Werder-Legende als Technischer Direktor vorgestellt
Schaaf: „Wird nicht passieren, dass einer Florian Kohfeldt reinquatscht“
Bremen - Thomas Schaaf ist seit dem 1. Juli zurück beim SV Werder und ein bisschen fühlt es sich so an, als sei die Bremer Clublegende gar nicht weg gewesen: Optisch hat er sich kaum verändert, seine mitunter trockene, aber nicht unfreundliche Art versprüht noch immer einen gewissen Charme und inhaltlich präsentierte sich der Meistertrainer von 2004 gewohnt fokussiert. Nur die Funktion ist eine andere: Schaaf wurde am Mittwoch offiziell als Technischer Direktor vorgestellt.
Bei der Pressekonferenz sprach der 57-Jährige über...
...die ersten Tage als Technischer Direktor:
„Die Vorfreude war groß, in diesen Bereich einzusteigen und mich um die anstehenden Aufgaben zu kümmern. Ich bin die letzten Tage über die Anlage gegangen und habe geschaut, was sich verändert hat, was noch da ist. Es geht mir aber in erster Linie darum, alle Mannschaften aus dem Nachwuchsbereich kennenzulernen. Außerdem war ich in Bremerhaven, um zu sehen, was unsere Bundesliga-Mannschaft aufzeigt und wie die jungen Spieler ihre Ziele verfolgen. Es macht Spaß, ich bin mit viel Freude dabei.“
...seinen Arbeitsalltag:
„Es wird Tage geben, an denen ich sehr viel im Büro bin: Termine, Gespräche – wir werden uns auch in der Gruppe austauschen und diskutieren. Aber ich werde ebenso bei der Trainingsarbeit dabei sein und auch mal bei den Profis zugucken. Um zu schauen, wie sich unsere Nachwuchsspieler dort anstellen, aber auch um zu sehen, was wir von den Profis mit in den Nachwuchsbereich nehmen können. Ich werde bei Spielen vor Ort sein und vielleicht auch das eine oder andere Trainingslager der Nachwuchsmannschaften bereisen. Ich werde letztendlich in allen Bereichen dabei sein.“
… seine Rolle als Mentor:
„Wir kümmern uns sehr intensiv um das Leistungszentrum und bilden dort die Spieler aus. Das bedeutet aber auch, dass wir mit Trainern arbeiten, die für diese Ausbildung zuständig sind. Unsere Trainer sollen ebenfalls bestmöglich ausgebildet sein und auf jedes Wissen zurückgreifen können. Sie müssen sich mit jemandem austauschen können, der den Überblick über alle Mannschaften und vielleicht auch mal mehr Wissen hat.
Die Trainer können die Themen, die sie im Kopf haben, mit mir besprechen, genauso werde ich sie sachlich und inhaltlich mit Themen konfrontieren. Es betrifft aber auch ihren eigenen Werdegang: Zu schauen, wo sie als Trainer hin möchten und was wir ihnen dafür mitgeben können. Mit dem Mentoring gibt es einen Bereich, den wir noch nicht hatten, der jetzt dazu kommt. Denn ein Trainer ist sehr stark in der Aktualität gefangen, mit dem was täglich abläuft. Auf neue Themen und den Gesamtüberblick schaut ein Trainer zwar auch, aber er ist nicht so ganz tief drin. Dafür bin ich da: Unsere Verantwortlichen damit zu konfrontieren, was an Themen ansteht, was passiert und wohin der Fußball sich entwickelt – und wo wir das eine oder andere neu aufstellen oder vertiefen müssen.“
...den Austausch mit Cheftrainer Florian Kohfeldt:
„Da gibt es ein Angebot an Florian Kohfeldt, aber er muss entscheiden, ob er das nutzen möchte. Dabei geht es nicht darum, aktuelles zu besprechen, sondern um inhaltliche Themen: Wie gehen wir die Offensive an, wie gehen wir die Defensive an? Hast so etwas schon mal erlebt, hast du eine Idee – können wir einen anderen Weg finden? Florian möchte das nutzen und für sich als Erweiterung haben. Ich denke, das ist gut. Wenn ich an meine Karriere zurückdenke, war es nicht so, dass jemand Otto Rehhagel in Dinge reingesprochen hat und es wird auch nicht passieren, dass irgendeiner Florian Kohfeldt reinquatscht. Aber Otto hat damals auch mit den Spielern gesprochen und sich Meinungen eingeholt. Und wenn Florian das so mit mir nutzen kann, ist das eine mehr als sinnvolle Geschichte.“
Thomas Schaaf: Seine Karriere in Bildern




...Ziele seiner Arbeit:
„Wir wollen zeigen, dass Werder Bremen für etwas steht und eine Philosophie hat, Fußball zu spielen. Es geht darum, diese Philosophie, unsere Spielausrichtung, noch mehr zu verfolgen und unsere Trainingsarbeit dahingehend auszurichten. Ziel ist es, eine Durchlässigkeit vom Profibereich zum Nachwuchs zu haben und noch mehr verbunden zu sein: den Nachwuchs optimal vorbereiten, damit die Anpassungszeit bei den Profis geringer wird – das wird ein Schwerpunkt sein. Unser Anspruch ist es, möglichst jedes Jahr junge Spieler hochzuziehen. Das wird uns nicht jedes Jahr gelingen, aber wir wollen die bestmöglichen Voraussetzungen dafür schaffen. Also eine gelenkte Entwicklung erzielen, die Spieler fordern und fördern.“
...Werders Spielphilosophie:
„Wir wollen uns weiterentwickeln, uns besser und sicherer machen. Ich glaube, das kann man nicht, wenn man nur an die Defensive denkt. Die Offensive wird immer ein großes Thema sein. Wir sind total davon überzeugt, dass wir mit der Offensive mehr bewegen können, aber auch für die Spieler ist es ein Anreiz, nach vorne zu gehen. Auf der anderen Seite müssen wir sie defensiv ein bisschen in die Pflicht nehmen – das gehört auch dazu. Wir werden nicht sinnlos nach vorne rennen, sondern effektiv. Aktiv sein, agieren – das sind Dinge, die wir umsetzen wollen. Dabei neugierig bleiben, aufpassen, was auf uns zukommt, und uns bestmöglich auf die neuen Herausforderungen einstellen.
Es ist ja auch nicht so, dass Werder keine Philosophie hat. Wir haben eine, müssen die aber auch immer wieder überprüfen. Es geht darum, zu schauen, was der Fußball bei großen Turnieren wie der Weltmeisterschaft macht, welche Veränderungen es gibt, und welche Rückschlüsse wir daraus für die Vereinsarbeit ziehen können. Ein Thema wird sein, eine kompakte Defensive bewältigen zu können. Dafür muss man Rezepte finden und diese Rezepte werden wir dann ausbilden und trainieren. Wir wollen mit Werder Bremen für etwas stehen – und das mit den Entwicklungen im Fußball in Einklang bringen. Das ist ein großes Paket, sicherlich auch nicht für jeden direkt greifbar, aber wenn wir ins Thema gehen, wissen wir, worüber wir reden.“
…die Perspektive, in neuer Funktion an die Erfolge als Werder-Trainer anknüpfen zu können:
„Wir waren damals auf einem Top-Niveau, das ist heute sehr schwer zu erreichen. Die Konkurrenz ist unglaublich groß. Dafür muss man sich konstant an diese Regionen heranarbeiten. Das wird der Weg sein: Uns weiter zu steigern, zu festigen. Dazu gehört die Arbeit im Nachwuchsbereich, damit wir zuliefern können. Das, was in der Bundesliga geleistet wird, muss bestmöglich vorbereitet sein. Insgesamt wollen wir den Verein gesund aufstellen, um so stark wie es nur geht zu sein und möglichst an die Ränge heranzukommen, bei denen es um internationale Begegnungen geht.“