Brand-Nachfolge
Trainer wider Willen: Warum Wolter Werders U23 eigentlich gar nicht übernehmen wollte
Thomas Wolter wollte eigentlich gar nicht U23-Trainer des SV Werder Bremen werden und hielt Clemens Fritz für „verrückt“. Warum der 62-Jährige den Job trotzdem annahm.
Am vergangenen Wochenende war es soweit: Auftakt ins Pflichtspieljahr für die U23 des SV Werder Bremen. Regionalliga Nord, Stadion „Platz 11“, 367 Zuschauer - Werder II gegen den HSC Hannover. Auf dem Platz die drei Jung-Profis Salim Musah, Patrice Covic und Mick Schmetgens. Und auf dem Trainerstuhl an der Seitenlinie ein Mann, der dort eigentlich nie wieder sitzen wollte: Thomas Wolter. Wie konnte es dazu kommen konnte?
Rückblick: Im Herbst 2025 erhält Thomas Wolter einen Anruf. Am anderen Ende der Leitung meldet sich Werder-Sportchef Clemens Fritz, der ein ebenso ungewöhnliches wie dringliches Anliegen hat. Er sucht kurzfristig einen Nachfolger für U23-Coach Christian Brand, der einen neuen Trainerjob in der Schweiz annehmen möchte. Wolter, der mit Werder Bremen als Spieler goldene Zeiten erlebte, Deutscher Meister 1988 und 1993, DFB-Pokal-Sieger 1991 und 1994 sowie Gewinner des Europapokals der Pokalsieger 1992 wurde, ist in Fritz‘ Augen die ideale Lösung für den vakanten Posten - bis im Sommer ein neuer Coach übernehmen soll. Schließlich kennt Wolter als Sportlicher Leiter der U23 das Team aus dem Effeff und verfügt selbst über jede Menge Trainererfahrung. In mehr als 400 Pflichtspielen leitete der 62-Jährige die Geschicke von Werders Reservemannschaft zwischen 1999 und 2016.
Werder Bremen U23-Trainer Thomas Wolter über Clemens Fritz‘ Job-Angebot: „Habe ihn gefragt, ob er verrückt ist“
Doch Thomas Wolter, der sich vor zehn Jahren in den Trainerruhestand verabschiedet hat, ist von Fritz‘ Idee alles andere als angetan. „Ich habe ihn gefragt, ob er verrückt ist“, erinnert sich der gebürtige Hamburger im Gespräch mit „buten un binnen“. „Deswegen habe ich nicht gleich ja gesagt oder hurra geschrien“, verrät Wolter. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Wolter erbittet sich Bedenkzeit, „denn ich habe ja damals bewusst den Weg gewählt, als Trainer aufzuhören.“ Trotz anfänglich großer Skepsis und obwohl der Ex-Profi den Trainerjob keineswegs vermisst hat, überwiegt letztlich sein Pflichtgefühl. Er sagt zu. „Ich habe alles abgewogen und auch mit meiner Familie gesprochen“, gibt der 62-Jährige Einblicke in seine Gedanken und nennt das ausschlaggebende Argument für seine Entscheidung: „Letztendlich war das Wichtigste für mich, dass ich dem Verein damit helfen kann.“
Und genau das tut Wolter an diesem sonnigen Sonntagnachmittag beim Regionalliga-Heimspiel gegen den HSC Hannover – vor einer überschaubaren Kulisse zwar, aber dennoch nicht ganz ohne Aufregung. „Da war schon ein bisschen Lampenfieber dabei“, gesteht die Legende des SV Werder Bremen. „Das braucht man aber auch.“ Einen Auftakt nach Maß verpassen die U23-Talente dennoch. Das Wolter-Debüt endet trotz eindeutiger Überlegenheit mit einem enttäuschenden 0:0. (mwi)
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