Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Trump stoppt riesige Windpark-Projekte – Der Kampf gegen Erneuerbare geht weiter
Jetzt könnte es teuer werden. Die US-Regierung stoppt den Bau von fünf Windparks. Im Zuge steigenden Strombedarfs könnte das ein fataler Fehler sein.
Washington, DC – Es ist kein Geheimnis, dass US-Präsident Donald Trump kein Fan von Erneuerbaren Energien ist. Sein Wahlkampf war geprägt vom Rückschritt hin zu fossilen Energieträgern, was er mit seinem berühmten Ausruf „Drill, Baby, Drill“ mehr als deutlich gemacht hat. Während der Republikaner mehr auf die Förderung von Öl und Co. setzen will, werden Wind- und Solar immer öfter Ziel politischer Angriffe.
Der Guardian berichtete im Mai dieses Jahres etwa, dass Trump in seinen ersten 100 Tagen im Amt bereits mehr Angriffe gegen den Klima- und Umweltschutz unternommen habe, als in seiner gesamten ersten Amtszeit. Etwa sind die USA aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten, oder haben die Förderung neuer Ölvorkommen beschlossen. Wie nun bekannt wurde, plant die Trump-Regierung den nächsten Schlag gegen den Klimaschutz – und zwar mit einer skurrilen Erklärung.
Wegen „nationaler Sicherheit“ – Trump stoppt riesiges Windkraft-Projekt
Konkret geht es um alle größeren Offshore-Windkraftprojekt vor der Küste der USA. Das US-Innenministerium erklärte in einer Mitteilung am Donnerstag (22. Dezember), dass dieser Schritt aufgrund angeblicher „nationaler Sicherheitsrisiken“ erfolgt. Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten habe diese in einem kürzlich fertiggestellten Bericht identifiziert. „Diese Aussetzung gibt dem Ministerium gemeinsam mit dem US-Kriegsministerium (Verteidigungsministerium, Anm. d. R.) und anderen relevanten Regierungsbehörden Zeit, mit den Pächtern und den Partnern auf Landesebene zusammenzuarbeiten, um die Möglichkeiten zur Minderung der von diesen Projekten ausgehenden nationalen Sicherheitsrisiken zu prüfen“, heißt es weiter.
Innenminister Doug Burgum erklärte, dass die „vorrangige Pflicht“ der Regierung der Schutz der eigenen Bevölkerung sei. Entsprechend reagiere man mit dem Baustopp der Windkraftanlagen auf „neue nationale Sicherheitsrisiken, darunter die rasante Entwicklung der relevanten Technologien der Gegner und die Schwachstellen, die durch großflächige Offshore-Windparks in der Nähe unserer Ballungszentren an der Ostküste entstehen“, so Burgum weiter.
Radarstörungen als Grund für Windpark-Aus? Unternehmen widerspricht deutlich
Die Gefahr der Windanlagen entstehe dadurch, dass die großen Rotoren und reflektierenden Türme Störungen in Radarsystemen hervorrufen würden. So würden „legitime Ziele“ verdeckt und „falsche Ziele“ in der Nähe der Windparks angezeigt. Überprüfen lässt sich diese Behauptung nicht. Doch ein betroffenes Unternehmen hält bereits gegen die Behauptungen der US-Regierung.
Das für das Coastal Virginia Offshore Wind Project (CVOW) verantwortliche Unternehmen Dominion Energy veröffentlichte kurz nach Bekanntgabe der Baustopps eine Erklärung. Darin widerspricht es der Darstellung, dass durch die Windparks eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA entstehen würde. Bei dem Bau der Anlagen sei man in enger Absprache mit dem US-Verteidigungsministerium. Zudem liege der Windpark 27 bis 44 Seemeilen (etwa 50 bis 81,5 Kilometer) vor der Küste der Vereinigten Staaten – „so weit draußen, dass keine Bedenken hinsichtlich der optischen Beeinträchtigung bestehen. Die beiden Pilotturbinen des Projekts sind seit fünf Jahren in Betrieb, ohne die nationale Sicherheit zu gefährden.“
Fünf Windkraft-Projekte stehen vor dem Aus – Trump geht gegen Erneuerbare vor
Insgesamt betrifft der Stopp laut dem Ministerium fünf aktuelle Pachtverträge. Die umfassen die Windparks Vinyard Wind 1, Revolution Wind, CVOW, Sunrise Wind und Empire Wind 1. Für die Unternehmen dürfte der Schritt jedoch nicht sonderlich überraschend sein. Denn bereits im November hatte der Präsident den Bau eines solchen Projekts gestoppt.
Und auch die Begründung für den Stopp ist sicherlich nicht die skurrilste, die Trump je über Windkraft hatte verlauten lassen. Im Jahr 2019 lies sich der Präsident dazu hinreißen, zu erklären, dass durch den Lärm, den die Anlagen verursachen, die Krankheit Krebs im menschlichen Körper ausbrechen könnte. Und auch wenn es für solche Behauptungen nicht zwingend eine Gegendarstellung braucht, zitierte die New York Times damals die „American Cancer Society“. Dieser seien „keine glaubwürdigen Beweise bekannt, die einen Zusammenhang zwischen Windkraftanlagenlärm und Krebs belegen“.
Gefahr für Strommarkt der USA – Windkraft-Aus droht zum Desaster zu werden
Worin allerdings eine reale Gefahr bestehend könnte, ist, dass durch den Stopp der Windkraftanlagen nicht mehr genug Strom erzeugt werden könnte, um den immer größer werdenden Bedarf in den USA zu decken. Dominion Energy führt dabei etwa den massiven Ausbau von KI-Rechenzentren auf, der den Energiebedarf stark ankurbelt. „Ein längerer Stopp von CVOW gefährdet die Netzstabilität für einige der wichtigsten militärischen, KI- und zivilen Infrastrukturen des Landes“, schrieb das Unternehmen.
Zudem könnten die Preise für Verbraucher empfindlich ansteigen. Politico zitierte in diesem Zusammenhang den Stromanalysten Tim Ennis von GridStatus, deren Webseite die großen Strommärkte verfolgt: „Das kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bezahlbarkeit im Mittelpunkt steht. Meiner Meinung nach widerspricht das dem.“
Und auch aus dem republikanischen Trump-Lager werden Bedenken laut. So sagte die Abgeordnete Jen Kiggans in einer Erklärung am Montag: „Ich habe monatelang mit dem Innenministerium und Gouverneur Youngkin zusammengearbeitet, um Virginias Offshore-Windparkprojekt vor der Küste zu sichern, und bin von dieser Nachricht zutiefst enttäuscht. Diese neue Richtlinie wird sich negativ auf Hampton Roads, Tausende von Arbeitnehmern und die dort erzeugbare Energiemenge auswirken. Sie wird außerdem die Einsatzbereitschaft des Militärs beeinträchtigen.“ (Quellen: Guardian, US-Innenministerium, Dominion Energy, New York Times, Politico) (nhi)