Spritze gegen Corona

Zweite Corona-Boosterimpfung für alle trotz Omikron noch kein Thema – warum?

Die Corona-Variante Omikron breitet sich in Deutschland aus. Für eine zweite Boosterimpfung gibt es noch keine Empfehlung. Worauf wartet die Stiko noch?

Berlin/Jerusalem – Ob Virologen, Mediziner oder das Robert Koch-Institut (RKI) – sie alle sehen die Impfung gegen Corona als wichtigstes Mittel im Kampf gegen die Pandemie. In Deutschland wird auch das Tempo bei Boosterimpfungen vorangetrieben. Doch erhalten derzeit nur bestimmte Personengruppen schon ihre zweite Auffrischungsimpfung. Israel gilt als Vorzeigebeispiel.

Die aber weiterhin offene Frage: Wann empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die erneute Spritze gegen Corona für alle Menschen?

Omikron in Deutschland auf dem Vormarsch – Israel als Vorbild für zweite Boosterimpfung

Zunächst einmal muss der Blick von Deutschland nach Israel gerichtet werden. Einem Land, das schon in der Vergangenheit hinsichtlich Corona-Impfungen deutlich schneller war als andere westliche Staaten. Wie „aerzteblatt.de“ berichtet, können sich hier Erwachsene, Risikopatienten sowie Angestellte im Gesundheitswesen bereits seit dem 2. Januar 2022 ihre zweite Boosterimpfung abholen. Die Voraussetzung hierfür ist, dass die erste Auffrischungsimpfung mindestens vier Monate zurückliegt.

Omikron ist in Deutschland weiter präsent, doch die Stiko empfiehlt die 2. Boosterimpfung nicht uneingeschränkt. Woran liegt das? (Symbolbild)

Für diese zweite Boosterimpfung wird in Israel bevorzugt auf die Vakzine BNT162b2 von Biontech/Pfizer zurückgegriffen. Die Erfahrungen seien so gut gewesen, dass die US-Arzneimittelbehörde „Food and Drug Administration“, kurz FDA, mittlerweile den zweiten Booster der mRNA-Impfstoffe für ältere Erwachsene und Abwehrgeschwächte erlaubt hat.

Omikron-Infektion: Wie gut schützt Boosterimpfung davor? Israelische Studie mit Antworten

Laut „aerzteblatt.de“ hätten bis zum 20. Februar 2022 insgesamt 328.597 Menschen in Israel, die beim Krankenversicherer Clalit versichert sind, das Angebot in Anspruch genommen. Clalit zählt insgesamt 563.465 Mitglieder, von denen bislang 92 Menschen an Corona gestorben seien. Und unter den Personen, die auf die zweite Boosterimpfung verzichtet hätten, gab es 232 Covid-19-Todesfälle.

Forscher vom Clalit Health Services im israelischen Tel Aviv konnten in einer Studie ermitteln, dass verschiedene Daten auf einen Rückgang der Covid-19-Sterberate um 78 Prozent hindeuten. Eine Berechnung, die sowohl demografische Faktoren als auch Begleiterkrankungen berücksichtigt habe – insofern diese in den Abrechnungsdaten der Krankenhäuser, auf die sich die Studie stützt, angegeben waren. Dies liefert neues Futter für die Frage, wie gut die Boosterimpfung überhaupt vor einer Omikron-Infektion schützt.

Corona-Variante Omikron und Unterform BA.2 breiten sich in Deutschland aus

Natürlich könnte man annehmen, dass sich bevorzugt die Menschen gegen Corona impfen lassen und damit auch eine Boosterimpfung in Betracht ziehen, die auch sonst vorsichtig sind. Menschen, die sich dadurch einer Corona-Infektion, deren Risiko gar durch starken Pollenflug steigt, entziehen. Doch wurde die Studie während der Omikron-Welle durchgeführt, als eben keine Einschränkungen der Sozialkontakte bestanden und auch das Infektionsrisiko sehr hoch war.

Dies ist in Deutschland nach wie vor der Fall. Die Omikron-Variante und ihre Unterform BA.2 sorgen in der Bundesrepublik täglich für Neuinfektionen im sechsstelligen Bereich. Zudem müssen die Krankenhäuser und Kliniken mehrere Hundert Corona-Tote verzeichnen – und das täglich. Dies wirft erneut die Eingangsfrage auf: Wann wird die nunmehr zweite Boosterimpfung auch in Deutschland für alle Menschen zugänglich, unabhängig vom Alter oder dem Gesundheitsstatus?

Zweite Boosterimpfung für alle in Deutschland: Stiko wartet noch mit Empfehlung – wer bisher Anspruch darauf hat

Eine Frage, die im ersten Moment im luftleeren Raum zu stehen scheint, jedoch mit Einschätzungen und der Expertise von Medizinern, Virologen, Wissenschaftlern und Institutionen zumindest genauer betrachtet werden kann. Auf seiner Homepage informiert das Bundesministerium für Gesundheit über die Boosterimpfung, die eine ähnlich wichtige Rolle spielt wie bestimmte Blutgruppen im Kontext einer Corona-Infektion. Das Ministerium verweist auch auf die entsprechende Stiko-Empfehlung.

Tatsächlich empfiehlt die Stiko die zweite Boosterimpfung derzeit für Menschen ab 70 Jahren sowie für Bewohner in Pflegeeinrichtungen und Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen, wo seit Mitte März 2022 eine spezielle Impfpflicht greift. Wer gesundheitlich gefährdet ist, sollte den zweiten Booster frühestens drei Monate nach der ersten Boosterimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten.

Für das Personal in entsprechenden Einrichtungen wird der zweite Booster frühestens nach sechs Monaten empfohlen. Die erneute Auffrischungsimpfung empfiehlt die Stiko aber auch für Kinder mit Immunschwäche ab fünf Jahren.

EU-Kommission soll Empfehlung für 2. Boosterimpfung planen – Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) klärt auf

Eine uneingeschränkte Empfehlung für den zweiten Booster liegt in Deutschland trotz der rasanten Ausbreitung von Omikron noch nicht vor. Wie die dpa berichtet, plant die Europäische Union (EU) aktuell aber die Empfehlung für eine zweite Boosterimpfung. Hierbei soll einheitlich vorgegangen werden.

Zuständig ist hierfür die EU-Kommission. Das ausführende Organ der Staatengemeinschaft werde „innerhalb kürzester Zeit auf Basis wissenschaftlicher Expertise eine Empfehlung zur vierten Impfung erarbeiten“, hieß es von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag, 29. März 2022, im Rahmen eines Treffens mit seinen EU-Kollegen.

Zweite Boosterimpfung verringert Corona-Sterblichkeit um 80 Prozent

Wie Lauterbach mitteilte, könnte die Empfehlung der EU-Kommission letztendlich „auch für Deutschland ein wichtiger Kompass für den Umgang mit dem zweiten Booster sein“. Schon vor dem Treffen hatte Karl Lauterbach für eine nunmehr vierte Impfung gegen Corona ab 60 Jahren geworben. Dabei bezog sich der Gesundheitsminister auf die Daten und Auswertungen aus Israel.

Schließlich könnte durch die zweite Boosterimpfung in dieser Altersgruppe die Sterblichkeit im Vergleich zur dritten Dosis noch einmal um 80 Prozent reduziert werden. Grundsätzlich offensiver will Lauterbach beim Thema zweite Boosterimpfung in Deutschland aber nicht vorgehen – sondern lediglich die bisherige Altersgrenze absenken.

Virologe Hendrick Streeck spricht sich für zweite Boosterimpfung aus – doch nur für Hochrisikogruppen

Der Virologe Hendrik Streeck wiederum hält die zweite Boosterimpfung grundsätzlich für sinnvoll. Jedoch erst dann, wenn ein an Omikron angepasster Impfstoff vorliegt. Und dann auch nur für bestimmte Gruppen. „Ich kann mir für Deutschland eher vorstellen, dass wir zum Herbst und Winter mit einem angepassten Impfstoff in Hochrisikogruppen impfen“, lautete seine Einschätzung gegenüber „n-tv“. Und:

Also dass man vorschlägt, alle ab 60 zu impfen oder das gegebenenfalls allen Bürgern anbietet, aber keine Verpflichtung daraus macht. Wenn man solche angepassten Impfstoffe einmal im Jahr gibt, damit hat man vielleicht einen sehr guten Effekt, auch gegen weitere Wellen.

Der Virologe Hendrick Streeck spricht mit „n-tv“ über eine mögliche zweite Boosterimpfung in Deutschland

Somit bleibt vorerst nichts anderes übrig, als auf eine offizielle Stiko-Empfehlung zu warten, die sich auf die Freigabe der zweiten Boosterimpfung für alle Menschen in Deutschland bezieht. (Stand der Daten: 1. April 2022) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa

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