„Eigentlich eine Katastrophe“
Corona-Gipfel stürzt Einzelhandel noch tiefer in die Krise - Heftige Kritik von Wirtschaftsverbänden
Seit Mittwoch ist klar: Der Lockdown wird noch länger dauern als erwartet. Für Gastronomen und den stationären Einzelhandel ist das eine niederschmetternde Nachricht.
- Seitdem 16. Dezember 2020 gibt es in Deutschland einen bundesweiten Shutdown.
- Der Lockdown wird mindestens bis zum 7. März verlängert.
- Erste Lockerungen soll es für den Einzelhandel ab einer 7-Tages-Inzidenz von unter 35 geben.
Berlin - Seit dem Corona*-Gipfel am Mittwoch steht fest: Der Shutdown wird verlängert. Die Verlängerung des Ausnahmezustands kommt für weite Teile des Einzelhandels einer Hiobsbotschaft gleich. Mangelnde Öffnungsperspektiven, Planungsunsicherheit und die nicht funktionierende staatliche Unterstützung könnten viele Geschäftsinhaber in den nächsten Wochen an den finanziellen Abgrund treiben.
Lockdown-Verlängerung: Großer Unmut in der Wirtschaft
Auf die neuen Beschlüsse nach dem Corona*-Gipfel folgte harte Kritik aus weiten Teilen der Wirtschaft. Der Geschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) Merkus Jerger kritisierte im Spiegel etwa die mangelnde Öffnungsperspektive „Die Regierenden nehmen abermals die Insolvenz und den Existenzverlust von Hunderttausenden Betrieben und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kauf und rauben deren Zukunftsperspektive“, erklärt Jerger. „Wieder vertröstet die Bundesregierung den Mittelstand mit unverbindlichen Versprechungen und lässt diesen bettelnd am Tropf der Überbrückungshilfen hängen.“
Bereits vor dem Gipfel war abzusehen, dass es keine weitreichenden Lockerungen geben wird. Viele Einzelhändler und Gastronomen hatten sich jedoch konkretere Aussagen und dadurch eine bessere Planungssicherheit erhofft. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) ist von den Beschlüssen enttäuscht. „Wir haben nicht mit einem konkreten Öffnungsdatum gerechnet, aber definitiv mit einer Aussage, wann und unter welchen Voraussetzungen Hotels und Restaurants wieder Gäste empfangen dürfen. Wir hatten klare Perspektiven erwartet für unsere Branche, die für die Lebensqualität der Mitbürger sowie die Attraktivität der Innenstädte und der Regionen höchste Bedeutung besitzt.“, erklärt DEHOGA-Geschäftsführerin Ingrid Hartges.
Corona-Hilfen haben nicht erhofften Erfolgen
Die als Heilsbringer angepriesene finanzielle Unterstützung für die Gastronomie scheint der nächste Misserfolg der Bundesregierung in der Corona-Krise zu sein. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sagt, dass die Umsetzung der Wirtschaftshilfen „eigentlich eine Katastrophe“ gewesen sei. „Viele erhalten das Geld nicht und viele erhalten einfach zu wenig“. Die unzureichende Umsetzung der Überbrückungshilfen erhält mittlerweile auch Kritik aus der Politik. In der Bild schimpfte der bayrische Ministerpräsident Markus Söder über die Auszahlung der November und Dezemberhilfen „Es wurde eine Bazooka versprochen, aber aktuell ist es noch eine Steinschleuder ohne Stein“.
Auch DIW-Präsident Fratzscher kritisiert die Strategie der Bundesregierung für den Einzelhandel und konstatiert, dass viele Einzelhändler, nachdem Gipfel immer noch keine dringend benötigte Perspektive haben. „Gerade für die Wirtschaft ist das natürlich katastrophal. Viele Unternehmen stehen am Rande ihrer Existenz und das wird sich in den nächsten Monaten natürlich dramatisch verschlechtern.“ Wolfgang Gernke Präsident des Industrie- und Handelskammertags Baden-Württemberg, empfindet die erneute Verlängerung als „der nächste Schlag für unsere bereits taumelnden Branchen“. (phf/dpa) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Netzwerk.
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