Evakuierung im vollen Gange
Hochwasser-Drama im Serengeti-Park: Notfallplan für Tiere greift – „das ist ein großes Risiko“
Die Hochwasser-Katastrophe in Deutschland spitzt sich weiter zu. Im Serengeti-Tierpark müssen zahlreiche Tiere gerettet werden.
Update vom 29. Dezember, 12.10 Uhr: Die Hochwasser-Lage in vielen Teilen Deutschlands bleibt angespannt. Auch die Mitarbeiter des Serengeti-Tierparks können noch nicht aufatmen. Mit einem Notfallplan bereitet sich der Serengeti-Park Hodenhagen auf weitere Evakuierungen von Tieren vor. Manche Tiere müssen für die Evakuierung extra in Narkose gelegt werden. Bereits am Donnerstag hatten Tierpfleger erste Tiere aus ihren Gehegen gerettet.
Sorgen bereite vor allem das von Wasser umschlossene Haus der Antilopen und Giraffen, sagte eine Sprecherin des Tierparks nördlich von Hannover am Freitag. „Diese Tiere müssten für eine Evakuierung narkotisiert werden, das ist ein großes Risiko.“ Für den Notfall werde auch überlegt, wie die Tiere unter Narkose überhaupt durch die Wassermassen transportiert werden könnten. Mit Lastwagen und Pritschen seien die Wege dorthin nicht mehr befahrbar.
Das Haus der Antilopen und Giraffen werde derzeit mit Sandsäcken geschützt, berichtete die Sprecherin. Außerdem hätten Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) in der Nacht dort eine weitere Wasserpumpe eingerichtet. So sei das Wasser um die Stallung zuletzt um drei Zentimeter gesunken, auch im Haus selbst befinde sich weniger Wasser. Mitarbeiter des Tierparks hatten zuletzt Stroh am Boden verteilt, um das eindringende Wasser abzufangen.
Erste Tiere bereits am Donnerstag gerettet - Tierpfleger holen Affen aus ihrem Gehege
Noch am Donnerstag hatten Tierpfleger und das THW drei Husarenaffen aus ihrem Gehege gerettet. Sie konnten das Haus nur zu Fuß erreichen. „Das Wasser stand hüfthoch“, sagte die Sprecherin des Tierparks. Sie fingen die Tiere ein und trugen sie einzeln in großen Kunststoffboxen durch das Wasser. Zuvor wurden bereits Lemuren, Varis, Präriehunde und Erdmännchen evakuiert und in andere Stallungen auf dem Gelände gebracht.
Ursprungsmeldung vom 28. Dezember: Hodenhagen/Heidekreis – Erst vor wenigen Tagen durften sich die Tiere aus dem Serengeti Park in Niedersachsen noch über Weihnachtsgeschenke freuen. Nun sind auch sie von der Hochwasser-Katastrophe in vielen Teilen Deutschlands bedroht. Seit Mittwoch (27. Dezember) staut sich das Wasser in dem Tier- und Freizeitpark, in der Nacht zum Donnerstag stiegen die Pegel drastisch an. Etliche Tiere mussten in Sicherheit gebracht werden. Doch für einige sei die Lage noch immer höchst kritisch.
„Notlage, wie wir sie noch nie erlebt haben“ – Serengeti-Park kämpft gegen die Wassermassen
Rund 1500 Tiere beherbergt der Serengeti Park, der momentan in der Winterpause ist. 120 mussten vor den Wassermassen evakuiert werden. Bilder in den sozialen Medien zeigen die missliche Lage: Große Teile des Parks sind bereits überflutet, viele Gebäude gar nicht mehr oder nur noch mit Spezialfahrzeugen erreichbar. Mittlerweile stehe das Wasser stellenweise über einen Meter hoch.
„Es ist eine Notlage, wie wir sie in den fast 50 Jahren unseres Bestehens noch nie erlebt haben“, heißt es in einer offiziellen Meldung des Serengeti Parks auf deren Facebook-Seite. Nach Betreiber-Informationen konnten alle Tiere der betroffenen Bereiche gesichert werden. Betroffen sei primär das rund 15 Hektar große Inselareal der „Dschungel-Safari“, in dem über 200 Affen beherbergt werden und dem Park internen Übernachtungsbereich „Masai-Mara“.
#atmosphericriver #Floodings #Flood #Germany - Zoo Hodenhagen / Serengeti Park evacuation update
— ℹ️MiBaWi🇩🇪🇺🇸🇳🇱🇨🇦🇨🇱🇪🇸🇦🇺🇮🇩🇺🇦🇬🇷🚨 (@Michael45231497) December 28, 2023
Water had leaked into stables at the jungle safari.
Due to the #flooding, the first 200 #animals (Lemurs, prairie dogs and meerkats) in the Park in #Hodenhagen were evacuated. pic.twitter.com/1FTFeLBpPE
Unter den evakuierten Tieren seien laut Park-Informationen Husaren, Präriehunde, Erdmännchen, Agutis (Nagetiere) sowie die Primatenarten Kattas, und Varis. Auch einige Affen und Antilopen seien schon in trockenen Stallungen. Laut Informationen der Bild hatten die Antilopen bereits im 20 Zentimeter hohen Wasser gestanden. „Das konnten wir nicht länger verantworten“, sagt Park-Chef Fabrizio Sepe (53). Sie mussten bei der Evakuierung betäubt werden.
Drama im Serengeti-Park: Giraffen und Antilopen wohl von Hochwasser eingeschlossen
Bedrohlich sei die Lage laut Informationen der Bild allerdings noch immer für weitere Antilopen sowie Giraffen. Der gemeinsame Stall sei demnach vom Wasser eingeschlossen. Derzeit hoffe man auf Besserung, da sich deren Evakuierung sowie die von weiteren größeren Tieren schwieriger gestalte. Dafür müssten sie in Narkose versetzt werden, was für einige Tiere lebensgefährlich wäre.
Nicht nur der hohe Wasserstand und die Fluten sind für die Parkbewohner gefährlich – auch der fehlende Strom wird zunehmend zu einem Problem für die Tiere. Seit 46 Stunden ist im gesamten Park der Strom ausgefallen; und somit auch die Heizung. Vor allem für exotischen Tiere, die ein wärmeres Klima benötigen, kann das fatal sein. „Die Affen haben drei Tage ohne Heizung überlebt“, sagte Sepe gegenüber Bild. „Zum Glück waren es milde Temperaturen.“
Hochwasser-Lage in Deutschland spitzt sich weiter zu – die Lage vor Ort in Bildern




Die Versorgung der Tiere gestaltet sich zudem als schwierig. Die Zufahrtsstraße zum Park sei nach Betreiber-Informationen nicht mehr passierbar. Über Waldwege müssten mit speziellen Fahrzeugen, wie Unimogs weiter Sandsäcke und Tierfutter auf das Gelände gebracht werden. Dabei sowie beim Einsatz im Park unterstützt das Technische Hilfswerk (THW) den Betreiber des Parks.
Unweit des Serengeti Parks befindet sich die Meiße, deren Ufer wie bei etlichen anderen Flüssen in Deutschland durch den anhaltenden Regen übergetreten sind. In Bayern wurden teilweise ganze Ortschaften durch die Fluten von der Außenwelt abgeschnitten. (rku)
Rubriklistenbild: © Screenshot/Facebook/Serengeti-Park Hodenhagen
