Krise der Solar-Technik

Solarbranche unter Druck: Meyer Burger vor dem endgültigen Aus

Meyer Burger scheitert komplett, 600 deutsche Beschäftigte stehen ohne Arbeit da. Chinesische Billigkonkurrenz verursacht das Ende der Solarfirma.

Thun, Schweiz – Der insolvente Schweizer Solarmodul-Hersteller Meyer Burger steht vor dem endgültigen Aus. Wie das Unternehmen mitteilte, ist die Suche nach einem Investor erfolglos geblieben. Aus heutiger Sicht bestehe „keine realistische Chance für eine Rettung der gesamten Unternehmensgruppe einschließlich der Muttergesellschaft“, erklärte die Firma laut Reuters. Die Konsequenz: Rund 600 Beschäftigten in Deutschland und den verbliebenen 45 Mitarbeitern in der Schweiz wurde gekündigt.

Die deutschen Standorte hatten bereits am 1. September ihren Betrieb eingestellt. Betroffen sind die Werke in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt und Hohenstein-Ernstthal in Sachsen. Wie die Insolvenzverwalter Lucas Flöther und Reinhard Klose mitteilten, wurden bei der Meyer Burger (Germany) GmbH in Hohenstein-Ernstthal 206 Mitarbeiter freigestellt. Bei der Meyer Burger (Industries) GmbH mit Standorten in Bitterfeld-Wolfen und Hohenstein-Ernstthal mussten 271 Beschäftigte gekündigt werden. Nur kleine Abwicklungsteams bleiben zur Liquidation bestehen.

Investorensuche erfolglos - Komplette Unternehmensgruppe vor der Liquidation

Als Hauptgründe für die Misere nannte Meyer Burger laut Reuters die „Billigimporte aus China sowie erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der zukünftigen Förderung erneuerbarer Energien in den USA und Europa“. Einen entscheidenden Schlag versetzte dem Konzern im November die Vertragskündigung seines Großkunden, der amerikanischen D.E. Shaw Renewable Investments, wie Reuters berichtete. Diese Kündigung brachte das bereits angeschlagene Unternehmen vollends ins Wanken.

Die finanzielle Schieflage von Meyer Burger war bereits seit Monaten offensichtlich. Das Unternehmen hatte im April vorläufige Geschäftszahlen veröffentlicht und demnach 2024 bei einem Umsatz von lediglich knapp 70 Millionen Franken – circa 75 Millionen Euro – einen operativen Verlust (Ebitda) [Anmerkung der Red.: Ebitda steht für „Earnings before interest, taxes, depreciation and amortization“; zu deutsch: „Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation“] von 210,4 Millionen Franken – etwa 225,6 Millionen Euro – verbucht, wie Reuters meldete. Ende Mai folgte der Insolvenzantrag in Deutschland, Ende Juni in den USA. In den USA erhielt Meyer Burger nach dem Chapter-11-Verfahren die Genehmigung des Gerichts zum Verkauf der Anlagen zur Modulproduktion an Waaree Solar Americas und von Solarzellen an Babacomari Solar North für insgesamt rund 29 Millionen Dollar.

Das Ende von Meyer Burger markiert einen weiteren Rückschlag für die europäische Solarindustrie, die zunehmend unter dem Preisdruck chinesischer Hersteller leidet und um ihre Wettbewerbsfähigkeit kämpft.

Energiekonzerne fordern Ende der Solarförderung: IG Metall fordert politisches Umdenken

Die Gewerkschaft IG Metall reagierte mit scharfer Kritik auf das Unternehmensende. Schlüssel-Branchen müssten zukunftsfähig gefördert werden, forderte die Gewerkschaft. Es gehe um die fundamentale Frage, „ob Deutschland und Europa noch selbst Akteure der Energiewende seien, oder ob man nur noch Konsumenten fremder Technologien bleibe“. Die Beschäftigten dürften nicht länger „die Opfer von unternehmerischem Missmanagement und politischer Passivität sein“. Und: „Dekarbonisierung ist nicht verhandelbar – aber die Transformation muss gerecht sein“ heißt es in einer Pressemitteilung. Nach Ansicht der IG Metall braucht es faire Wettbewerbsbedingungen und verbindliche Standort-Zusagen.

Das Ende von Meyer Burger fällt in eine Zeit heftiger politischer Debatten um die Zukunft der Solarenergie in Deutschland. Wirtschaftsministerin Katherine Reiche (CDU) plant, die Subvention für neue private Solaranlagen zu überdenken. „Neue, kleine PV-Anlagen rechnen sich schon heute im Markt und bedürften keiner Förderung“, sagte die CDU-Politikerin. Ohne die Einspeisevergütung würden Betreiber einer gewöhnlichen Zehn-Kilowatt-Peak-Solaranlage auf 550 bis 630 Euro pro Jahr verzichten müssen – über die Mindestlebensdauer von 20 Jahren entspricht das einem Verlust von 11.000 bis 12.500 Euro.

Unterstützung erhält Reiche von den großen Energiekonzernen. RWE-Chef Markus Krebber bezeichnete die staatliche Einspeisevergütung als „unnötig und sozial ungerecht“ und fordert sogar zusätzliche Baukostenzuschüsse für Solaranlagen-Besitzer. Auch E.On-Chef Leo Birnbaum fordert einen „Stopp für die Subventionen der privaten Solaranlagen“. Die Solarbranche reagiert entsprechend alarmiert: „Ohne Planungssicherheit droht der komplette Stillstand“, warnt Philipp Schröder, CEO von 1KOMMA5°. Der Bundesverband Solarwirtschaft kritisiert, die Umsetzung würde „die Klimaziele gefährden und die Branche mit ihren rund 150.000 Beschäftigten stark schädigen“. (ls)

Rubriklistenbild: © Sylvio Dittrich / IMAGO

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