Japanischer Kult-Kicker entdeckt Kopfball-Stärke
Yuya Osako - das kleine Ungeheuer
Bremen - Das Highschool-Turnier, durch das Yuya Osako in Japan früh eine gewisse Berühmtheit erlangte, liegt nun schon neun Jahre zurück. Damals drehte der neue Angreifer des SV Werder dermaßen auf, dass sich ein Gegenspieler entnervt und weinend vor einer TV-Kamera zeigte.
Das war der Tag, an dem der Spruch „Osako Hanpa naitte“ geboren wurde. Was so viel heißt wie „Osako ist einfach zu gut“. Unter Tränen hatte besagter Gegenspieler lamentiert, man hätte ihm doch sagen können, was der andere alles drauf hat. Der Clou an der Sache ist, dass ein findiger Unternehmer das Gesicht des verzweifelten jungen Mannes mitsamt des Spruchs über Osako auf T-Shirts, Flaggen und Fahnen drucken ließ. Der Absatz floriert immer noch.
Vielleicht könnte die Geschäftsidee durch ein neues Gesicht erweitert werden. Die DeichStube empfiehlt einen lachenden Florian Kohfeldt. Denn über den Werder-Trainer kann gesagt werden, dass er natürlich wusste, dass Osako ein Guter ist. Sonst hätte er ihn kaum für sechs Millionen Euro vom 1. FC Köln losgeeist. Aber alle Qualitäten des Japaners hat er dann doch nicht gekannt. Bei dessen Vorstellung hatte Kohfeldt „Passqualität, Zwischenraumfähigkeit und auch Tempo mit Torabschluss“ gelobt. Von einem starken Kopfballspiel hatte der Coach nichts gesagt.
Doch genau das hat Osako, nur 1,82 Meter groß, nun schon zweimal bewiesen. Sowohl im finalen Test gegen den FC Villarreal (2:3) als auch im DFB-Pokalspiel gegen Wormatia Worms (6:1) hatte der Offensivallrounder per Kopf getroffen. „Osako Hanpa naitte“ – es wird auch mit „unglaublicher Osako“ übersetzt. „Er wird noch unser Kopfballungeheuer“, scherzte Mitspieler Florian Kainz in Worms. „Er hat uns schon ein bisschen überrascht“, gibt auch Sportchef Frank Baumann mit Blick auf die „wunderschönen“ Kopfballtore zu: „Das zeigt nur, dass Größe nicht alles ist. Zu einem guten Kopfballspieler gehören auch Timing, Mut und der richtige Laufweg.“
Das T-Shirt mit dem jammernden Highschool-Verlierer – Osakos Team gewann damals 6:2 – ist auch deshalb wieder ein Verkaufsschlager in Japan, weil Yuya Osako bei der WM in Russland im Auftaktspiel gegen Kolumbien den 2:1-Siegtreffer erzielt hatte. Ebenfalls per Kopf. Seither ist er so etwas wie ein Held in der Heimat und das T-Shirt-Motiv wieder nachgefragt. Zudem ist „Osako Hanpa naitte“ als Wort des Jahres 2018 vorgeschlagen in Japan.
Osako gilt als schüchtern - aber jetzt zeigt er sich
In Bremen ist es bisher ein bisschen untergegangen, dass sich Werder einen Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten an Land gezogen hat. Erst spät kam Osako wegen des WM-Sonderurlaubs in Bremen an. Als er dann endlich da war und offiziell den Medien präsentiert wurde, stellte die Verpflichtung von Claudio Pizarro den ersten Auftritt des 28-Jährigen total in den Schatten. Dort blieb Osako auch freiwillig, als er beim Tag der Fans im Zuge der Mannschaftsvorstellung zum Interview auf der Showbühne gebeten wurde. Er winkte ab, kam nicht und versteckte sich fast schon hinter den Kollegen. Er gilt eben als schüchtern.
Aber jetzt zeigt sich Osako. Und wie. Er markierte gegen Villarreal den letzten Treffer der Vorbereitung, ihm gelang in Worms das erste Pflichtspieltor der Saison. So verlieh er den Worten von Florian Kohfeldt echte Kraft. Der Coach hatte den Neuzugang „als großen Mehrwert“ bezeichnet, wenn er seine Fähigkeiten denn auf den Platz bringt. Oder in die Luft.
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