Nicht nur Eis

Trumps Grönland-Anspruch: Insel besitzt 25 kritische EU-Rohstoffe – doch Abbau dauert 16 Jahre

Unter dem Eisschild Grönlands verbergen sich Gold, Lithium und Seltene Erden. Doch die Infrastruktur ist nicht vorhanden, der Abbau gestaltet sich schwierig – womit trägt sich die Wirtschaft der Insel?

Nuuk – Grönland ist weit mehr als eine vereiste Randlage der Weltkarte. Unter dem bis zu drei Kilometer dicken Eisschild der größten Insel der Erde verbirgt sich eine wahre Schatzkammer Europas: Seltene Erden, Uran, Gold und weitere strategisch wichtige Metalle könnten die Insel zum Schlüssel für die technologische Unabhängigkeit des Westens machen. Zuletzt bekräftigte US-Präsident Donald Trump den Anspruch der USA auf Grönland – und löste damit international Aufsehen sowie eine verstärkte Militärpräsenz in der Region aus. Wie reagiert Grönland darauf? „Wir versuchen, aus dieser Krise herauszufinden. Das Vertrauen liegt im Moment natürlich bei null“, sagt die grönländische Ministerin für Ressourcen, Naaja H. Nathanielsen.

Dänische Soldaten landen in Nuuk. Die europäischen NATO-Partner wollen ihre Präsenz auf Grönland und in der Arktis ausbauen.

Machtkampf um Grönland: Welche Ressourcen treiben die Wirtschaft der Insel?

Die grönländische Wirtschaft ist bislang stark auf einen einzigen Sektor ausgerichtet: Rund 90 Prozent der Exporte entfallen auf die Fischerei. Insgesamt erwirtschaftet die Insel eine jährliche Wirtschaftsleistung von umgerechnet etwa 3,2 Milliarden Dollar, das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner liegt mit rund 58.000 Dollar über dem EU-Durchschnitt. Eine bedeutende Rolle spielen die jährlichen Zahlungen aus Kopenhagen, die sich auf etwa 500 Millionen Euro belaufen. Trotz der Nähe zu Dänemark ist Grönland kein Mitglied der EU und hat ein eigenes Parlament.

Die Insel ist trotz ihrer Fläche, wo Deutschland fast sechsmal hineinpassen würde, sehr dünn besiedelt. Rund 57.000 Menschen leben auf der Insel, 20.000 in der Hauptstadt Nuuk. Die Infrastruktur bleibt entsprechend begrenzt – es gibt kaum hundert Kilometer Straße, keinen Schienenverkehr und keine Fernverbindungen zwischen den Siedlungen. Um die Abhängigkeit von der Fischerei zu verringern, setzt die Regierung auf den Ausbau des Tourismus und investiert unter anderem in drei neue internationale Großflughäfen. „Wir besitzen nicht viele Fabriken, haben keine wirkliche eigenständige Produktion, also müssen wir auf unsere natürlichen Ressourcen zurückgreifen. Dabei handelt es sich um die Fischerei, den Tourismus, unsere Mineralien und das Wasser“, erklärt Nathanielsen im Gespräch mit DerStandard.

Es gibt einige geplante Projekte, wie ein Wasserkraftprojekt, „das dreimal so viel Energie generiert, als Grönland benötigt“ und die Wirtschaft ankurbeln soll. Auch den Verkauf von Trinkwasser erwähnt die grönländische Ministerin: „Wir haben viel davon und brauchen wenig. Ich setze viel Hoffnung in die Entwicklung dieses Wirtschaftszweigs“. Sie hofft, dass sich die Wirtschaft in 15 bis 20 Jahren selbst tragen wird – „sollten sich die Grönländer dann für ihre Unabhängigkeit entscheiden, dann ist das ein Zukunftsthema. Im Moment haben die Menschen andere Sorgen.“

Wieso der Bergbau in Grönland (bisher) nur eine untergeordnete Rolle spielt

Trotz der reichen Vorkommnisse spielt der Bergbau in Grönland keine große Rolle. Es wird kaum abgebaut und aktuell gibt es überhaupt nur zwei Minen, zwei weitere werden gebaut. Seit der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg bemerkt die Ministerin jedoch ein gestiegenes Interesse an den Rohstoffen, nicht zuletzt auch aufgrund der Energiewende. Denn die Abhängigkeit von China habe, vor allem in Europa, zu einem Umdenken geführt. Ihr nüchternes Fazit: „Eine Mine zu entwickeln, dauert aber durchschnittlich 16 Jahre. Es handelt sich um ein langsames Geschäft. Egal, wer Grönland besitzt: Er wird das nicht ändern können“. Grönland sei auf der Suche nach gleichgesinnten Partnern, doch das Vertrauen in die USA sei derzeit angeschlagen. Trotzdem sagt sie: „Aber wir sehen die USA weiterhin als unsere Verbündeten, ebenso wie das die anderen europäischen Staaten tun. Unsere Sicherheit hängt weiterhin von den Vereinigten Staaten ab“.

Nach heutigen Schätzungen lagern in Grönlands Untergrund bis zu 400 Tonnen Gold. Allein die bereits bekannten Vorkommen werden auf rund 60 Milliarden Dollar geschätzt, schreibt die FAZ. Doch Grönland bietet noch viel mehr: Im Osten der Insel werden Lagerstätten von Kupfer, Molybdän und Wolfram vermutet, im Westen finden sich Chrom, Graphit sowie Blei, Zink und Silber. Der Norden gilt als potenzielles Eisenerzrevier, während im Süden bedeutende Vorkommen von Uran, Tantal und Seltenen Erden zu finden sind. Insgesamt sind in Grönland 25 der 34 Rohstoffe nachgewiesen, die die EU als kritisch für ihre Industrie einstuft. Hinzu kommen massive Öl- und Gasreserven in den arktischen Gewässern. Zudem wurden erst im vergangenen Jahr nahe der Hauptstadt Nuuk große Lithiumvorkommen entdeckt.

Auch wenn das Interesse groß ist, hemmen der teure und komplexe Abbau sowie das extreme Klima die Aushebung. Unternehmen aus Großbritannien, Australien und Kanada halten etwa seit Jahren Explorationsrechte, ohne diese bislang umfassend zu nutzen. Nach Berechnungen von Wissenschaftlern wären rund 20 aktive Minen und etwa 60.000 qualifizierte Bergarbeiter nötig, damit sich Grönland über den Bergbau wirtschaftlich selbst tragen könnte.

Rubriklistenbild: © Mads Claus Rasmussen/Imago

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Kommentare