Renten-Strategie

Finanzielle Sicherheit im Ruhestand: Mit dieser Strategie können Rentner Geld sparen

Viele Wege können zu finanzieller Unabhängigkeit im Ruhestand führen. So auch die Etappenstrategie. Mit ihr können Rentner Ausgaben durch Zinsen kompensieren.

Frankfurt am Main – Wer wünscht sich nicht, nach einem jahrzehntelangen Arbeitsleben im Alter finanziell abgesichert zu sein? Während die Rente allein jedoch nur wenigen für einen sorglosen Ruhestand ausreicht, gibt es viele weitere Wege, für Wohlstand oder zumindest für finanzielle Unabhängigkeit im Alter zu sorgen. Eine klassische Möglichkeit besteht natürlich darin, schon in jüngeren Jahre für den Ruhestand mit dem Sparen zu beginnen. Doch das ist nur die halbe Miete auf dem Weg zu einem finanziell sorgenfreien Leben im Alter. Essenziell ist nämlich auch die richtige Strategie, damit die finanziellen Rücklagen im Ruhestand so lange wie möglich ausreichen.

Was mancher Rentner übersehen mag: Auch solide Reserven werden nicht für immer reichen

Eine Art und Weise, fürs Alter finanziell vorzusorgen, kann etwa darin liegen, in börsengehandelte Fonds (exchange-traded funds, kurz ETF) zu investieren. Denn vor allem ETFs auf breitstreuende Indizes können ein Schlüssel sein, vergleichsweise einfach und kostengünstig für den Ruhestand vorzusorgen. Wer früh damit beginnt, jeden Monat über einen Sparplan zu investieren und die angelegte Summe nach Möglichkeit gar kontinuierlich etwas erhöht, wird mit den Jahren höchstwahrscheinlich eine größere Geldsumme generieren, mit der sich die Rente aufbessern lässt.

Was viele Rentnerinnen und Rentner unterschätzen, ist, dass selbst solide Ersparnisse in den Jahren oder gar Jahrzehnten des Ruhestands schneller aufgebraucht sein können, als man sich versieht. Deutlich wird das etwa an folgendem Beispiel: Ein Beschäftigter hat während der Jahrzehnte seines Berufslebens ein Vermögen von 600.000 Euro akquiriert. Beim Renteneintritt verschiebt er jene finanziellen Reserven auf sein Tagesgeldkonto. Geht man weiter davon aus, dass der Rentner über Jahre jeden Monat 2500 aus diesen Rücklagen entnimmt, um seine Rente aufzubessern, wird er innerhalb von zehn Jahren insgesamt 300.000 Euro entnommen haben – also die Hälfte seiner Rücklagen.

Wird weiter davon ausgegangen, dass sein Tagesgeldkonto mit einem Prozent verzinst wird, belaufen sich seine Zinseinnahmen nach zehn Jahren auf 33.250 Euro nach Berücksichtigung von Steuerabzügen. Was dem Angestellten mit jener Strategie im Ruhestand nach zehn Jahren als Vermögen bleibt, sind 333.250 Euro. Soll das Geld noch länger als weitere zehn Jahre ausreichen, sollte betreffender Rentner also spätestens jetzt anfangen zu sparen, oder seine Entnahmen aus den Reserven reduzieren. 

Bei der Etappenstrategie wird das Kapital während der Rente in ein Entnahme- und ein Wachstumssegment geteilt 

Ganz anders kann sich die Situation jedoch gestalten, wenn der beispielhafte Beschäftigte seine finanziellen Rücklagen nach dem Renteneintrittsalter weiter für sich arbeiten lässt. Möglich wird das etwa im Rahmen einer Vorgehensweise, die „Etappenstrategie“ genannt wird. 

Sie erhält ihren Namen dadurch, dass sie künftige Einkommensphasen in Etappen von mindestens zehn Jahren unterteilt, wie das Vermögenszentrum (VZ) informiert. Das Kapital einer Person wird dieser Herangehensweise nach in zwei Segmente aufgeteilt: in einen sogenannten Entnahmeteil einerseits sowie in einen Wachstumsteil andererseits. Für die erste Etappe wird dann der Einkommensbedarf basierend auf einem soliden Ausgabenbudget bestimmt.

So groß ist das Sparpotenzial der Etappenstrategie für Rentner

Während Geld aus dem Entnahmesegment dazu dient, die Rente je monatlich aufzustocken, wird der zweite Vermögensteil wachstumsorientiert angelegt. Das hat einen entschiedenen Vorteil verglichen mit der Herangehensweise, sämtliches Kapital einfach mit in den Ruhestand zu nehmen und auf dem Tagesgeldkonto ruhen zu lassen, wie Thomas Wolff, Vermögensverwalter und Niederlassungsleiter beim VZ Berlin, gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung (DHZ) ausführt: „Das Geld kann arbeiten, um zumindest den Verbrauch ein bisschen zu kompensieren“ – denn gebraucht werden die finanziellen Rücklagen, die sich als Anlagenteil über die Jahre des Ruhestands durch Zinsen vermehren, ja ohnehin nicht, weil ja nur das Geld aus dem Entnahmeteil zum Einsatz kommt, die Rente monatlich aufzustocken. 

Um zu verdeutlichen, wie sehr die Etappenstrategie lohnen kann, nun wieder ein Beispiel: Eine Rentnerin oder ein Rentner, legt zu Beginn des Ruhestands nicht sein gesamtes Kapital – in diesem Fall 600.000 Euro – auf dem Konto ab, sondern teilt es zu je zwei gleichen Teilen auf, um damit einerseits den Entnahme-, sowie andererseits den Wachstumsteil zu bestücken. Den Verbrauchsteil legt der Rentner im Rahmen eines Anleihen-ETF mit einer Rendite von zwei Prozent an und entnimmt hieraus in jedem neuen Monat die Summe, die er zum Leben benötigt. 

Als Resultat geht daraus nach zehn Jahren, also am Ende der ersten Sparetappe, hervor: Zwar hat der Rentner auch hier über einen Zeitraum von zehn Jahren zwar wieder 300.000 Euro aus seinem Kapital entnommen und ausgegeben, über die Rendite hat der Mann nach Steuern aber gut 191.000 Euro verdient. Plus den verbleibenden 300.000 Euro, die ursprünglich im Wachstumsteil angelegt wurden, bleiben dem Rentner also rund 491.000 Euro für die darauffolgenden Jahre. So generiert er dem Beispiel nach durch die Etappenstrategie also 157.750 Euro mehr, als ihm durch bloßes Ruhen des gesamten Kapitals wie in Beispiel eins nach zehn Jahren zur Verfügung stünde. (fh)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Zoonar und IMAGO / Michael Gstettenbauer

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