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Silber- und Gold-Investments 2026: Minenaktien als clevere Alternative?
ETFs verlieren an Streuung, Bitcoin bleibt volatil. Experten warnen vor Überbewertungen im Tech-Sektor. Sind Minenaktien der clevere Weg? Teil 3 der Marktanalyse von Merkur.de.
Berlin/Frankfurt a. M. – Viele ETFs gelten als sichere Anlage für Privatinvestoren. Doch die Realität sieht anders aus. Der MSCI World entwickelte sich zunehmend zu einem US-Tech-Index im globalen Kostüm. Der Anteil amerikanischer Aktien stieg von 58 Prozent im Jahr 2015 auf 74 Prozent Ende 2024. Die zehn größten Positionen machen fast ein Viertel des Index aus. Der Index bilde zudem nur 23 Industrienationen ab – Schwellenländer fehlen vollständig. Wer sein Geld breit gestreut anlegen wollte, läuft heute Gefahr, ungewollt in eine Wette auf die US-Tech-Konzerne verstrickt zu sein.
Michael Burry, der die Immobilienblase und die damit verbunden Weltfinanzkrise von 2007 vorhergesehen hat, setzt auf fallende Kurse bei Tech-Aktien. Im November 2025 platzierte Burry Put-Optionen im Wert von 912 Millionen US-Dollar gegen Palantir und 187 Millionen US-Dollar gegen Nvidia. Viele Analysten raten daher von derartigen Investments ab und shorten gar gegen Nvidia und Co. Parallel dazu erwägt die Deutsche Bank laut Financial Times Strategien zur Absicherung ihrer milliardenschweren Kredite an Rechenzentren-Betreiber. Die Warnsignale aus der Finanzwelt mehren sich. Passive Investments halten mittlerweile laut Bloomberg Intelligence 52 Prozent oder 15,4 Billionen Dollar der US-Aktien- und Anleihenmärkte.
Michael Burry warnt vor Tech-Giganten: KI-Hype als Brandbeschleuniger einer möglichen Tech-Blase
Die Deutsche Bundesbank warnt vor einem „Crowding-out-Effekt“: Marktteilnehmer investieren zunehmend über ETFs statt direkt, wodurch Liquidität vom Markt für Einzelwertpapiere abgezogen wird. Dieser Mechanismus verstärkt sich durch Share Buybacks: Wenn Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen, steigt oft der Aktienkurs und damit die Gewichtung im Index. Die Situation verschärft sich durch den KI-Boom. Im Jahr 2025 flossen bereits über 192,7 Milliarden US-Dollar Risikokapital in KI-Start-ups. Tech-Konzerne wie OpenAI, Meta und xAI planen Investitionen von bis zu 2,2 Billionen US-Dollar. OpenAI wurde im Oktober 2025 mit 500 Milliarden US-Dollar bewertet – Rekord für ein Start-up.
Doch laut einer MIT-Analyse verzeichnen „95 Prozent der befragten Organisationen keine messbare Rendite aus ihren KI-Investments“. In Deutschland nutzen zwar 41 Prozent der Unternehmen bereits KI-Tools, weitere 19 Prozent bereiten den Einsatz vor, von spürbaren Produktivitätsgewinnen könne aber „keine Rede sein“.
Besonders besorgniserregend ist, dass sich die Tech-Giganten zunehmend gegenseitig finanzieren. Laut Bloomberg haben OpenAI, Nvidia, AMD und Oracle ein Netz aus „zirkulären Deals“ geknüpft. Nvidia investiert bis zu 100 Milliarden US-Dollar in OpenAI – das wiederum Millionen von Nvidia-Chips kauft. Stacy Rasgon von Bernstein Research warnte: OpenAI-Chef Sam Altman „hat die Macht, die Weltwirtschaft für ein Jahrzehnt zum Absturz zu bringen oder uns alle ins gelobte Land zu führen. Und im Moment wissen wir nicht, was passieren wird.“
Silber – die unterschätzte industrielle Zukunftswette
Welche Anlagen lohnen sich also noch? Ein Blick zurück zu den Grundlagen könnte der Weg nach vorn sein. Silber bietet eine interessante Alternative zu überhitzten Tech-Investments. Mehr als die Hälfte des weltweiten Silberverbrauchs entfällt laut Silver Institute auf industrielle Anwendungen. Im Jahr 2024 entfielen etwa 34 Prozent der weltweiten Nachfrage auf die Elektronikindustrie, 15 Prozent wurden für die Herstellung von Solarzellen verwendet, berichtete die Frankfurter Rundschau. Silber wird zunehmend in Zukunftstechnologien wie Elektromobilität und Medizintechnik eingesetzt. Auch KI-gesteuerte Hochleistungsbatterien und Kühlungssysteme für Hochleistungs-Computer benötigen das Edelmetall.
Im Oktober 2025 markierte Silber mit mehr als 50 US-Dollar beziehungsweise 45 Euro je Feinunze ein neues Allzeithoch. Das ist ein Zuwachs von rund 85 Prozent seit Jahresbeginn. Damit sind die Spekulationsspitzen von 1980 und das Hoch von 2011 übertroffen. Diese breite industrielle Verwendung macht Silber zu einem interessanten Investment.
Minengesellschaften – maximale Rendite durch Hebeleffekt
Der noch lukrativere Weg führt über eine weitere Ecke – die der Minengesellschaften. Goldminen-Aktien: Hohe Chancen, extreme Risiken. Bekannte Konzerne sind Newmont Mining, Barrick Mining oder Agnico-Eagle Mines. Wie auch die Stiftung Warentest berichtete, konnten in Spitzenjahren mit Goldminenaktien Gewinne von weit über 100 Prozent erzielt werden – deutlich mehr als mit einer direkten Anlage in das Edelmetall. Das Kalkül: Steigt der Goldpreis stark, explodieren die Gewinne der Unternehmen.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn ein Investment in Goldminen birgt erhebliche Risiken. Selbst große Unternehmen wie Barrick Mining verzeichneten innerhalb der letzten 20 Jahre maximale Verluste von bis zu 85 Prozent. Der Goldminenindex FR Global Gold fiel zwischen Dezember 2010 und September 2015 um 70 Prozent – deutlich mehr als der Goldpreis selbst.
Zudem funktioniert bei Goldminenaktien „Buy and Hold“ – das klassische Prinzip des verstorbenen Börsenexperten André Kostolany – nur sehr eingeschränkt. Zwar laufen die Kurse von Goldminenaktien meist in dieselbe Richtung wie der Goldpreis, aber verlassen kann man sich darauf nicht. Die sogenannte Korrelation über drei Jahre schwankte im Zeitverlauf deutlich zwischen 0,3 und 0,9 (ein Wert von 1 steht für perfekten Gleichlauf).
Goldminenkonzern als Anlage: Warum sich selbst Experten schwertun
Selbst erfahrene Investoren haben Schwierigkeiten, den wahren Wert eines Goldminenkonzerns einzuschätzen. Ein entscheidender Faktor ist die Unsicherheit über die Goldreserven: Solange das Edelmetall nicht abgebaut wurde, lässt sich weder die genaue Menge noch die Reinheit verlässlich bestimmen. Die Angaben zum Goldvorkommen beruhen auf Schätzungen, die stark variieren können. Hinzu kommen schwer kalkulierbare Energie- und Förderkosten, die die Rentabilität schnell zunichtemachen können. Nicht zu unterschätzen sind auch politische Risiken: Viele ertragreiche Minen befinden sich in politisch instabilen Regionen wie Westafrika. Enteignungen, Korruption oder Konflikte sind reale Gefahren. Zudem sind Goldminen erschöpfliche Ressourcen – die Produktion kann schneller zurückgehen als erwartet.
Für ethisch und ökologisch bewusste Anleger sind Goldminenaktien noch heikler als ein direktes Investment in Gold. Während man beim Edelmetall inzwischen auf Recycling-Gold oder Barren mit Nachhaltigkeitszertifikat ausweichen kann, ist die Goldförderung als solche oft undurchsichtig und problematisch. Minengräber leiden häufig unter harten Arbeitsbedingungen, und Umweltbelastungen durch Abbau und Verarbeitung sind kaum zu übersehen. Wer will oder kann schon zuverlässig einschätzen, welche Unternehmen tatsächlich verantwortungsvoll wirtschaften und welche die ökologischen Schäden in Kauf nehmen?
Diese Länder besitzen die wertvollsten Rohstoffe der Erde
Geld schlau investiert: Diversifikation bleibt das A und O für 2026
Für 2026 gibt es keine einfachen Antworten. Weder Gold noch Silber bieten Garantien. Minenaktien bieten Hebelpotenzial, aber auch extreme Verlustrisiken. Finanzexperten empfehlen Edelmetalle als Beimischung von maximal fünf bis zehn Prozent des Portfolios. Für Investoren, die breit diversifiziert in einen Weltaktienindex investieren, spielt ein direktes Edelmetall-Investment ohnehin eine untergeordnete Rolle – denn in großen weltweiten Indizes sind bereits Minenunternehmen enthalten.
Obwohl Edelmetalle zur Risikostreuung beitragen können, weisen sie langfristig deutliche Renditenachteile gegenüber Aktienindizes auf. Eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen – inklusive Tagesgeld, Anleihen und ETFs – bleibt entscheidend für langfristigen Erfolg. Wer sein Portfolio diversifizieren möchte, sollte sich der Risiken bewusst sein und nicht auf kurzfristige Hypes reagieren. (ls)
Disclaimer: Die bereitgestellten Informationen stellen keine Anlageberatung, keine sonstige Empfehlung und kein Angebot zum Kauf von Wertpapieren oder zur Vornahme bestimmter Investitionen dar.