Legalisierung von Cannabis

Kiffen wird legal: „Cannabis wird das Äquivalent zu Ibuprofen 600“

Die Legalisierung von Cannabis hat die letzte Hürde geschafft. Die Cannabiswirtschaft hofft nun auf einen Aufschwung – zumindest im medizinischen Bereich.

Berlin – Die heftig umkämpfte Legalisierung von Cannabis hat am Freitag (22. März) auch die letzte Hürde im Bundesrat genommen. „Die Cannabis-Politik der letzten zehn Jahre ist gescheitert“, sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dazu nach der Bundesratsabstimmung in Berlin. Er will mit der Legalisierung Risiken begrenzen und den Schwarzmarkt mit verunreinigtem Stoff zurückdrängen. Die Cannabiswirtschaft hofft nun teilweise auf einen Aufschwung – andere wiederum stecken in der Krise.

Lauterbach: „Ich war jahrelang auch gegen eine Cannabis-Legalisierung“

In der Drogenpolitik ist die Legalisierung eine Zäsur. Lauterbach führte als Erklärung eine Verdoppelung des Konsums bei Kindern und Jugendlichen an, eine Verdopplung der Zahl der Drogentoten. Zudem werde der Schwarzmarkt immer größer. „So konnte es nicht weitergehen. Ich war jahrelang auch gegen eine Cannabis-Legalisierung, aber die Studienlage zeigt, wir brauchen hier ein neues Angebot“. 

Der SPD-Politiker sagte, er rechne damit, dass 75 Prozent des Schwarzmarktes zurückgedrängt werden könne. Zu Warnungen aus Sachsen und Bayern, mit der Legalisierung werde die Büchse der Pandora geöffnet, sagte Lauterbach: „Die Büchse der Pandora ist weit offen, und mit dieser Maßnahme heute, dass wir den Schwarzmarkt bekämpfen, versuchen wir, die Büchse der Pandora zu schließen.“  

Freizeitmarkt mit Cannabis-Shops wird es in Deutschland so bald nicht geben

Doch was bedeutet das für den legalen Cannabis-Markt? Die Erwartungen an die Legalisierung waren anfangs noch riesig. In der Hoffnung auf lukrative Geschäfte drängten Start-ups in den Markt, Prominente wie Mario Götze, Moritz Bleibtreu und der US-Rapper Snoop Dogg investieren in Cannabis-Firmen. Die Legalisierung schien das nächste große Ding und Deutschland als großer Markt auch aus ausländischer Sicht verheißungsvoll. Längst liefen sich Anbieter aus der Schweiz, Kanada und den USA warm.

Doch die Teil-Legalisierung von Cannabis für den Freizeitkonsum geht nun lange nicht so weit, wie im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung angepeilt. Zwar soll Cannabis aus dem Betäubungsmittelgesetz herausgenommen werden, wo es bisher neben anderen Drogen als verbotene Substanz geführt und mit Strafvorschriften belegt ist. Besitz und Eigenanbau begrenzter Mengen sollen für Volljährige vom 1. April an erlaubt sein. Und in Vereinen („Cannabis-Clubs“) sollen Mitglieder die Droge gemeinsam anbauen und gegenseitig abgeben dürfen. Der einstige Plan aber, Cannabis in Fachgeschäften an Erwachsene zu verkaufen, wurde vertagt. Das soll in Deutschland zunächst in Modellprojekten erprobt werden - Ausgang ungewiss.

Die Legalisierung von Cannabis hat die letzte Hürde geschafft. (Symbolbild)

Das bringt manche Cannabis-Firmen in Bedrängnis, beobachten Branchenexperten. Längst ist der Goldgräberstimmung Ernüchterung in dem umkämpften Markt gewichen. Um neue Cannabis-Geschäftsideen von Schauspielern oder Fußballern ist es ruhig geworden. Und Firmen wie das Berliner Start-up Cantourage, das im Herbst 2022 an die Börse ging, haben Anlegern nach dem Bundestags-Beschluss wenig Freude bereitet.

Klar ist: Einen Freizeitmarkt mit Cannabis-Shops wie in den Niederlanden und einigen US-Bundesstaaten wird es in Deutschland vorerst nicht geben. „Dass der Eigenanbau nun begrenzt erlaubt wird, hilft der Branche nicht“, sagt Alessandro Rossoni, Gründer der Medizin-Cannabisfirma Nimbus Health. Das Gleiche gelte für Cannabis-Clubs. Einige Cannabis-Firmen seien in Schwierigkeiten geraten, andere verschwunden oder aufgekauft worden. So rutschten laut Fachmedien mehrere Cannabis-Reimporteure in die Pleite.

Hoffnung auf Aufschwung von Cannabis im medizinischen Bereich

Der Branchenverband Cannabiswirtschaft sieht trotzdem Aufwind für die Firmen. „Eigenanbau und Anbauclubs als Möglichkeiten zur Selbstversorgung sind zwar an sich nicht kommerziell, sie benötigen jedoch Infrastruktur, Ausstattung und Dienstleistungen“, sagt Lisa Haag vom Fachbereich Technik, Handel & Dienstleistungen. 

Auch Jakob Sons, sieht in der Teillegalisierung trotzdem Vorteile. Er ist Mitgründer von Cansativa aus dem hessischen Mörfelden-Walldorf, das mit Medizinal-Cannabis handelt. Der Jahresumsatz liegt bei rund 17 Millionen Euro.  Er meint: „Es ist kein großer Wurf, aber ein wichtiger Schritt im globalen Trend zur Entstigmatisierung von Cannabis.“ Zudem herrsche nun etwas mehr regulatorische Klarheit.

Da Cannabis ab April aus dem Betäubungsmittelgesetz genommen werden solle, könnten Ärzte medizinisches Cannabis leichter verschreiben. Die Vorbehalte von Medizinern sind nach wie vor groß. „Mit der Teillegalisierung rechnen wir mit deutlich mehr Cannabis-Patienten in Deutschland“, meint sein Bruder und Gründungspartner Benedikt Sons. Daher habe man sich bei Investitionen auf den Medizin-Bereich konzentriert. Auch die enormen Vorgaben für Apotheken sänken mit der Teillegalisierung merklich. 

Nach Legalisierung: „Die Akzeptanz bei Ärzten dürfte steigen“ 

Cannabis als Arznei hat schon seit der Liberalisierung 2017 einen Boom erlebt. Kranke können sich den Stoff vom Arzt verschreiben lassen, etwa gegen Spastiken bei Multipler Sklerose oder chronische Schmerzen sowie bei Übelkeit und Erbrechen nach Krebs-Chemotherapien. Laut dem Marktforscher Insight Health bekamen 2023 rund 77.000 Cannabis-Patienten in Deutschland mindestens ein Rezept, dazu kommen private Selbstzahler.

Doch die Dokumentationspflichten für Ärzte sind bisher groß. In der Medizin werde die Teillegalisierung der Branche helfen, erwartet auch Alessandro Rossoni, Gründer der Medizin-Cannabisfirma Nimbus Health, der neue Cannabis-Produkte plant. „Die Akzeptanz bei Ärzten dürfte steigen.“ 

„Cannabis wird sozusagen das Äquivalent zu Ibuprofen 600“, sagt gar der CEO von Cannamedical Pharma, David Henn, gegenüber der Wirtschaftswoche. Er prognostiziert: „Im Vergleich zu den heutigen Verhältnissen gehen wir davon aus, dass sich der Markt um das Drei- bis Fünffache in den kommenden 18 Monaten erhöht.“ In Kanada nutzen nach der Freigabe etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung Cannabis als Medizin, die Branche hofft auf ein ähnliches Wachstum.

Mit Material von dpa und AFP

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

Die 15 schönsten Badeseen in Niedersachsen – Urlaubsfeeling garantiert!

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

13 Kräuter für Sonne und (Halb-)Schatten

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Himmelsspektakel mit Vanillekipferl

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern

Kommentare