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Elon Musk in Davos: Tesla-Chef spricht über Sonne als absolute Energielösung der Menschheit
Musk überrascht in Davos mit Solar-Vision und widerspricht der Energiepolitk von US-Präsident Trump – Energiezukunft bleibt eine der zentralen Herausforderungen.
Wenn das Who-is-Who der Weltwirtschaft und Geopolitik in Davos zusammenkommt, liegen für eine Woche alle Blick der modernen Welt auf dem Schweizer Bergdorf. Beim Weltwirtschaftsforum 2026 war zum ersten Mal einer der prominentesten Gäste der reichste Mensch der Welt: Elon Musk. Der Multiunternehmer überraschte die Teilnehmer mit klaren Aussagen zur Energiezukunft – und widersprach damit ausgerechnet seinem einstigen politischen Verbündeten Donald Trump.
Konferenzchair Larry Fink hatte den Tesla-Chef vielfach nach Davos eingeladen, dieser lehnte jedoch stets ab. Erst die Fülle an Nachrichten vom diesjährigen Forum soll Musk zum Umdenken bewegt haben – die Angst, etwas zu verpassen, wie ein Mitglied der US-Delegation berichtete. Kurz vor halb fünf am Donnerstag staute es sich noch einmal am Eingang der großen Halle des Davoser Kongresszentrums.
Musks überraschender Auftritt in Davos: Künstliche Intelligenz und das Energieproblem
Der Auftritt des Visionärs sollte politisch weniger brisant ausfallen als erwartet. Musk nutzte die Bühne zunächst, um über seine Pläne zur Mars-Besiedlung und das Überleben der menschlichen Spezies zu philosophieren. Teilweise inspirierend, teilweise abgehoben wirkte seine Rede, etwa als er behauptete, den Prozess des menschlichen Alterns halte er für lösbar: „Ich habe mich bisher nur nicht damit beschäftigt“, behaupte Musk.
Als BlackRock-CEO Larry Fink das Gespräch auf Künstliche Intelligenz lenkte, wurde Musk konkreter. Er wagte die Prognose, dass KI-Systeme bereits im Laufe des Jahres 2026, spätestens Ende des Jahres, die Leistungsfähigkeit menschlicher Gehirne erreichen würden. Dabei bestätigte er eine weitverbreitete Annahme der Tech-Branche: „Wir werden dieses Jahr zum ersten Mal mehr Chips herstellen, als wir anschließen können“, erklärte Musk. Der Mangel an Energie werde zum größten Problem bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz.
Auf Finks Frage, ob Atomenergie die Lösung für den wachsenden Energiebedarf sein könnte, widersprach Musk deutlich. „Nein. Solar ist die Lösung. Die Kombination aus Solarenergie und Batterien“, so der Unternehmer. Seine Vision: „Würden wir eine Fläche von hundert Kilometern mal hundert Kilometern mit Solarpanels bebauen, könnten wir die gesamten USA mit Elektrizität versorgen.“ Die Aussage steht im direkten Widerspruch zur Politik von US-Präsident Donald Trump, der kürzlich die Förderung für Erneuerbare Energien stark gekürzt hatte.
Noch deutlicher wurde Musk bei der Frage nach den größten Hindernissen: „Die Zölle. Die Zölle auf Solarimporte aus China machen die Kosten des Ausbaus unnatürlich hoch“, kritisierte Musk. Damit distanzierte sich der einstige Trump-Unterstützer öffentlich von der Handelspolitik des Präsidenten. Dabei kann wirtschaftsorientierte Klimapolitik durchaus lukrativ sein, wie das Beispiel China zeigt. Informationen zufolge stammen heute rund 80 Prozent der weltweit produzierten Solarmodule aus chinesischer Fertigung; bei Batterien liegt der Anteil bei über 60 Prozent.
Schock-Momente und große Eklats: So turbulent war das Politik-Jahr 2025
Energie-Isotop Helium 3: Die wissenschaftliche Realität hinter der Mond-Ressource
Während Musk auf der Erde auf Solarenergie setzt, richtet sich der Blick der Raumfahrtindustrie auch auf eine andere potenzielle Energiequelle: Helium-3. Das seltene Isotop, das sich auf dem Mond in ganzen Feldern angereichet haben soll, gilt als möglicher Brennstoff für zukünftige Fusionskraftwerke. Die Vision klingt verlockend: Helium-3 könnte Energie ohne radioaktive Verstrahlung liefern, da bei der Fusion mit Deuterium kein Neutron, sondern ein Proton freigesetzt wird. Das US-Unternehmen Interlune stellte laut Heise Online im Mai 2025 bereits einen Prototyp eines Abbausystems vor. Der in Kooperation mit Vermeer Corporation entwickelte Bagger soll auf dem Mond Regolith umgraben und in einer Stunde 100 Tonnen verarbeiten. Der Markt erscheint lukrativ: Der Preis für Helium-3 liegt laut Heise Online bei stabil 20 Millionen US-Dollar pro Kilogramm. Interlune plant, mehrere Dutzend Kilogramm pro Jahr abzubauen und zur Erde zu transportieren.
Doch Experten bleiben skeptisch. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Helium-3-Fusion eine brauchbare Energiequelle ist. Im Gegenteil, es sprechen gute physikalische Gründe dafür, dass eine Fusion mit diesem Brennstoff sogar schwieriger ist als mit Wasserstoffisotopen“, erklärte Frank Close, emeritierter Professor der University of Oxford, bei Spektrum der Wissenschaft. Bei der Fusion von Deuterium mit Helium-3 würde der Prozess laut Close etwa 100-mal langsamer ablaufen als mit Tritium. Zudem würden auch Deuteriumkerne aufeinanderprallen und dabei Tritium sowie ein Neutron produzieren – genau jene Verstrahlung, die vermieden werden sollte. Eine reine Helium-3-Fusion würde noch langsamer ablaufen und Temperaturen erfordern, die außerhalb des für Tokamak-Reaktoren derzeit erreichbaren Bereichs liegen.
Helium-3-Abbau auf dem Mond: Technisch möglich, wirtschaftlich fraglich
Die Mondressourcen sind durchaus vorhanden. Laut der TU Clausthal wurden durch den Sonnenwind über mehrere Milliarden Jahre in einigen Bereichen des Regoliths rund 20 Teile pro Milliarde (ppb) Helium-3 implementiert. Eine chinesische Studie von 2010 bezifferte die Gesamtmenge auf etwa 66.000 Tonnen. Doch eine Studie der Technischen Universität Delft von 2014 kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Helium-3 hätte nur dann eine Chance gegen regenerative Energien wie Wind und Sonne, wenn sein Abbau unter idealen Bedingungen Brennstoff für ein bis zehn Prozent der globalen Energieversorgung liefern könnte. Dafür müssten mehr als 1.500 Abbau-Roboter jährlich etwa 20 Milliarden Tonnen Regolith fördern – 640 Tonnen pro Sekunde. Über 30 Jahre müssten mehr als 350.000 Tonnen Ausrüstung auf den Mond transportiert werden, darunter Kraftwerksgeräte mit knapp 40 Gigawatt Leistung.
Auch die Fusionsforschung selbst steht vor Herausforderungen. Die aktuellen Reaktoren arbeiten mit Deuterium und Tritium, wobei Tritium erst in den kommenden Jahren zum Einsatz kommen soll, ab 2035 im International Thermonuclear Experimental Reactor in Südfrankreich. Nach heutigen Schätzungen dauert es noch mindestens 30 Jahre, bis Strom produzierende Fusionsreaktoren ans Netz gehen. Bis dahin werden regenerative Energien voraussichtlich so kostengünstig sein, dass sie den aufwändigen Helium-3-Bergbau unwirtschaftlich machen dürften. Deshalb setzt Elon Musk auf eine bereits verfügbare Technologie. (ls)