Virologe ändert Kurs
Drosten korrigiert Corona-Prognosen: „Schlimmstenfalls noch mehrere Winter“
Christian Drosten korrigiert seine Corona-Prognosen. Statt einem Ende der Pandemie 2022 erwartet er nun, dass das Virus noch lange Thema sein wird.
Berlin – Anfang des Jahres hatte Virologe Christian Drosten davon geredet, dass die Corona-Pandemie noch 2022 endgültig vorbei sein könnte. Ein paar Monate später kommt Drosten nun mit der Kehrtwende: „Ich würde mich tatsächlich gerne korrigieren“, erklärte der 50-Jährige in einem Interview gegenüber dem „Spiegel“.
| Virologe | Christian Drosten |
| Geboren | 12. Juni 1972 |
| Geburtsort | Lingen (Ems) |
| Ausbildung | Goethe-Universität Frankfurt am Main (1994–2000) |
Drosten ändert Corona-Prognosen: „Würde mich gerne korrigieren“
Im Januar hatte Drosten, der zuletzt zwei Campingurlauber angezeigt hatte, noch auf einer Pressekonferenz erklärt: „Den endemischen Zustand werden wir bis Ende des Jahres erreicht haben, wir sind praktisch da“. Im Sommer sehen die Prognosen weniger hoffnungsvoll aus: „Ich glaube nicht mehr, dass wir Ende des Jahres den Eindruck haben werden, die Pandemie sei vorbei.“ Auch die Maskenpflicht in Deutschland war zuletzt wieder verstärkt Thema.
Doch er sei sich weiterhin sicher, dass das Virus durch Infektionen und Impfungen zunehmend an Bedeutung verlieren wird. Dann wäre der sogenannte endemische Zustand erreicht: Das allerdings „könnte schlimmstenfalls noch einige Winter dauern“, so Drosten. „Ansonsten ist es natürlich so, dass der endemische Zustand nicht einfach plötzlich da ist, und wir so etwas wie einen Welt-Endemietag feiern können“, so der Virologe.
Drosten ändert Meinung zu Corona-Impfungen
„Der endemische Zustand, das ist eine Definitionsfrage. Er ist erreicht, wenn immer weniger Menschen die Pandemie im Alltag spüren.“ Jedoch sei auch in Sachen Impfungen mittlerweile ein neuer Kenntnisstand erreicht. Im Januar erklärte Drosten noch: „Große Teile der Bevölkerung werden wahrscheinlich im zweiten Quartal mit einer Update Omikron-Impfung immunisiert werden“.
Zwar würde er auch heute noch eine Impfung für bestimmte Risikogruppen für sinnvoll halten. Die Impfung sei insbesondere für Personen ab 70 Jahren vorgesehen: „Aber auch mit 50 und älter kann man einen schweren Verlauf haben“. Demnach würde die Impfung zwar auch vierfach Geimpfte schützen, jedoch glaubt er nun: „Die Wirkung wird besser werden, je größer der Abstand zur vorherigen Impfung ist“.
Drosten hofft auf „schleimhautspezifischen Schutz“ durch Corona-Infektionen
Als die Alpha-Variante kam, war das für mich sehr überraschend, beim Auftauchen von Delta war ich erst einmal skeptisch, bei Omikron musste man sich dann wieder neu orientieren, und seit Januar gibt es schon wieder neue Omikron-Sublinien.“ Deshalb erklärte Drosten, der sich mittlerweile wieder wegen steigender Coronazahlen sorgt, noch im Januar, dass sich im früher oder später jeder mit dem Virus infizieren müsse. Denn eine Infektion würde dafür sagen, dass sich die Schleimhautimmuität ausweite, sodass eine stärker Schutz vor einer weiteren Infektion gegeben sei.
Doch auch dort ändert Drosten seinen Kurs. Deshalb sollte man weiterhin unbedingt auf eine absichtliche Infektion verzichten. „Wir sehen tatsächlich schon wieder einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen, die BA.5-Variante ist einfach sehr übertragbar“, erklärt Drosten. Auch in Deutschland würden die Todeszahlen wieder ansteigen. Trotzdem weicht er von seiner ursprünglichen Prognose nicht ganz ab: „Leider ist eine Infektion langfristig aber unausweichlich und nach und nach bildet sich tatsächlich ein schleimhautspezifischer Schutz, von dem ich annehme, dass er die Bevölkerungsimmunität insgesamt belastbarer macht.“
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