblemen herum. Deshalb kam die Länderspielpause wie gerufen“, sagt Werders Leiter Profifußball Peter Niemeyer der DeichStube – und erklärt: „So konnte er eine kleine Auszeit nehmen. Am Dienstag wird er wieder ganz normal mit der Mannschaft trainieren.“ Bedeutet: Strukturell kaputt ist nichts im Knie. Vielmehr war es eine Reizung, die Stage Schmerzen bereitete. Jetzt, so Werders Hoffnung, ist wieder Ruhe im Gelenk und Stage wieder einsatzbereit. Was freilich nicht die schlechteste Nachricht wäre.

Seit der heute 27-Jährige im Sommer 2022 vom FC Kopenhagen zum SV Werder Bremen wechselte, hat er für die Mannschaft von Cheftrainer Ole Werner 68 von 74 möglichen Pflichtspielen bestritten. Fünf verpasste er gesperrt, nur einmal blieb er auf der Bank. Mehr Stammspieler geht also nicht. Peter Niemeyer drückt das so aus: „Jens ist sehr wichtig für unser Spiel, weil er auf dem Platz eine hohe Präsenz ausstrahlt. Das Profil, das er abbildet, haben wir kein zweites Mal im Kader.“ Als Achter an der Seite von Romano Schmid ist Jens Stage auf gewisse Art dessen Bodyguard und hält auch den Angreifern vor sich den Rücken frei. „Er ist viel unterwegs und zweikampfstark, ein absoluter Motor der Mannschaft“, sagt Niemeyer. Was sich mit Zahlen anschaulich belegen lässt.

Jens Stage überzeugte in der vergangenen Saison mit Top-Fünf-Werten bei Werder Bremen

In der vergangenen Saison legte Jens Stage in 30 Bundesligaeinsätzen eine Gesamtdistanz von 300,11 Kilometern zurück, was einem Schnitt von 11,60 pro Partie entspricht. Ein Top-Fünf-Wert innerhalb des Kaders des SV Werder Bremen. Eine bessere Zweikampfquote als Stages 52,67 Prozent konnten zudem nur die Innenverteidiger Niklas Stark, Anthony Jung, Marco Friedl und Milos Veljkovic vorweisen. Stage haut sich rein, immer und voll – so könnte man es umgangssprachlich sagen. Seiner Mannschaft beschert das im Erfolgsfall Balleroberungen. An dem, was danach gefragt ist, muss der Däne allerdings noch feilen. „Offensiv kommt er immer wieder in gute Situationen“, sagt Peter Niemeyer und fährt fort: „Er weiß aber selbst, dass etwas mehr Torgefahr noch wünschenswert wäre. Daran arbeitet er.“ Zwar klingen sechs Tore und sechs Vorlagen in 68 Pflichtspielen für einen überwiegend defensiv denkenden Mittelfeldmann nicht katastrophal – mehr möglich gewesen wäre jedoch allemal. Nur fehlte es Stage bisher an der letzten Präzision im Torabschluss. 

Die kleine Schwäche ändert aber nichts daran, dass Peter Niemeyer mit der Entwicklung des Profis voll und ganz zufrieden ist. „Jens ist zu einem Führungsspieler gereift, und genau das ist auch sein Anspruch an sich selbst. Er übernimmt nicht nur sportlich, sondern auch neben dem Platz Verantwortung.“ So rückte Jens Stage vor der laufenden Saison etwa in den sechsköpfigen Mannschaftsrat des SV Werder Bremen auf. Intern hat sein Wort Gewicht, nicht erst seit ein paar Wochen. Und auch sportlich will er nach überwundenen Knieproblemen nahtlos weitermachen. Schließlich gibt es da diesen Traum, der für Stage bisher nicht dauerhaft in Erfüllung gegangen ist.

Werder Bremens Peter Niemeyer über Jens Stages Traum von der Nationalmannschaft: „Ich wünsche ihm eine Nominierung sehr“

Im November 2021, damals noch als Profi des FC Kopenhagen, durfte der Däne zwar sein Debüt in der Nationalmannschaft feiern. Berücksichtigt wurde der Mittelfeldmann des SV Werder Bremen seitdem aber nicht mehr. „Das wäre natürlich etwas ganz Besonderes für ihn. Ich wünsche ihm eine Nominierung sehr“, sagt Peter Niemeyer, der Jens Stage durchaus gute Chancen einräumt: „Wenn man Leistungsträger und Führungsspieler eines Bundesligisten ist, dann dürfte man auf jeden Fall im engeren Kreis der Nationalmannschaft sein.“ Nicht ausgeschlossen also, dass Jens Stage Länderspielpausen eines Tages nicht mehr zum Steuern der Belastung, sondern zum Spielen für sein Heimatland Dänemark nutzt. (dco)

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