Rohstoff-Restriktionen

„Schwerer Schlag für den Markt“ – Seltene Erden: Expertin deckt große Chancen auf

USA und China vertiefen ihren Handelskrieg. Der Westen könnte bei wichtigen Rohstoffen ins Hintertreffen geraten. Diese bieten gleichwohl Chancen.

Rosenheim – China zieht die Schlinge enger. Immer weitere seltene Rohstoffe stehen unter harten Exportbeschränkungen, wenn nicht gar unter Exportverbot. Deutschland und der restliche industrielle Westen sucht hektisch nach Lösungen und will sich von der chinesischen Abhängigkeit lösen. Eine Rohstoff-Expertin verrät, dass Deutsche hier große Chancen haben.

China-Monopol bei Seltenen Erden – Expertin warnt vor massiven Verlusten

Das grundlegende Problem dabei: China hat nahezu ein Monopol bei Seltenen Erden. Laut der Internationalen Energie-Agentur (IEA) kontrolliert das Land 61 Prozent der Selten-Erd-Produktion und 92 Prozent der Verarbeitungs-Kapazitäten. Seit vielen Monaten schränkt der Machthaber in Peking, Xi Jinping, die Ausfuhr dieser wichtigen Rohstoffe immer mehr ein, was im Westen für Panik sorgt. Die Käufer zahlen mittlerweile viel Geld für die Seltenen Erden, weil die Alternative ein Stillstand wäre. Die Finanz- und Metallspezialistin Nadine Rajner von der Beratungsgesellschaft Consultoria de Metales Preciosos geht über die Chancen ins Detail.

Nach den neuesten chinesischen Exportbeschränkungen ging ein Aufschrei durch den Rohstoffmarkt. Wie schätzen Sie die Situation ein, wie schlimm ist es?
Sie sprechen die neuen Restriktionen an, nach denen bestimmte Seltene Erden und daraus hergestellte Produkte, die auch für militärische Zwecke genutzt werden können, nicht mehr exportiert werden dürfen. Das ist ein schwerer Schlag für den Markt – allerdings war absehbar, dass der Konflikt und die Exportkontrollen noch nicht vorbei sind. Die Lage spitzt sich weiter zu.
Autonome Trucks in einem Minengebiet in China (Symbolfoto). Der Handelskrieg zwischen den USA und China weitet sich aus. Dem Westen könnten wichtige Rohstoffe fehlen. Diese bergen jedoch Chancen.
Nicht nur die aktuellen Beschränkungen, auch die vorhergehenden Maßnahmen haben den Markt bereits geschwächt. Viele Unternehmen verzeichnen Verluste, und die Beschaffung dieser Rohstoffe wird zunehmend schwierig. Chinas Vorgehen ist ein deutliches Signal, dass der Handelskonflikt mit den USA längst nicht beendet ist. Die neuen Exportrestriktionen setzt China gezielt als strategisches Druckmittel ein – mit weltweiten Folgen für den gesamten Rohstoffmarkt.
Ihr Unternehmen handelt ebenfalls mit Metallpulvern. Welche Auswirkungen haben Sie für sich seit den ersten chinesischen Restriktionen bemerkt?
Ich bin mit unserem Familienunternehmen seit über 20 Jahren im Rohstoffmarkt tätig, und aktuell spüre ich eine große Unruhe in der gesamten Branche. Seit den ersten chinesischen Restriktionen sind nicht nur die Preise für Metalle – etwa für Germanium – massiv gestiegen, auch die verfügbaren Mengen haben sich deutlich verringert. Schwere Seltene Erden wie Dysprosiumoxid sind zum Beispiel kaum noch erhältlich.
Diese Entwicklung hat weltweite Folgen: Die global verfügbaren Mengen sind stark geschrumpft, während die Nachfrage der Industrie weiter zunimmt. Auffällig ist zudem, dass viele europäische Unternehmen gezielt nach „Non-Chinese“ Metallen fragen, um sich neue, unabhängige Lieferketten außerhalb Chinas aufzubauen.

Chancen im „Rohstoffsuperzyklus“ – das bringt eine Anlage in Seltene Erden

Trotzdem sehen Sie in der aktuellen Entwicklung auch Chancen für Investoren. Wie sieht das im Detail aus?
Für Investoren geht es neben dem Werterhalt immer auch darum, eine gute Rendite zu erzielen. Der Schlüssel dafür liegt in der Knappheit eines Gutes – und genau das trifft auf die Seltenen Erden, aber auch auf viele Technologiemetalle wie Hafnium, Gallium oder Germanium zu. Wir erleben derzeit eine hohe Nachfrage, die auf ein begrenztes Angebot trifft.
Diese Metalle bilden das Fundament unseres modernen Wohlstands. Der technologische Fortschritt beschleunigt sich, und mit ihm wächst der Bedarf an Rohstoffen für E-Mobilität, künstliche Intelligenz und die Energiewende. Wer hier investiert, kann stark vom Boom der Zukunftstechnologien profitieren – ein Trend, der sich aktuell im sogenannten Rohstoffsuperzyklus zeigt.
Auf welche Risiken müssen Investoren dabei achten?
Anleger müssen eine klare „Metall-Strategie“ entwickeln und prüfen, welche Anlageform zu ihnen passt. Aus meiner Sicht – als Metall- und Finanzexpertin – ist das direkte Investment in physische Metalle besonders interessant, die in einem Hochsicherheitslager verwahrt werden. Wichtig dabei: Man sollte breit streuen und nicht nur auf ein einzelnes Metall setzen.
Nadine Rajner, Finanz- und Metallspezialistin und Geschäftsführerin von Consultoria de Metales Preciosos.
Diversifikation bedeutet Risikominimierung. Wer in Metalle investieren möchte, sollte außerdem darauf achten, dass er zu 100 Prozent Eigentümer des physischen Metalls ist. Ein gesicherter Eigentumsübergang ist hier entscheidend.
Ebenso wichtig ist Transparenz. Der gesamte Ablauf vom Kauf über die Einlagerung bis hin zur Verwaltung sollte nachvollziehbar sein. Als Investor sollte ich zudem die Möglichkeit haben, das Lager zu besichtigen, in dem meine Metalle professionell aufbewahrt werden. Für mich ist das physische Eigentum an Metallen die ehrlichste und solideste Form von Sicherheit und Rendite.

Merz-Maßnahmen für Seltene Erden – „Hätte viel früher aktiv werden müssen“

Was muss passieren, damit sich die Situation um Seltene Erden wieder beruhigt?
Dazu müsste sich die gesamte geopolitische Lage entspannen. Damit meine ich vor allem Zölle, Ausfuhrbeschränkungen und der Handelskonflikt zwischen China und den USA. Hier müsste zunächst wieder Stabilität einkehren.
Gleichzeitig hätte Europa in der Vergangenheit mehr Vorsorge treffen müssen, etwa durch den Aufbau eigener Lagerbestände. Auch in die Raffinerietechnologie hätten deutlich mehr Forschungsgelder fließen sollen, um europäische Vorkommen Seltener Erden – wie zum Beispiel in Kiruna in Schweden – schneller erschließen zu können. Dann wäre man heute nicht vollständig vom chinesischen Monopol abhängig.
Wenn Sie Friedrich Merz eine Handlungsempfehlung zu Seltenen Erden geben könnten, welche wäre das?
Man hätte in diesem Bereich schon viel früher aktiv werden müssen. Jetzt geht es vor allem darum, Schadensbegrenzung zu betreiben. Dafür ist es notwendig, neue stabile Lieferketten mit anderen Ländern aufzubauen – etwa mit Brasilien oder Südafrika, die über eigene Vorkommen Seltener Erden verfügen.
Auf diese Weise können schrittweise Lagerbestände aufgebaut und die bestehenden Abhängigkeiten verringert werden.

Rubriklistenbild: © Consultoria de metales preciosos Nadine Rajner S.L. & IMAGO / Xinhua

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