Finanzierungslücken
Kein einziges erfolgreiches Start-up in Deutschland in 2024 – Neue Initiative will das ändern
Deutsche Start-up-Unternehmen könnten eine milliardenschwere Förderung von Firmen erhalten. Es ist dringend erforderlich: In diesem Jahr wurde kein einziges Einhorn geboren.
Berlin – Die Start-up-Branche spürt die schwächelnde deutsche Wirtschaft sehr stark und leidet enorm unter Finanzierungslücken. Nun haben etablierte Unternehmen eine milliardenschwere Unterstützung junger, innovativer Start-up-Firmen in Aussicht gestellt. Sie wollen bis 2030 rund zwölf Milliarden Euro in Wagniskapital investieren, wie die Bundesregierung und die staatliche Förderbank KfW zu einem Start-up-Gipfel in Berlin mitteilten.
Neue Initiative soll Start-ups in Deutschland helfen
Zusammen mit Unternehmen wurde eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet. Dazu zählen die Allianz, die Commerzbank, die Deutsche Bank und der US-Vermögensverwalter Blackrock sowie die Deutsche Börse, die Telekom und Henkel. In der Erklärung heißt es, die bisherigen Investitionen und verbesserten Rahmenbedingungen für Start-ups reichten im internationalen Vergleich nicht aus.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach von einer „richtig guten Nachricht“ für deutsche Start-ups und den Standort Deutschland. Durch die Initiative sollten private Investitionen in Wagniskapital, in Start-ups und in Innovationstechnologien mobilisiert werden. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sagte: „Nur wenn es uns gelingt, mehr privates Kapital zu mobilisieren, werden wir zusätzliches Wachstum schaffen.“
Deutsche Start-ups leiden unter großer Finanzierungslücke
Denn momentan steht es nicht gut um die Start-up-Branche: Mit dem Zinsanstieg kamen Start-ups in den vergangenen Jahren schwerer an Geld, einige Firmen rutschten in die Krise. Trotz der vielen Anstrengungen gebe es eine Finanzierungslücke, vor allem in der Wachstumsphase, sagte die Vorsitzende des Start-up-Bundesverbands, Verena Pausder, dem Handelsblatt zufolge.
Die Beträge, die letztes Jahr in deutsche Start-ups gesteckt wurden, seien laut Datendienst Pitchbook um mehr als 40 Prozent eingebrochen. So ist in diesem Jahr in Deutschland noch kein einziges „Einhorn“ entstanden – dabei handelt es sich um ein mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertetes Start-up. Auch Börsengänge lassen weiter auf sich warten, so die Wirtschaftszeitung.
Das Problem: Der Wagniskapitalmarkt sei im internationalen Vergleich viel zu klein, sagte Lindner. In den USA sei er im Verhältnis zur Wirtschaftskraft dreimal so groß. Viele deutsche Investoren seien zurückhaltend. Auch deswegen sei die neue Initiative so wichtig. Der Chef der staatlichen Förderbank KfW, Stefan Wintels, sagte, es seien 30 Milliarden Euro Wagniskapital pro Jahr nötig, um zu den USA aufzuschießen. Die KfW koordiniert die neue Initiative.
Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte, Deutschland habe ein Problem, wenn es darum gehe, die Wachstumsphase von Start-ups zu finanzieren. Die Politik suche nun den Schulterschluss mit der Wirtschaft. Es könnten sich weitere Firmen beteiligen. Das nächste Weltunternehmen könne aus Deutschland kommen.
Startup-Verband forderte zuletzt Verdreifachung der Venture-Capital-Investitionen bis 2030
Angekündigt wurde nun mit der neuen Initiative ein umfangreiches Maßnahmenpaket, um Rahmenbedingungen für Wachstums- und Innovationskapital zu verbessern. Start-ups und sogenannte Scaleups spielten eine wichtige Rolle als Innovationsmotor der deutschen Volkswirtschaft, hieß es. Diese Unternehmen benötigten jedoch eine ausreichende Finanzierung und tragfähige Strukturen, um zu wettbewerbsfähigen Unternehmen heranzuwachsen.
Der Präsident des Digitalverbands Bitkom, Ralf Wintergerst, sagte, die Initiative werde die Finanzierung vieler deutscher Start-ups erleichtern und verbessern. Junge Tech-Unternehmen in Deutschland könnten schneller wachsen und den Technologie- und Innovationsstandort stärken.
Der Startup-Verband forderte zuletzt eine Verdreifachung der sogenannten Venture-Capital-Investitionen bis 2030, um eine jährliche Finanzierungslücke von etwa 30 Milliarden Euro in Deutschland zu schließen. Dazu sei es notwendig, mehr privates Kapital für „Venture Capital“ (Wagniskapital) zu mobilisieren, insbesondere von institutionellen Investoren wie etwa Versicherungen. Zahlreiche Börsengänge junger Firmen im außereuropäischen Ausland führten zu einem erheblichen Wertschöpfungsverlust für den Standort Deutschland. (lma mit dpa)