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Porsche ändert Kurs: Mehr Verbrenner, weniger Elektro – 718 als Benziner-Ikone?
Porsche reduziert seine Elektrostrategie und fokussiert sich vermehrt auf Verbrenner. Die neue Generation des 718 könnte mit kraftvollem Sechszylinder erscheinen.
Frankfurt/Berlin – Der Sportwagenbauer Porsche streicht seine Elektropläne weiter zusammen und nimmt dafür Milliardenbelastungen in Kauf. Ein geplantes Elektro-SUV der Oberklasse soll zunächst nur als Verbrenner und Plug-in-Hybrid angeboten werden.
Zudem werden Modelle mit Verbrennungsmotor länger erhältlich sein, wie das Unternehmen kürzlich mitteilte. Die Folge ist mitunter ein rapider Kursverfall der Aktie. Eine beliebte Baureihe soll nun sogar als reinrassiger Verbrenner neu aufgelegt werden.
Porsche: Verbrenner bleiben länger, Elektro-Modelle werden verschoben
Im Rahmen der neuen Produktplanung setzt Porsche verstärkt auf Flexibilität bei den Antriebsarten. Modelle mit Verbrennungsmotor sollen länger im Programm bleiben, während reine Elektroautos verschoben werden. Dazu werden bereits in der Entwicklung befindliche Fahrzeuge auch wieder mit Verbrenner-Optionen ausgestattet.
Besonders deutlich wird dies nach Angaben der Auto Motor und Sport bei der neuen Generation der 718-Modelle: Bislang als reine Elektromodelle geplant, soll die Plattform so angepasst werden, dass künftig auch Verbrennerantriebe darin aufgenommen werden.
Porsche 718: Nächste Generation mit reinem Verbrenner?
In einer Präsentation für Investoren habe Porsche reine Verbrenner – ohne Hybrid-Komponenten – für die 718-Baureihe angeführt. Diese könnten sich allerdings auf Top-Derivate mit leistungsstarken Sechszylinder-Varianten beschränken, während die Basismodelle weiterhin als reine E-Fahrzeuge geplant sind.
Zudem soll eine geplante Elektro-Plattform für die 30er-Jahre „neu terminiert werden“. Insgesamt werde die Neuausrichtung Porsche allein in diesem Jahr 3,1 Milliarden Euro kosten. Die Gewinnmargen sinken und die Dividende werden für 2025 erheblich geringer ausfallen, warnte Porsche die Investoren.
Porsche kappt zum dritten Mal 2025 seine Gewinnprognose
„Es wird ein harter und langer Weg, der unsere volle Konzentration und große Anstrengung erfordert“, sagte Oliver Blume, der sowohl Porsche als auch Volkswagen als Vorstandschef führt. Für dieses Jahr kappte Porsche zum dritten Mal seine Gewinnprognose.
Mittelfristig sollten die Anpassungen das Wachstum und die Position im Markt aber stärken, sagte Blume. Experten zweifelten daran: Patrick Hummel, Analyst bei der UBS, stellte gleich das ganze Geschäftsmodell von Porsche als Luxushersteller in Frage: „Das sind keine Margen, die man bei einem erfolgreichen Luxushersteller erwartet.“
Porsche wird durch Zölle und schwache Nachfrage belastet
Mittel- bis langfristig solle sich die Neuausrichtung des Produktportfolios auch positiv auf die Finanzkennzahlen auswirken, erklärte Porsche. Gleichzeitig erwarte man erhebliche Mehrbelastungen etwa durch die US-Zölle, den Nachfragerückgang in China und den langsameren Hochlauf der Elektromobilität.
Die strategische Neuausrichtung werde diese zusätzlichen Belastungen nur zum Teil ausgleichen. Mittelfristig strebe Porsche nun eine operative Umsatzrendite im zweistelligen Bereich an. Bei guter Geschäftsentwicklung sollen es bis zu 15 Prozent sein - das wäre das untere Ende der bisherigen Spanne. Mittelfristig strebe Porsche nun eine operative Umsatzrendite im zweistelligen Bereich an.
Elektroautos bleiben Ladenhüter – China und USA als Problemzonen
Porsche steckt schon länger in der Krise. Das Unternehmen leidet darunter, dass seine Elektroautos nicht so gut bei den Kunden ankommen wie erhofft. Wegen Problemen mit der Software hatte sich zudem die Markteinführung des elektrischen Macan um Jahre verzögert. Das ursprüngliche Elektrifizierungsziel von 80 Prozent bis 2030 kippte das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr.
Dazu kommt das Debakel auf dem chinesischen Markt, einst ein wichtiger Renditebringer. Die Krise auf dem dortigen Immobilienmarkt verleidet wohlhabenden Chinesen Berichten zufolge den Kauf eines Porsche-Verbrenners. Zudem kann Porsche mit seinen hochpreisigen Elektroautos nicht punkten. Dazu kommen die Zölle von US-Präsident Donald Trump, die Porsche voll treffen, weil die Sportwagenschmiede nicht in den USA produziert.
Porsche wird zum Hemmschuh im VW-Konzern
Der Wolfsburger Großaktionär Volkswagen teilte mit, er rechne durch den Gewinnrückgang bei Porsche und den Wertverlust der Beteiligung mit einer Belastung von 5,1 Milliarden Euro auf das operative Konzernergebnis. Auch VW senkte seine Gewinnprognose. Bei der Ermittlung der Dividende für dieses Jahr will VW aber zumindest die Firmenwert-Abschreibung von rund drei Milliarden Euro auf Porsche nicht negativ berücksichtigen. Auch der VW-Großaktionär Porsche SE senkte seine Prognose.
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen
Der ehemalige Vorstandschef des Volkswagen-Konzerns, Herbert Diess, hat diesen Vorgang indirekt in seiner Kolumne für die aktuelle Wirtschaftswoche kritisiert: Die deutsche Autoindustrie gewinne an Momentum und Innovationskraft bei neuen Technologien, schreibt der Ex-VW-Chef dort. „Gerade jetzt darf man nicht nachlassen, kein ‚Gas rausnehmen‘ bei den Zukunftstechnologien.“ (lma/pf/Reuters)