Werder-Neuzugang in der Analyse
Werder-Neuzugang Chuki im Datencheck: Viel Kreativität und Spielwitz, aber noch Schwächen im Zweikampf
Welche Stärken und Schwächen hat Chuki und wie gut passt er zu Werder Bremen? Der Neuzugang in der Datenanalyse von „F30 Football Insights“!
Mit Chuki hat sich der SV Werder Bremen eines der spannendsten Offensivtalente aus Spaniens zweiter Liga gesichert. Der 22-Jährige kommt von Real Valladolid an die Weser und soll künftig mehr Kreativität, Spielwitz und Torgefahr ins Bremer Offensivspiel bringen. Doch was genau zeichnet den offensiven Mittelfeldspieler aus? Wo liegen seine Stärken – und wo muss er sich im deutschen Fußball noch entwickeln? Im Auftrag der DeichStube haben sich die Datenexperten von „f30 football insights“ mit dem Neuzugang beschäftigt und ihn im großen Daten- und Spielstil-Check genauer angeschaut.
Werder Bremens Neuzugang Chuki in der Datenanalyse: Viele Pre-Assists und starker linker Fuß
Werdegang: Iván San José Cantalejo (Künstlername: Chuki) wechselt vom spanischen „Fahrstuhlverein“ Real Valladolid an die Weser. Er stammt sogar gebürtig aus Valladolid und durchlief die Akademie des Vereins, nachdem er aus der Jugend von CD Victoria CF gekommen war. Dort reifte er zum wichtigen Stammspieler bei den Profis. Seit seinem 17. Lebensjahr lief der Spanier für die U-Mannschaft auf, die in der viertklassigen Segunda Federación spielt. Schon dort fiel der technisch versierte Linksfuß auf und absolvierte zwei Länderspiele für die spanische U18-Auswahl. In 64 Partien für Real Valladolid Promesas erzielte er ordentliche 15 Tore. Sein Profidebüt gab er am 1. November 2023 im Erstrundenspiel der Copa del Rey, doch erst in der Folgesaison 2024/25 folgten weitere Ligaeinsätze.
Vom 17. Januar 2025 (20. Spieltag) bis zum Saisonende am 24. Mai 2025 (38. Spieltag) holte sein Herzensverein nur einen von 57 möglichen Punkten und stieg sang- und klanglos in die LaLiga 2 ab. Chuki sammelte in dieser Zeit immerhin rund 700 Spielminuten auf LaLiga-Niveau, doch insbesondere die fehlende Körperlichkeit bereitete ihm Probleme. Keiner der 119 Offensivakteure mit mindestens 700 Minuten hatte weniger Defensivaktionen, nur zwei gewannen noch weniger Zweikämpfe. Zudem kam der Neuzugang des SV Werder Bremen kaum an den Ball, war aber dennoch für einige kreierte Chancen verantwortlich (0,37 pro 90 Minuten, nur 13 von 119 Spielern hatten mehr) und hatte Einfluss auf das Abschlussverhalten von Real Valladolid: 24 Prozent aller Torschüsse des Teams wurden von Chuki abgegeben, wenn er auf dem Feld stand.
Für Chuki war der Abstieg allerdings gleichzeitig auch ein Glücksfall: Schließlich spielte er vom Start weg eine wichtige Rolle im Team und stand an den ersten vier Spieltagen jeweils über 80 Minuten in der Startelf. Nach drei Spielen ohne Kadernominierung musste er sich wieder ins Team kämpfen, was ihm durch zwei Torbeteiligungen beim überzeugenden 4:1 in Huesca Anfang Dezember gelang. Seither stand der 1,76 Meter große Mittelfeldakteur in 20 von 22 Spielen in der Startelf und markierte in dieser Phase starke elf Scorerpunkte. Auffällig ist, dass Chuki oftmals einem Scorerpunkt innerhalb eines Spiels weitere folgen ließ – insgesamt verteilen sich seine 15 Torbeteiligungen auf nur neun Spiele. Gleich viermal gelangen ihm zwei oder gar drei Scorer in einer Begegnung. Hinzu kommen starke vier Pre-Assists (vorletzte Pässe vor einem Torerfolg). Nur fünf Spielern der LaLiga2 gelangen mehr. Bevor es in den letzten drei Saisonspielen allerdings gegen die Top 3 der LaLiga2 ging, wurde Chuki aufgrund muskulärer Probleme aus dem Kader genommen – möglicherweise hing dies auch mit der nicht erfolgten Vertragsverlängerung sowie dem bevorstehenden Transfer zum SV Werder Bremen zusammen.
Werder Bremens Neuzugang Chuki in der Datenanalyse: Starkes Übergangsspiel
Spielstil: Chuki ist ein moderner offensiver Mittelfeldspieler mit tiefem Körperschwerpunkt, der sich vorwiegend im rechten Halbraum aufhält. Er tendiert dabei zu einer freien Rolle, bewegt sich mal entgegenkommend zum Ball und häufig in den Zwischenraum. Grundsätzlich ist er gewillt, im letzten Drittel zu gestalten. Der Spanier agiert technisch stark, ist häufig in Dribblings involviert, kann athletisch allerdings noch deutlich durchsetzungsfähiger werden. Aktuell profitiert er vor allem von seinen schnellen Richtungswechseln, mit denen er sich aus engen Räumen lösen kann. In Ballbesitz positioniert sich Chuki etwas höher als ein abkippender Aufbauspieler und bringt sich eher situativ ein. Dank seines meist sauberen ersten Kontakts kann Werder Bremens Neuzugang anschließend aufdrehend Tempo aufnehmen. Oft dreht sich der Linksfuß ein und sucht die offene Spielfeldseite, um Tacklings auszuweichen. Dabei agiert er sehr linksdominant. Den rechten Fuß nutzt er nur ungern, was ihn bei Körper- und Ballverarbeitungsbewegungen etwas einschränkt. Eine seiner größten Stärken liegt im Übergangsspiel. Dort bezwingt Chuki mit Dribblings und Steckpässen gegnerische Ketten und kann situativ Überzahl schaffen. Seine Spielfreude zeichnet ihn dabei besonders aus. Er bevorzugt Doppelpässe und schnelle Passkombinationen.
Trotz seiner noch überschaubaren Profierfahrung verfügt Chuki über ein gutes Timing für Offensivaktionen, bietet sich ohne Ball clever an und erzwingt regelmäßig Standardsituationen, weil er häufig gefoult wird. Mit 1,5 Torschussvorlagen pro 90 Minuten zählt er zu den produktivsten Vorbereitern der LaLiga2. Zudem wird er mit Effetschüssen aus der Distanz gefährlich und stößt situativ selbst in den Strafraum nach. Bei der Balleroberung lässt sich sein Aufwand zwar als bemüht bezeichnen, allerdings gelingt es ihm und seinen Mannschaftskollegen viel zu selten, den Ball effizient zurückzugewinnen. Gerade im taktischen Verhalten gegen den Ball scheint noch deutlicher Entwicklungsbedarf beim Neuzugang des SV Werder Bremen vorhanden zu sein. Im Vergleich zum spanischen Fußball wird in Deutschland deutlich intensiver gegen den Ball gearbeitet. Während in Spanien viele Teams positionsspielorientiert auftreten, setzen deutsche Mannschaften stärker auf Umschaltmomente, Laufintensität und Physis. Genau das dürfte für Chuki eine der größten Herausforderungen werden.
Werder Bremens Neuzugang Chuki in der Datenanalyse: Kreativität gegen defensive Schwächen
Mit Blick auf sein Stärkenprofil wird allerdings deutlich, dass er von einer ballbesitzorientierten Spielidee profitieren kann, gleichzeitig aber auch in Umschaltsituationen Wirkung entfaltet – sofern er sich nicht zu tief fallen lassen muss. Eine Doppelsechs hinter ihm könnte dabei helfen, seine defensiven Schwächen besser abzufedern. Zudem benötigt Chuki flache Anspiele, um seine Stärken optimal ausspielen zu können. Interessant ist außerdem der Blick auf Werder Bremens Offensive unter Trainer Daniel Thioune. Die Bremer gehörten zuletzt ligaweit zu den Mannschaften mit den wenigsten Torschüssen pro Spiel. Genau dort könnte Chuki mit seiner Kreativität, seinen finalen Pässen und Abschlüssen aus der zweiten Reihe ansetzen.
Fazit: Der SV Werder Bremen darf sich Hoffnungen auf einen gelungenen Transfer machen, für den Spanier werden lediglich rund 400.000 Euro Ausbildungsentschädigung fällig. Besonders seine Kreativität, die vielen finalen Pässe sowie seine Abschlüsse aus der Distanz könnten dem Spiel der Bremer guttun – insbesondere dann, wenn der Verein im Sommer Jens Stage verlieren sollte. Ob der Transfer sportlich funktioniert, wird allerdings stark davon abhängen, ob Werder eine stabile Grundordnung schaffen und Chuki möglichst häufig in der gegnerischen Hälfte mit flachen Zuspielen bedienen kann. (bvo)
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