9000 Stunden jährlich
Wirtschaftsministerium sucht externe Berater – Reiches Plan könnte teuer werden
Das Bundeswirtschaftsministerium sucht externe Berater in einem Umfang von 9000 Stunden im Jahr. Die Erklärung: die eigenen Mitarbeitenden könnten die Aufgaben nicht bewältigen.
Es brodelt im Bundeswirtschaftsministerium. Wie eine Ausschreibung auf der Webseite für öffentliche Vergaben von Bund, Ländern und Kommunen zeigt, sucht Wirtschaftsministerin Katherina Reiche „strategische Top-Management-Beratung für die Behördenleitung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE)“. Der Spiegel berichtete zuerst. Demnach beträgt die Frist für die Ausschreibung gerade einmal 14 Tage – mit Blick auf die Osterfeiertage ein sehr knappes Zeitfenster.
Die Aufgabenfelder sind dabei umfangreich. Gesucht wird vom BMWE ein externes Unternehmen, das in einem Umfang von 9000 Arbeitsstunden im Jahr das Ministerium in den Bereichen „Organisationsgestaltung und -entwicklung, Prozesssteuerung und -management, Ressourcenallokation und Effizienzgewinne“ und „Beratung zu operativ-inhaltlichen Aspekten der wirtschaftspolitischen Vorhabenplanung und -umsetzung“ unterstützt.
Reiche sucht externe Unterstützung für „kurzfristige“ Beratung
Reiche scheint bei der Suche nach externer Hilfe die permanente Verfügbarkeit von Leistungen wichtig zu sein. In der Leistungsbeschreibung heißt es, die „Beratungs- und Unterstützungsleistungen“ sollen auch „kurzfristige Ad-hoc-Beratung“ per Mail oder Telefon umfassen. Weitere Aufgabenfelder sollen die Planung und Durchführung von Workshops, die schriftliche Aufbereitung von Beratungen (Kurzanalysen, Steckbriefe, Handlungsempfehlungen und Präsentationsunterlagen) sowie die „umfassende“ schriftliche Ausarbeitung von Beratungsergebnissen sein.
Die Aufgaben sollen von einem Unternehmen mit „mindestens 50 fest angestellten Mitarbeitenden“ übernommen werden, heißt es in einer Verfahrensbeschreibung. Wie der Spiegel berichtete, würden externe Unternehmen in der Regel einen Stundensatz in Höhe von 180 bis 650 Euro verlangen – je nachdem, ob ein Partner, Senior Associate oder einfacher Associate die Aufgaben übernehmen soll. In der Leistungsbeschreibung schlüsselt das Ministerium auf, dass Partner 20 bis 25 Prozent der geforderten 9000 Stunden erbringen sollen. Senior Associates sollen 40 bis 50 Prozent und Associates 20 bis 30 Prozent ableisten.
Berechnungen des Spiegels zufolge würden so Kosten von mindestens zwei Millionen Euro entstehen. Dabei hatten sich CDU, CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag noch auf die „Reduzierung der Ausgaben für externe Berater“ geeinigt. Mit besserer Steuerung wolle man die Leistungen „auf ein Minimum reduzieren“.
Es rumort in Reiches Ministerium – nicht besetzte Stellen und Stress mit den Mitarbeitenden
Der neue Vorstoß von Ministerin Reiche passt also nicht mit den eigenen Anforderungen der Koalition zusammen. Zumal viele Stellen im BMWE aktuell nicht besetzt sind. Laut dem Handelsblatt sind insgesamt acht interne Stellenangebote für acht Referate der Leistungsabteilung ausgeschrieben. Ein Ministeriumssprecher verneinte gegenüber dem Handelsblatt, dass ein Zusammenhang zwischen den offenen Stellen und der Suche nach externen Beratern bestehe.
Laut dem Spiegel trifft die Suche nach externen Mitarbeitenden in der Belegschaft des Ministeriums auf Unverständnis. Ein namentlich nicht genannter Ministeriumsmitarbeiter sagte demnach, dass die ausgeschriebenen Anforderungen das „Herzstück der Verwaltung“ des BMWE betreffen würden. Er bezeichnete das Vorgehen als fragwürdig und als Ausdruck für mangelndes Vertrauen in die Expertise der eigenen Belegschaft.
Ein Sprecher des BMWE sagte der Zeitung dagegen, dass die Aufgaben nicht von internen Mitarbeitenden übernommen werden könnten. (Quellen: Ausschreibung BMWE, Spiegel, Handelsblatt)
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