Angst vor Trump-Einfluss
Goldpreis erreicht neues Rekordhoch – doch ist ein Ende der Rally in Sicht?
Der Goldpreis jagt einen Rekord nach dem anderen. Doch wie lange hält die Rally noch an? Finanzexperte Robin Brooks wagt eine Prognose – und die überrascht.
New York – Der Goldpreis steigt und steigt und steigt. Nun hat Gold wieder eine historische Marke durchbrochen: Eine Unze kostet erstmals über 4.000 Euro. Am frühen Mittwochmorgen klettert der Goldpreis auf bis zu 4001,07 US-Dollar und verzeichnet damit seit Jahresbeginn ein Plus von über 50 Prozent. Der Anstieg fiel lange Zeit mit einem schwächelnden US-Dollar zusammen. Inzwischen hat sich der Dollar gegenüber anderen Währungen stabilisiert. Sieht der Finanzanalyst Robin Brooks darin ein Warnsignal? „Die Märkte suchen nach sicheren Häfen“, erklärt der Ex-Goldman-Sachs-Manager in einem Welt-Interview.
Unsicherheit an den Märkten treibt Goldpreis auf Rekordniveau
Die Gründe für die Goldrally ist auf die USA zurückzuführen. Beim Haushaltsstreit zwischen Republikanern und Demokraten konnten sich beide Parteien bislang nicht auf eine Lösung einigen, sodass es zu einem „Shutdown“ gekommen ist, bei dem die Regierungsgeschäfte stillstehen. Dies verunsichert wiederum die Kapitalmärkte und schwächt das Vertrauen in US-Anleihen. Als treibende Kraft für den Goldpreis flüchten Anleger daher in die als sicher geltende Anlageklasse Gold.
Auch Zentralbanken reduzieren ihre Dollar-Anlagen. Seit 2022 kaufen sie jährlich mehr als doppelt so viel Gold wie in den zehn Jahren zuvor, unter anderem aus Sorge vor möglichen US-Sanktionen, berichtet das Handelsblatt. Geht es nach Analysten, dürfte der Goldpreis noch weiter steigen. Experten der UBS-Bank erwarten, dass der Preis bis Jahresende auf 4.200 Dollar steigt. Auch Goldman Sachs hat kürzlich sein Preisziel nach oben korrigiert: Für Dezember 2026 prognostiziert die US-Großbank nun 4.900 Dollar pro Unze, zuvor lag die Schätzung bei 4.300 Dollar.
„Flucht aus allen Papierwährungen“: Geht die Goldrally weiter?
Die verstärkte Nachfrage nach Edelmetallen wie Gold und zunehmend auch nach Bitcoin lässt sich durch das Phänomen erklären, das die Investmentbank JP Morgan als „Debasement Trade“ bezeichnet. Mit Investments in Gold, Bitcoin, Immobilien oder Aktien von Unternehmen, die von fallenden Währungen profitieren, sollen Anleger ihr Vermögen gegen eine mögliche Abwertung durch Geld- und Fiskalpolitik absichern.
The global rise in long-term yields on gov't bonds and the rise in gold prices are interconnected. Markets fear that high and rising debt burdens will be monetized and fiat currencies debased. So you get higher risk premia on gov't debt and a growing flight to safety into gold... pic.twitter.com/NeGiUnblUm
— Robin Brooks (@robin_j_brooks) October 7, 2025
„Es sieht so aus, als ob der Anstieg der Goldpreise darauf zurückzuführen ist, dass die Märkte inmitten politischer Unsicherheiten und der Angst vor einem stärkeren politischen Einfluss auf die Fed (die US-Zentralbank Federal Reserve System, Anm. d. Red.) und andere Zentralbanken nach sicheren Häfen suchen“, erklärt Brooks. Auffällig sei, dass der Dollar aktuell gegenüber anderen Währungen stabil ist, sodass die Goldanlage inzwischen eine generelle Absicherung darstellt. „Das heißt, es ist nicht mehr eine Flucht aus dem Greenback, sondern aus allen Papierwährungen.“
Wird der Goldpreis wieder stark fallen? Laut Brooks ist derzeit eher nicht damit zu rechnen. Ein deutlicher Rückgang würde eintreten, wenn Zentralbanken die Zinsen weniger stark senken oder Länder ihre Fiskalpolitik konsolidieren – von beidem ist aktuell jedoch eher nicht auszugehen.
Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa
