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„Unerlässlich“: Bildungsexpertin nennt größtes Risiko für die Zukunft von Kindern
Wer heute ohne Smartphone aufwächst, wird ausgeschlossen, zeigt eine neue Studie. Das kann gravierende Folgen haben, weshalb das Bürgergeld nachgeschärft werden muss.
Mit Freunden etwas zu unternehmen steht für Kinder und Jugendliche an oberster Stelle und ohne Handy fühlen sie sich ausgeschlossen. Das zeigt eine neue Studie, für die die Bertelsmann Stiftung erstmals junge Menschen zwischen zehn und 15 Jahren befragt hat, welche materiellen Dinge sie brauchen. Mehr als die Hälfte der befragten Kinder und Jugendlichen (54 Prozent) gibt an, nicht auf Handy und mobiles Internet verzichten zu können.
„Es wird immer wieder klar, wie hoch die Bedeutung von mobilen Daten und einem funktionierenden Handy ist. Ohne fühlen sich viele Jugendliche schlichtweg ausgeschlossen“, sagt Antje Funcke von der Bertelsmann Stiftung BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Dieses Bedürfnis nach sozialer und digitaler Teilhabe wird jedoch in staatlichen Leistungen bislang nicht berücksichtigt. „Das schränkt die Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen aus Bürgergeld-Haushalten enorm ein“, sagt die Expertin für Familie und Bildung bei der Stiftung.
Kinder aus Bürgergeld-Familien: Offenbar kein Geld für Handy und Internet
Im Bildungspaket stehen für Kindern im Bürgergeld-Bezug 195 Euro im Jahr für persönlichen Schulbedarf. Für die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft können Eltern pauschal 15 Euro beantragen – dafür braucht es jedoch den Nachweis einer solchen Mitgliedschaft. „Die Beträge sind häufig zu gering. Es fehlen oft die Mittel für Ausrüstung oder Materialien, die für Hobbys notwendig sind“, sagt Funcke. Auch für Smartphone und Mobile Daten ist offenbar kein Geld vorgesehen.
„Unsere Studien zeigen, dass die Regelbedarfsberechnung nach der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) für Haushalte mit Kindern und Jugendlichen hinkt“, sagt die Expertin. Und das sind immerhin etwa 960.000 von 2,9 Millionen Bedarfsgemeinschaften, teilt die Bundesagentur für Arbeit (BA) BuzzFeed News Deutschland auf Nachfrage mit.Auf die Frage, wie viel Geld für Smartphones von Jugendlichen im Bürgergeld-Bezug vorgesehen ist, werden wir an das Bundesarbeitsministerium (BMAS) verwiesen.
Dort teilt man uns mit, zum Inhalt der Bertelsmann-Studie vorab nicht detailliert Stellung nehmen zu wollen. „Unabhängig davon ist aber anzumerken: Das BMAS steht für einen modernen Sozialstaat, der an der Seite der Bürgerinnen und Bürger steht und sie verlässlich absichert. Dies gilt insbesondere für das verfassungsrechtlich gebotene menschenwürdige Existenzminimum“, sagt eine Sprecherin.
Ich habe versucht, ohne Smartphone zu leben und fast gegen das Gesetz verstoßen
„Kinderarmut ist einer der größten Risikofaktoren für ein gutes Aufwachsen“
Für Funcke gehört ein Handy zu diesem Existenzminimum: „Ein Smartphone ist heutzutage unerlässlich. Ohne Handy können Jugendliche ihren Alltag kaum organisieren – sei es, um Kontakte zu pflegen, Termine zu koordinieren oder um sich Hilfe zu holen. Es ist letztendlich für Jugendliche wie Erwachsene ein wichtiges Werkzeug geworden“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland. Sie stimmt zu, dass Smartphones auch negative Auswirkungen haben können. „Wir sehen in der Forschung, dass Jugendliche dieses Dilemma selbst kennen und reflektieren“, sagt Funcke. Dieser „differenzierte Blick“ zeige, wie wichtig den Jugendlichen dieses Thema sei.
„Kinderarmut ist einer der größten Risikofaktoren für ein gutes Aufwachsen“, sagt sie. Doch Armut betreffe „nicht nur Grundlegendes wie Wohnkosten oder Ernährung“. Auch materielle Dinge seien für Teilhabe von Jugendlichen „essenziell“ – und damit auch für ihre Zukunft. Eine Studie des IAB zeigt, dass etwa jedes vierte bis fünfte armutsgefährdete Kind aus finanziellen Gründen auf einen Computer mit Internetanschluss verzichten muss. „Wir denken zu wenig darüber nach, was Kinder und Jugendliche aus diesen Familien wirklich elementar brauchen, um vollständig teilhaben zu können.“