Etwas Wiedergutmachung nach der Blamage

1:0 – Werder gewinnt kleines Finale gegen Huddersfield

Florian Kainz (re.) hat Werder mit einem schicken Freistoßtor zu Platz drei beim Blitzturnier in Essen verholfen.
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Florian Kainz (re.) hat Werder mit einem schicken Freistoßtor zu Platz drei beim Blitzturnier in Essen verholfen.

Essen - Um 8 Uhr waren die Werder-Profis am Samstagmorgen im Zillertal in den Bus gestiegen, dann in München in den Flieger, um schließlich um 12.20 Uhr in Essen im Hotel einzuchecken. Für nicht mal zwei Stunden. Denn dann ging es schon ins Georg-Melches-Stadion zum Blitzturnier, das ein wenig zum Stimmungskiller nach dem eigentlich so guten Trainingslager wurde.

Der Bundesligist blamierte sich im Halbfinale beim 0:1 gegen Gastgeber RW Essen – einem Viertligisten. Die meisten Bremer wirkten zu müde und nicht mehr willens, nach harten Trainingstagen und dem Testspiel keine 24 Stunden zuvor gegen den 1. FC Köln (0:1) noch einmal ans Limit zu gehen. Das gefiel Trainer Florian Kohfeldt überhaupt nicht. Immerhin: Im Spiel um Platz drei lief es besser, agierte Werder vor 5000 Zuschauern im nicht mal zu einem Viertel gefüllten Georg-Melches-Stadion konzentrierter und verdiente sich durch ein Tor von Florian Kainz einen 1:0-Sieg gegen den Club aus der englischen Premier League. Es war schon eine kleine Wiedergutmachung nach der Blamage, aber eine Frage blieb: Wer nur hatte diese Testspiele in so kurzer Zeit inklusive der Reisestrapazen geplant?

Spiel um Platz drei: Werder – Huddersfield Town 1:0 (Spielzeit: 45 Minuten). 

Gegen die Engländer, die ihr Halbfinale mit 0:2 gegen Betis Sevilla verloren hatten, war eigentlich damit gerechnet worden, dass Kohfeldt fast komplett auf den Rest des mitgebrachten Kaders setzt. Doch nach der Blamage gegen Viertligist Essen kam es anders: Martin Harnik, Max Kruse, Ole Käuper, Sebastian Langkamp, Marco Friedl und Luca Plogmann mussten noch mal ran. Gut für Werder: Gegner Huddersfield, der vom deutschen Trainer David Wagner betreut wird, hatte nicht so viele Spieler mit nach Essen gebracht und musste nur kurz nach dem Halbfinale mit fast identischem Personal weitermachen. 

Entsprechend mau und langweilig war die Partie. Immerhin: Werder stand hinten sicherer als bei der 0:1-Pleite gegen Essen, der Ball zirkulierte etwas besser. Aber nach guten Szenen – speziell von Max Kruse – verpassten die Kollegen fast kläglich die Veredlung. Doch dann kam der große Auftritt von Kainz: Der Österreicher zirkelte einen Freistoß aus 18 Metern gekonnt in die Maschen – 1:0 (26.). Ein richtig feiner Treffer! Der eingewechselte Milot Rashica hätte fast ähnlich sehenswert nachgelegt, doch sein Schuss strich knapp über die Latte (30.). Auch der eingewechselte Josh Sargent hatte noch eine gute Chance (39.).

Fotostrecke: Werder beim Blitzturnier in Essen

Impressionen vom Blitzturnier in Essen.
Impressionen vom Blitzturnier in Essen. © gumzmedia
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Und die Engländer? Sie agierten nicht annähernd so aggressiv wie die Essener im ersten Spiel gegen Werder. Chancen konnte sich Huddersfield kaum erspielen. Deswegen ging der Bremer Sieg absolut in Ordnung, war allerdings auch keine Glanzleistung. Ein klassisches Vorbereitungsspiel eben, mit dem Kohfeldt gewiss besser leben konnte als mit dem Auftritt gegen Essen.

Werder: Plogmann – Gebre Selassie, Langkamp, Friedl, Beste – Käuper (33. Sargent) – Harnik (24. Harnik), Möhwald, M. Eggestein, Kainz – Kruse.

Halbfinale: RW Essen – Werder Bremen 1:0. 

Für die ersten 45 Minuten beim Blitzturnier hatte Kohfeldt eine ziemlich namhafte Truppe ins Rennen geschickt, dabei ging es gegen die wahrscheinlich schwächste Mannschaft – den Gastgeber. Offenbar wollte der Trainer unbedingt eine Blamage verhindern – und so ließ er vorne zum Beispiel seinen Topsturm Max Kruse und Martin Harnik ran. Hinten sollten die erfahrenen Niklas Moisander und Sebastian Langkamp für Stabilität sorgen. Das alles eingegossen in ein 4-1-4-1-System mit Johannes Eggestein in der Spitze.

Doch es passte fast nichts zusammen bei Werder. Von Beginn an übernahm RWE das Kommando, drängte den haushohen Favoriten in die Defensive und erarbeitete sich erste gute Torgelegenheiten. Doch im Abschluss waren die Essener zu harmlos. Wie auch in der neunten Minute, doch das Schüsschen von Benjamin Baier ließ Werder-Keeper Luca Plogmann trotzdem zum 0:1 ins lange Eck passieren. Schon am Abend zuvor bei der 0:1-Niederlage gegen den 1. FC Köln im Zillertal hatte der junge Keeper gepatzt.

Werder reagierte nur kurz wütend und offensiv auf den Rückstand. Dabei verpasste Manuel Mbom nach gutem Zuspiel von Kruse den Ausgleich (11.). Anschließend verfielen die Bremer wieder ins alte Muster, liefen den Gastgebern nur müde hinterher. Einigen steckte offenbar die Anreise aus dem Zillertal am Morgen per Bus und Flieger noch in den Knochen. Vor allem die jungen Spieler wie Ole Käuper, Marco Friedl, Felix Beijmo, Milot Rashica, Mbom und Plogmann wirkten ziemlich unkonzentriert. Am Spielfeldrand versuchte Kohfeldt, für Ordnung und Engagement auf dem Platz zu sorgen. Seine Jungs spielten aber nicht besser, sondern nur härter. 

Nach Friedl sahen auch noch Käuper und Mbom Gelb – in einem Testspiel wohlgemerkt. Der Coach zog personelle Konsequenzen, brachte nach 26 Minuten Fridolin Wagner und Josh Sargent für Käuper und Johannes Eggestein. Und siehe da, Werder wurde endlich gefährlich: Rashica jagt die Kugel aufs Tor, scheiterte aber an Keeper Lukas Raeder (28.). Die Szene wiederholte sich nur eine Minute später - mit ähnlichem Ausgang. Und wenige Sekunden später zielte Sargent nur knapp am Tor vorbei (30.).

Es folgte ein ziemlich bitterer Moment für Kruse: Kai Pröger lief dem Werder-Star auf und davon, das Publikum jubelte. Es war nicht zu übersehen, dass Kruse längst noch nicht fit ist. Aber das gilt nicht nur für ihn. Kohfeldt und Co. haben noch viel Arbeit vor sich, zum Glück aber auch noch einen Monat Zeit bis zum ersten Pflichtspiel, dem DFB-Pokal bei Wormatia Worms.

Werder: Plogmann – Beijmo, Langkamp, Moisander, Friedl – Käuper (26. Wagner) – Harnik, Mbom, Kruse, Rashica - J. Eggestein (26. Sargent)

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