Mehrere Fälle in Deutschland

Affenpocken: Wie tödlich und gefährlich eine Ansteckung ist – Virologin Ciesek klärt auf

Ungewöhnliche Häufungen von Affenpocken besorgen Experten derzeit. Sie rechnen in Deutschland wegen der Ansteckungen aber nicht mit einer Pandemie.

Berlin – Viele Nationen sind derzeit in Aufruhr: In mehreren Ländern wurden in den vergangenen Tagen Fälle von Affenpocken gemeldet. Die Monkeypox, wie sie im Englischen heißen, rufen dabei eine auffällige Hautveränderung hervor, die von weiteren Symptomen begleitet wird. Inzwischen wurden auch in Deutschland die ersten Fälle bestätigt – zwei in Berlin und ein Fall in München. Wissenschaftler und Experten sind alarmiert und rechnen in nächster Zeit mit weiteren Affenpocken-Nachweisen. Doch wie gefährlich oder gar tödlich ist das Virus? Alle wichtigen Infos zu den Affenpocken im Überblick.

Affenpocken in Deutschland: Wie gefährlich oder tödlich eine Übertragung oder Infektion mit der Krankheit ist

Nach Corona ist vor den Affenpocken. So zumindest scheint es, wenn man die Nachrichten der vergangenen Tage verfolgt. Möglicherweise reagieren die Menschen inzwischen sensibler auf die Ausbreitung von Krankheiten und fühlen sich an die ersten Wochen des Jahres 2020 erinnert, als das Coronavirus um sich griff. Auch wenn Experten derzeit keine Pandemie mit Affenpocken erwarten, wird zur Vorsicht geraten. Der erste Fall der Affenpocken in Deutschland wurde in München bestätigt.

Mehrere Affenpocken-Fälle in Deutschland nachgewiesen. (Symbolfoto)

Wie gefährlich die Affenpocken für den Menschen werden können, ist indes überschaubar. Die Virusvariante, die sich derzeit in Europa ausbreitet, verursacht laut britischer Behörden meistens nur milde Symptome. Allerdings seien auch schwere Verläufe möglich. Dennoch ist die Weltgesundheitsorganisation derzeit alarmiert: Um die Ausbreitung zu stoppen, sei es „dringend notwendig“, das Bewusstsein für die Virenerkrankung zu erhöhen, hieß es Samstagnacht von der WHO in Genf. Es gebe allerdings für die Allgemeinheit derzeit keinen Grund zur Besorgnis.

Virologin Sandra Ciesek über Affenpocken: Virus durchaus gefährlich für Menschen

Virologin Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, erklärte in Bezug zu den Affenpocken, dass von dem zoonotischen Virus durchaus eine Gefahr für Menschen ausgehen könnte. Ciesek weist darauf hin, dass nicht nur die durch Pocken betroffenen Hautstellen das Risiko von Entzündungen und Bakterieninfektionen mit sich bringen. Im Falle einer Augeninfektion sei sogar ein Verlust des Sehvermögens zu befürchten.

Affenpocken Ansteckung: So gefährlich ist eine Infektion mit dem Virus

Affenpocken, wie sie jetzt in Deutschland auftreten, sind keine neue Krankheit. Vielmehr sind sie eine typische Hautkrankheit, die immer wieder in afrikanischen Ländern auftritt. Grundsätzlich entscheidet sich, wie gefährlich eine Ansteckung mit Affenpocken für den Mensch ist, bei dem Typ des Virus. Bisher sind zwei Untertypen bekannt: der westafrikanische Typ und der Typ aus dem Kongobecken. Die Infektionen, die auf die Affenpocken-Fälle in Großbritannien zurückgehen, gehören wohl nach bisherigen Informationen zum westafrikanischen Typ.

Wie die WHO informiert, seien die jetzigen Ansteckungen atypisch, weil die meisten Betroffenen zuvor nicht in afrikanische Länder gereist waren. Dass die Fälle über Europa verteilt festgestellt werden, lege nahe, dass das Virus schon eine Weile weitergegeben werde, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Die westafrikanische Variante der Affenpocken weist eine Sterblichkeitsrate von etwa einem Prozent auf. Die Kongobecken-Variante bringt es auf eine deutlich höhere Mortalitätsrate von etwa zehn Prozent. Wie die Tagesschau schreibt, sei eine Ansteckung mit den Affenpocken dennoch eine ernstzunehmende Erkrankung, auch wenn sie in der Regel von allein wieder abklingt.

Nach Ansteckung mit Affenpocken: So tödlich ist das Virus für Menschen

Der Virologe Gerd Sutter von der Ludwig-Maximilians-Universität München befürchtet laut Zeit Online keine Pandemie der Affenpocken. „Da wir kaum mehr Immunität gegen die klassischen, seit über 40 Jahren in der Natur ausgerotteten Pockenviren haben, breiten sich aber auch die Affenpocken immer mal aus, aber lediglich punktuell“, sagte der Experte. Dennoch kann eine Ansteckung mit Affenpocken tödlich verlaufen. Besonders gefährdet sind Kinder, ihre Sterblichkeitsrate liegt deutlich höher als in anderen Gruppen.

Während er mit einem deutlichen Anstieg der Infektionen mit Affenpocken rechnet, macht Clemens Wendtner, Chefarzt der infektiologischen Klinik des Schwabinger Krankenhauses, aber auch deutlich, dass die Sterblichkeitsraten aus Afrika, die zeigen, wie tödlich die Affenpocken für Menschen sind, nicht repräsentativ sind. „Man muss aber bedenken, dass diese Daten aus Afrika nicht zwingend übertragbar auf das Gesundheitswesen in Europa oder den USA sind, bei uns wäre die Sterblichkeit eher niedriger anzusetzen“, erklärt der Experte laut dpa. „Das ist eine Erkrankung, die meines Erachtens nicht das Potenzial hat, die Bevölkerung massiv zu gefährden.“

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Besondere Vorsicht sollten dennoch Gruppen walten lassen, die als gefährdet angesehen werden können. „Dazu gehören beispielsweise HIV-Patienten ohne ausreichende medikamentöse Krankheitskontrolle, aber zum Beispiel auch Tumorpatienten mit schwerer Immunsuppression etwa nach Stammzelltherapie.“ Es werde diskutiert, ob man diese Risikogruppen mit einer Impfung schütze. 

Ansteckung und Übertragung mit Affenpocken: Diese Symptome bekommen Infizierte

Seit einigen Tagen gehen die Affenpocken, auch Monkeypox genannt, auch in Deutschland um, doch nicht nur da: Mit Stand Samstag, dem 21. Mai, berichtet die WHO von etwa 90 bestätigten Infektionen und 30 Verdachtsfällen in Ländern, in denen das in West- und Zentralafrika heimische Virus normalerweise nicht auftritt. Die Symptome der Affenpocken sind dabei in der Regel auffällig: Bis zu zwei Wochen nach der Ansteckung mit dem Virus beginnt bei Infizierten Fieber und es kommt zu geschwollenen Lymphknoten. Weitere Symptome sind Kopf-, Rücken- und Muskelschmerzen und eine allgemeine Erschöpfung.

Während eine Ansteckung mit Affenpocken auch so milde sein kann, dass sie unbemerkt bleibt, gibt es auch schwerere Verläufe. Die Hautveränderungen, die zu den typischen Symptomen der Affenpocken gehören, befallen als blasenartige Pocken zunächst das Gesicht und breiten sich von dort über den ganzen Körper aus.

Was hilft bei Affenpocken: Impfung und Medikamente gegen Hautkrankheit

Auch wenn die Affenpocken häufig nicht tödlich für Menschen verlaufen, arbeitet die Weltgesundheitsorganisation derzeit an einer Impfempfehlung. In der EU ist seit 2013 der Impfstoff Imvanex zugelassen, der gegen die Affenpocken hilft. Neben der Impfung gibt es auch schon länger ein Medikament, das erfolgreich als Therapie bei der Viruserkrankung eingesetzt werden kann und in der EU zugelassen ist. Ein Problem gibt es aber: Das Medikament Tecovirimat gilt zwar als Gegenmittel bei Affenpocken, ist aber nicht flächendeckend verfügbar.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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