„Unser ganzes Glück“

Massive Kritik an Spahn: Kosten für eine Leihmutterschaft – und die rechtliche Lage in Deutschland

Jens Spahn und Ehemann Daniel Funke verkündeten in dieser Woche ihren Familienzuwachs. Die Leihmutterschaft sorgt dabei jedoch für große Kritik.

Unionsfraktionschef Jens Spahn und Daniel Funke sind Eltern geworden. Auf Instagram postete der Ehemann des CDU-Politikers ein Bild der beiden mit einem Kinderwagen und der Unterschrift: „We are Family“.

CDU-Politiker Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke freuen sich über Nachwuchs. (Archivbild)

Neben zahlreichen Glückwünschen wurde in den vergangenen Tagen allerdings auch massive Kritik laut. Denn: Spahn und sein Mann nahmen für ihr Baby-Glück die Hilfe einer Leihmutter in den USA in Anspruch. In Deutschland ist das verboten.

Spahn nach Baby-Glück massiv in der Kritik: Vorwurf der „Doppelmoral“

Erst im Februar hielt Spahns CDU in einem Parteitagsbeschluss fest: „Angesichts ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken gegenüber Leihmutterschaft bekräftigt die CDU Deutschlands ihre Forderung, Leihmutterschaft – auch in altruistischen Modellen – in Deutschland weiterhin zu verbieten, um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern.“ Kritiker werfen Spahn nach dem Bekanntwerden seiner Vaterschaft nun „Doppelmoral“ vor.

Selbst aus der Union schlägt dem Fraktionschef nach der Leihmutterschaft heftige Kritik entgegen – eine Parteikollegin forderte Spahn sogar zum Rücktritt auf. Die Linie der CDU soll sich auch künftig nicht ändern, teilte eine Sprecherin der dpa auf Anfrage mit: „Die CDU Deutschlands hat einen klaren Parteitagsbeschluss. Die geltende Rechtslage in Deutschland soll aus Sicht der Partei bleiben, wie sie ist.“

Leihmutterschaft: Rechtslage in Deutschland ist eindeutig

Die Rechtslage in Deutschland ist eindeutig: Eine Leihmutterschaft ist verboten, genauso wie die Vermittlung. Verträge über eine Leihmutterschaft gelten hierzulande zivilrechtlich als sittenwidrig und sind damit wirkungslos. Die rechtliche Mutter ist immer die Frau, die das Kind geboren hat.

„Wunscheltern“, die ihr Kind von einer Leihmutter im Ausland austragen lassen, machen sich allerdings nicht strafbar. Die größte Hürde ist dann, dass dieses Baby nach Deutschland einreisen darf. Dafür müssen deutsche Behörden die Rechtslage, vor allem die Abstammung und Staatsangehörigkeit, prüfen und ihre Zustimmung geben. Wie das Justizministerium mitteilt, ist die Anerkennung einer Entscheidung über die rechtliche Elternschaft nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs im Einzelfall möglich, wenn zumindest einer der Elternteile mit dem Kind genetisch verwandt ist.

Kosten für eine Leihmutterschaft: Ausgaben im sechsstelligen Bereich

In den USA ist eine Leihmutterschaft hingegen legal. Die rechtlichen Einzelheiten dazu legt jeder US-Bundesstaat selbst fest. Es gibt ethische Leitlinien für Leihmütter. Sie zu bezahlen, ist in den USA erlaubt. Die Kosten für eine Leihmutterschaft liegen dabei oft im sechsstelligen Bereich. Im Internet werben unter anderem Agenturen aus den USA mit der Vermittlung von Leihmüttern und versprechen ein „perfektes Match“, sowie Beratung bei medizinischen, rechtlichen und vertragsrechtlichen Fragen.

„Sobald die rechtlichen Verträge abgeschlossen sind, wird der Embryotransfer geplant“, heißt es beispielsweise auf der Homepage eines Anbieters. Die Kosten für den gesamten Prozess werden dort mit 140.000 bis 160.000 US-Dollar (etwa 122.000 bis 140.000 Euro) angegeben. Nach einer wissenschaftlichen Studie in einem brasilianischen Fachjournal aus dem Jahr 2022 entstanden Wunscheltern in den USA damals für den gesamten Prozess inklusive Rechts- und Medizinkosten sogar Ausgaben bis zu 200.000 US-Dollar.

Nicht nur Klöckner und Pilawa: Hätten Sie diese Politik-Promi-Paare auf dem Zettel gehabt?

Heiko Maas, Julia Klöckner und Christian Lindner.
Große Liebesüberraschung um Julia Klöckner! Die Bundestagspräsidentin machte ihre Beziehung zu Jörg Pilawa öffentlich. Es ist nicht das erste Politik-Promi-Paar. Auch Ex-Minister wie Heiko Maas und Christian Lindner haben (oder hatten) berühmte Personen an ihrer Seite. Und auch in anderen Ländern gibt es zahlreiche Beispiele. © IMAGO / Political-Moments + IMAGO / Rolf Poss + IMAGO / Steinsiek.ch
Julia Klöckner und Jörg Pilawa sind ein Paar
Julia Klöckner und Jörg Pilawa: Die Bundestagspräsidentin und der TV-Moderator bestätigten ihre Beziehung im August 2025. Kennengelernt haben sie sich bei einem Fest im Heimatort der Politikerin. © dpa | Katharina Kausche + dpa | Tom Weller
Christian Lindner und Franca Lehfeldt
Christian Lindner und Franca Lehfeldt: Der ehemalige Finanzminister von der FDP und die Journalistin sind seit 2018 ein Paar. 2022 wurde auf Sylt geheiratet. Sie haben ein gemeinsames Kind. © Roberto Pfeil / dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg und Katherina Reiche
Karl-Theodor zu Guttenberg und Katherina Reiche: Der ehemalige Verteidigungsminister der CSU und die aktuelle Wirtschaftsministerin von der CDU im Kabinett Merz machten ihre Beziehung erst im April 2025 öffentlich. © Sebastian Gollnow/Kay Nietfeld/dpa
Heiko Maas und Natalia Wörner
Heiko Maas und Natalia Wörner: Der ehemalige SPD-Außenminister und die Schauspielerin zeigten ihre Liebe erstmals 2016 öffentlich. 2023 folgte die überraschende Trennung. © Felix Hörhager / dpa
Jens Spahn und Daniel Funke
Jens Spahn und Daniel Funke: Der CDU-Fraktionsvorsitzende und der Journalist und Lobbyist heirateten 2017. © Annette Riedl / dpa
Harald Glööckler und Marc-Eric Lehmann
Marc-Eric Lehmann und Harald Glööckler: Der CDU-Politiker und der extravagante Modedesigner hatten sich im Sommer 2023 regelmäßig verliebt gezeigt. Nach recht kurzer Zeit hieß es aber, man wolle vermehrt getrennte Wege gehen. © Jens Kalaene / dpa
Peter Ramsauer und Ehefrau Susanne
Peter Ramsauer und Ehefrau Susanne: Der Ex-Verkehrsminister von der CSU und seine Frau haben vier Kinder. Sie steht nicht in der Öffentlichkeit, dafür aber eines ihrer Familienmitglieder: Susanne Ramsauer ist die Cousine von Hollywood-Star Sandra Bullock. © Daniel Karmann / dpa
Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht
Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht: Das Politiker-Paar machte die Beziehung 2011 öffentlich, beide vertraten jahrelang die Partei Die Linke. Wagenknecht gründete schließlich im Januar 2024 ihre eigene Partei, das BSW. Lafontaine trat dieser auch bei.  © Jens Büttner / dpa
Donald Trump und Ehefrau Melania
Donald Trump und Ehefrau Melania: Beide waren schon vor Trumps politischer Karriere bekannt. Er als Immobilienunternehmer, sie als Model. Sie sind seit 2005 verheiratet © Andrew Leyden / dpa
Ronald Reagan und Ehefrau Nancy
Ronald Reagan und Ehefrau Nancy: Der ehemalige US-Präsident und die Schauspielerin heirateten 1952. Beide lernten sich beruflich kennen: Auch Ronald Reagan war vor seiner politischen Karriere als Schauspieler aktiv. © IMAGO/Douliery Olivier/ABACA
Nicolas Sarkozy und Carla Bruni
Nicolas Sarkozy und Carla Bruni: Der ehemalige Präsident Frankreichs und die Sängerin sind seit 2007 ein paar, heirateten 2008. Bruni stand ihrem Ehemann auch während seiner juristischen Skandale zur Seite. © Mario Cartelli / dpa
Arnold Schwarzenegger und Maria Shriver
Arnold Schwarzenegger und Maria Shriver: Der Schauspieler, Bodybuilder und Ex-Gouverneur von Kalifornien und die Journalistin heirateten 1986. Nach 25 Jahren ging die Ehe 2011 in die Brüche. Shriver gehört zum erweiterten Kennedy-Clan, ist eine Nichte des erschossenen US-Präsidenten John F. Kennedy. © Hector Amezcua / Pool / dpa
Gavin Newsom und Jennifer Siebel Newsom
Gavin Newsom und Jennifer Siebel Newsom: Der Gouverneur von Kalifornien und die Schauspielerin und Film-Produzentin heirateten 2008. Das Paar hat vier gemeinsame Kinder. © IMAGO/Paul Kitagaki Jr.
Sonny Bono und Cher
Sonny Bono und Cher: Die Musik-Superstars wurden zunächst beste Freunde, dann ein Liebespaar. Die Hochzeit folgte 1964, die Scheidung dann 1975. Cher blieb bei der Musik, ihr Ex-Mann bewegte sich in die Politik. Sonny Bono bewarb sich 1992 für die Republikaner um den US-Senat, scheiterte aber. 1994 ergatterte er einen Sitz im Repräsentantenhaus. © IMAGO/Earl Miller / Avalon
Boris Johnson und Ehefrau Carrie
Boris Johnson und Ehefrau Carrie. Der ehemalige Premierminister Großbritanniens und die bekannte politische Aktivistin, Naturschützerin und Beraterin heirateten 2021, während Johnsons Amtszeit als Premier. © Andrew Milligan / dpa
Rishi Sunak und Akshata Murty
Rishi Sunak und Akshata Murty: Der ehemalige Premierminister Großbritanniens und die indische Geschäftsfrau und Modedesignerin heirateten 2009. © Stefan Rousseau / dpa
Silvio Berlusconi und Veronica Lario
Silvio Berlusconi und Veronica Lario: Der ehemalige Ministerpräsident Italiens und die Schauspielerin heirateten 1990. 2009 reichte Lario die Scheidung ein.  © IMAGO/Alberto Terenghi / ipa-agency.ne
Wolodymyr Selenskyj und Olena Selenska
Wolodymyr Selenskyj und Olena Selenska: Der ukrainsiche Präsident und die bekannte Drehbuchautorin heirateten 2003. Selenskyj war zuvor bereits als Schauspieler und Komiker in seiner Heimat bekannt. © Justin Tang / dpa
Justin Trudeau und Katy Perry
Justin Trudeau und Katy Perry: Zugegeben, hierbei handelt es sich zunächst nur um ein Gerücht – aber eins, das heiß lief. Der ehemalige Premierminister Kanadas und die weltberühmte Sängerin wurden gemeinsam in einem Lokal in Motreal gesehen. Ob da was läuft? Bleibt abzuwarten. © Andy Kropa/Frank Gunn/dpa/Canadian Press/AP
Jacinda Ardern und Clarke Gayford
Jacinda Ardern und Clarke Gayford: Die ehemalige Premierministerin von Neuseeland und der TV- und Radio-Moderator lernten sich 2012 kennen. 2024 folgte die Hochzeit. © DAVID ROWLAND / IMAGO
Fürst Rainier III. von Monaco und Grace Kelly
Fürst Rainier III. von Monaco und Grace Kelly: Der Royal und die US-Schauspielerin lernten sich 1955 kennen. 1956 folgte die Hochzeit. Die Liebesgeschichte endete tragisch: Grace Kelly verstarb 1982 bei einem Autounfall. © IMAGO / piemags
Prinz Harry und Meghan Markle
Prinz Harry und Meghan Markle: Der Briten-Royal-Spross und die Schauspielerin machten ihre Beziehung 2016 öffentlich, heirateten 2018. Dann folgte der „Megxit“, seitdem herrscht angespannte Stimmung zwischen ihnen und der britischen Königsfamilie. Zugegeben: Wirklich politisch ist man als Mitglied des Königshauses in Großbritannien nicht mehr zwangsläufig. Die Königsfamilie gilt als politisch neutral, übt eher „symbolische“ Macht aus. © Yaroslav Sabitov / dpa
Fürst Albert II. und Fürstin Charlene von Monaco
Fürst Albert II. und Fürstin Charlene von Monaco: Das Staatsoberhaupt von Monaco und die ehemalige südafrikanische Olympia-Schwimmerin sind seit 2011 verheiratet. © Christophe Petit-Tesson / dpa
John F. Kennedy und Marilyn Monroe
John F. Kennedy und Marilyn Monroe: Immer wieder gab es Gerüchte über ein angebliches Verhältnis der Schauspiel-Diva mit dem damaligen US-Präsidenten und dessen Bruder Robert. Bestätigt wurde etwaiges aber nie. © IMAGO / ZUMA Press Wire + IMAGO / Capital Pictures

USA und weitere Länder: Hier ist eine Leihmutterschaft rechtlich erlaubt

Neben den USA kommen für eine Leihmutterschaft auch andere Länder infrage. In Kanada ist allerdings nur eine altruistische Leihmutterschaft erlaubt. Das heißt: Die Leihmutter darf nicht bezahlt werden, bekommt aber Auslagen erstattet. In der EU ist die Frage rechtlich nicht einheitlich geregelt, jeder Mitgliedsstaat hat eigene Vorgaben. In Griechenland ist Leihmutterschaft unter Auflagen und mit gerichtlicher Genehmigung möglich. Die Ukraine erlaubte lange auch kommerzielle Leihmutterschaften und war ein wichtiges Zielland für Interessenten. Der russische Angriffskrieg erschwerte solche Verfahren.

Spahn und sein Ehemann zeigten in der Öffentlichkeit jedenfalls ihr Glück über den Familienzuwachs. „Mein Mann ist Papa geworden, und ich mit ihm. Georg ist unser ganzes Glück. Dieses Gefühl lässt sich kaum in Worte fassen“, sagte der CDU-Politiker der Bild. Funke zeigte auch Verständnis für mögliche Bedenken. „Uns ist bewusst, dass beim Thema Leihmutterschaft oft Unsicherheit herrscht und auch manches Vorurteil besteht“, erklärte der 44-Jährige. „Aber wie sagte der große Franz Beckenbauer: ‚Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.‘“ (Quellen: dpa, AFP, Bild, Focus, Embryonenschutzgesetz) (ph)

Rubriklistenbild: © Soeren Stache/dpa

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