Werder-Stürmer erzielen nur 17 Treffer

Saison-Zeugnis - Teil 3: Tormaschine geht anders

Werder-Stürmer Max Kruse: Ein Freigeist, aber die eigene Gefährlichkeit leidet.
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Werder-Stürmer Max Kruse: Ein Freigeist, aber die eigene Gefährlichkeit leidet.

Bremen - 37 Tore hat Werder Bremen in der vergangenen Bundesliga-Saison geschossen. Dass das kein Wert ist, der den Fan vor Begeisterung in Ohnmacht fallen lässt, ist klar.

37 Tore – nur fünf Teams trafen noch seltener. Und nicht einmal die Hälfte der Bremer Treffer gingen auf das Konto ausgewiesener Offensivspieler. Max Kruse, Ishak Belfodil, Fin Bartels, Florian Kainz, Milot Rashica und Aron Johannsson brachten es in 34 Bundesliga-Spielen lediglich auf 17 Tore – was bedeutet: Nur in jedem zweiten Spiel schlägt ein Werder-Stürmer zu.

Max Kruse

Würde man einzig seine Trefferquote zur Grundlage der Bewertung machen, wäre das Urteil über Kruse wohl dieses: Nicht so doll. Sechs Tore hat er in 29 Spielen erzielt – und weil dazu auch der Dreierpack bei seinem Highlight-Spiel gegen Hannover 96 gehört, bleibt die Feststellung, dass Kruse lediglich in vier Partien „genetzt“ hat. Aber natürlich sind Tore nicht alles. Kruse ist Motor, Seele und Freigeist der Bremer Offensive. Er darf sich nicht nur überall bewegen, er soll sogar. Kruse spielte mehr hängende Spitze, als dass er selber ins Angriffszentrum vorstieß. Neun Assists zeugen von seinen Qualitäten als Vorbereiter. Dennoch: Von der Leistung der Vorsaison, als ihm in 23 Spielen 15 Tore und sieben Assists gelangen, war der 30-Jährige in der Saison 17/18 ein großes Stück entfernt.

Spiele/eing./ausg.: 29/1/3

Tore/Vorlagen: 6/9

Minuten gespielt: 2455

Fan-Note: 2,26

Note der DeichStube: 3,37

Ishak Belfodil

Kein Glücksgriff, aber auch kein totaler Fehlgriff, auf jeden Fall jedoch keine glückliche Beziehung. Und das von Anfang an. Werder lieh den Algerier von Standard Lüttich aus, weil ein wuchtiger, zentraler Stürmer gebraucht wurde. Belfodil kam, sah sich aber überhaupt nicht in der ihm zugewiesenen Rolle, sondern als zurückgezogener Angreifer, vielleicht sogar als Spielmacher. Gut, am Ende kam er dann oft über die Flügel, wo er mit seinem Tempo und seiner robusten, bisweilen brachialen Art des Fußballs auch gar nicht so schlecht aufgehoben war. Seinen besten Tag hatte Belfodil beim 3:1-Sieg in Augsburg, als er zwei seiner vier Bundesliga-Tore erzielte. Zudem nicht zu vergessen: Ohne seine Treffer im DFB-Pokal gegen 1899 Hoffenheim (1:0) und den SC Freiburg (3:2) wäre Werder nicht bis ins Viertelfinale vorgestoßen.

Passend zum Missverständnis um seine Lieblingsposition verlief dann auch sein Abschied. Der Leihvertrag endete, und Belfodil stritt sich via Berater mit Werder, wer denn nun die Kaufoption nicht gezogen, beziehungsweise hat streichen lassen. Letztlich bleibt es unerheblich, der 26-Jährige spielt künftig für 1899 Hoffenheim.

Ishak Belfodil im Spiel gegen den VfB Stuttgart.

Spiele/eing./ausg.: 26/13/8

Tore/Vorlagen: 4/1

Minuten gespielt: 1345

Fan-Note: 3,73

Note der DeichStube: 3,70

Florian Kainz

Kainz, der Pendler. Mal Mittelfeldspieler, mal Außenstürmer, aber immer mit dieser Richtung: nach vorne! Nach einer schwierigen ersten Saison bei Werder lautet das Fazit seiner zweiten Spielzeit in Grün-Weiß: Er ist aufgetaut, aber immer noch zu selten auf Betriebstemperatur. Kainz zeigte teils tolle Ansätze mit seinen Dribblings und engen Haken auf der linken Seite. Aber er lässt die Konstanz vermissen. Kaum auszudenken, wie wertvoll er für Werder wäre, wenn er immer so auftrumpfen würde wie beim 3:1-Heimsieg über den VfL Wolfsburg, als er mit einem Traumtor sowie einem weiteren Treffer zum Matchwinner wurde und einen zu diesem Zeitpunkt enorm wichtigen Sieg sicherstellte.

Spannend wird sein, wie sich der österreichische Nationalspieler in der kommenden Saison behauptet, wenn Bartels zurückkehrt und die Neuzugänge Martin Harnik und Yuya Osako weitere Konkurrenz darstellen.

Florian Kainz im Spiel gegen den 1. FC Köln.

Spiele/eing./ausg.: 30/11/16

Tore/Vorlagen: 3/3

Minuten gespielt: 1682

Fan-Note: 3,73

Note der DeichStube: 3,70

Fin Bartels

Der große Pechvogel der Saison. Am 15. Spieltag riss er sich beim unerwarteten 2:1-Sieg bei Borussia Dortmund die Achillessehne. Saisonaus schon kurz vor Weihnachten. Das war bitter für Bartels, der sich zu diesem Zeitpunkt gerade aus einem Formtief herausgearbeitet hatte. Am Spieltag zuvor hatte er gegen den VfB Stuttgart mit einem Geistesblitz den 1:0-Siegtreffer durch Kruse vorbereitet und war der gefeierte Mann. Eine Woche später machte ihn das Verletzungspech zum Häuflein Elend.

Fin Bartels im Spiel gegen RB Leipzig.

Spiele/eing./ausg.: 14/0/8

Tore/Vorlagen: 2/3

Minuten gespielt: 1128

Fan-Note: 2,48

Note der DeichStube: 3,71

Milot Rashica

Seine Verpflichtung im Winter war die Reaktion auf die Verletzung von Fin Bartels. 7,5 Millionen Euro zahlte Werder an Vitesse Arnheim, um den schnellen Kosovaren unter Vertrag nehmen zu können. Die hohe Ablöse weckte natürlich hohe Erwartungen. Dass der 21-Jährige die in seinem ersten Halbjahr bei Werder nicht gleich erfüllte, war jedoch vorhersehbar. Neues Team, neue Liga – Rashicas Eingewöhnung wird auch noch in der kommenden Saison weitergehen. Aber dass er flink ist, dass er trickreich ist, dass er etwas draufhat – all das hat der Nationalspieler des Kosovo schon gezeigt. Höhepunkt: Seine Bundesliga-Tor-Premiere beim 3:1-Sieg über den 1. FC Köln, als er erst auf den letzten Drücker in die Startelf gerutscht war. Dass Trainer Florian Kohfeldt die Neuerwerbung danach zweimal wieder nur auf die Bank setzte, zeigt, wie behutsam Werder den Mann mit den Turbofüßen aufbauen möchte.

Milot Rashica im Spiel gegen Mainz 05.

Spiele/eing./ausg.: 9/4/5

Tore/Vorlagen: 1/0

Minuten gespielt: 385

Fan-Note: 2,82

Note der DeichStube: 3,30

Aron Johannsson

Coach Kohfeldt hatte sich wirklich alle Mühe gegeben. Er hatte Aron Johannsson immer wieder das Vertrauen ausgesprochen, er hat ihm Chancen auf dem Platz gegeben und er wurde dafür auch belohnt. Ein bisschen wenigstens. Johannsson traf im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Bayer Leverkusen (2:4 n.V.), Johannsson markierte auch den wichtigen Ausgleich zum 2:2 in Mönchengladbach. Aber was Johannsson nicht schaffte, war, über einen längeren Zeitraum fit und gesund zu bleiben. Weil er mal mit dem Knie, mal mit dem Sprunggelenk Probleme hatte, fiel der US-Stürmer erneut mehr aus, als dass er zur Verfügung gestanden hätte. Schade, denn nicht nur Kohfeldt hat das Potenzial in ihm gesehen. Doch jetzt hat Werder die Geduld verloren und bietet den körperlich wenig stabilen Angreifer zum Kauf an. „Wenn etwas Interessantes kommt, sind wir gesprächsbereit“, sagte Sportchef Frank Baumann. Auch Johannsson sei wechselwillig, wenn die Parameter stimmen, heißt es. Für den in Island aufgewachsenen Stürmer wird es angesichts der nachrückenden Konkurrenz mit Johannes Eggestein und Josh Sargent sowie Neuverpflichtung Harnik zudem immer schwerer werden, sich in Position zu bringen.

Aron Johannsson im Spiel gegen Bayer Leverkusen.

Spiele/eing./ausg.: 12/10/2

Tore/Vorlagen: 1/2

Minuten gespielt: 268

Fan-Note: 3,25

Note der DeichStube: 3,38

StichwortSaisonzeugnis

Die DeichStube hatte die Fans gefragt: Welche Saison-Note gebt ihr den Werder-Profis? Von „1“ bis „6“ reichte die Auswahl. Die abgegebenen Noten wurden in ihrem Wert addiert und durch die Anzahl der abgegebenen Stimmen geteilt. So entstand die Fan-Note. Insgesamt wurden 72.131 Bewertungen abgegeben.

Die Durchschnittsnote der DeichStube errechnet sich aus der Summe der nach den Spielen verteilten Noten geteilt durch die Anzahl der Bewertungen. Eine Saisonnote wurde nur an Spieler verteilt, die zu mindestens acht Bundesliga-Einsätzen und vier benoteten Spielen gekommen sind. Im Bereich Tor/Abwehr erfüllen Jaroslav Drobny, Luca Caldirola und Ulisses Garcia diese Kriterien nicht.

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