Weitere Mutationen möglich

Omikron: So wird es nach der Corona-Variante weitergehen

Omikron ist in aller Munde. Die Corona-Variante dominiert in vielen Bundesländern. Doch was kommt danach? Drohen neue Corona-Mutanten? Der Stand der Dinge.

Berlin – Ein Jubiläum, das niemand gebraucht hat: Am Donnerstag, 27. Januar 2022, war es nunmehr zwei Jahre her, dass der erste Corona-Fall in Deutschland bestätigt wurde. Seitdem haben sich Begriffe wie „Inzidenz“ oder „Herdenimmunität“ im allgemeinen Sprachgebrauch verfestigt. Bleibt die Frage, wann die Kurve von der Omikron-Variante endlich wieder abflacht. Oder muss tatsächlich mit weiteren Corona-Mutanten* gerechnet werden?

Omikron: Drohen nach der Corona-Variante weitere Mutanten?

Von der Wissenschaft wird angenommen, dass sich das Coronavirus Sars-CoV-2 über kurz oder lang weiterentwickelt. Neue Varianten sind somit nicht ausgeschlossen. Über deren Eigenschaften kann zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nur spekuliert werden. Darauf verweist Ralf Bartenschlager, Präsident der Gesellschaft für Virologie (GfV).

Omikron dominiert, andere Corona-Varianten und Mutationen sind nicht ausgeschlossen. Wie soll es weitergehen? (Symbolbild)

„Die Erfahrung zeigt aber, dass mit der Anpassung eines Virus an seinen Wirt die Pathogenität in der Regel abnimmt“, wird Bartenschlager von der dpa zitiert. Pathogenität meint in diesem Fall die Fähigkeit, Krankheiten auszulösen. „Das bedeutet nicht, dass dieses angepasste Virus gar keine Erkrankung mehr macht, aber es ist in der Regel weniger krankmachend“.

Corona-Variante Omikron verbreitet sich schnell, doch führt zu milderen Verläufen – in der Regel

De facto verbreitet sich die Corona-Variante Omikron deutlich schneller in Deutschland als es bei Delta der Fall war. Doch heißt es vonseiten der Forscher, dass Omikron im Schnitt eher mildere Krankheitsverläufe verursacht. Gänzlich ausgeschlossen werden Long-Covid-Symptome, hervorgerufen durch Omikron*, aber auch nicht.

Für Richard Neher von der Universität Basel steht fest, dass es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Schwere der Krankheit und Übertragbarkeit gibt. Und auch allgemeingültige Aussagen zur Evolution der Ansteckungsfähigkeit von Omikron seien nicht möglich.

Alpha, Beta, Gamma, Delta, Omikron: Welche Corona-Mutationen drohen noch?

Tatsächlich gilt es aber bereits als gesichert, dass sich das Coronavirus nach den bisher bekannten und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregend eingestuften Mutationen Alpha, Beta, Gamma, Delta* und Omikron noch weiterentwickeln wird. Laut Bartenschlager sei das zumindest auf lange Sicht durchaus möglich.

Das Coronavirus werde endemisch und in der Gesellschaft „erhalten bleiben“. Darauf kann jedoch entsprechend reagiert werden. Für Klaus Überla vom Virologischen Institut am Universitätsklinikum Erlangen gehe es nun um den Selektionsdruck, dem neuen Sars-CoV-2-Varianten unterliegen. Damit meint er die Ausbreitungseffizienz in einer größtenteils immunen Bevölkerung.

Impfen als Voraussetzung, um mit endemischem Coronavirus leben zu können

Denn das ist die Voraussetzung, um mit einem endemischen Virus leben zu können: Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen. Um zu überleben, muss das Virus Wege finden, dem Infektionsschutz seiner Wirte, also der Menschen, zu entkommen. Und dieser Schutz entsteht, wie es Überla explizit betont, durch Impfungen oder auch infolge einer Infektion.

Und über Genveränderungen etwa am sogenannten Spikeprotein des Virus kann es hier neue Formen geben. Dementsprechend sei zu erwarten, „dass weitere sogenannte Immunescape-Varianten entstehen“. Möglicherweise könnte aber auch eine stärkere Fähigkeit zur Immunflucht bei der Ausbreitung der Omikron-Untervariante BA.2* eine Rolle spielen.

BA.2 nimmt zu: Omikron-Untervariante profitiert von stärkerer Immunflucht

„Weil man in verschiedenen Ländern beobachten kann, dass der Anteil an BA.2 zunimmt, wird vermutet, dass BA.2 einen Vorteil in der Übertragbarkeit gegenüber BA.1 hat“, sagt Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Frankfurter Uniklinik.

Neben einer höheren Übertragbarkeit könne somit auch eine stärkere Immunflucht dazu führen, dass sich immer mehr Menschen mit der Omikron Untervariante BA.2 infizierten. Das sagt Ciesek auf dpa-Anfrage. Immunflucht meint dabei, dass eine durchgemachte Infektion oder eine Impfung weniger gut vor dem Erreger schützen. Und doch kann sie auch einen gewissen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bis hin zu Long Covid* bieten.

„Entwicklung neuer Varianten genau überwachen“: Noch längst nicht alles über das Coronavirus bekannt

Richard Neher wiederum hält es auch für denkbar, dass die Delta-Variante vom Coronavirus zurückkommt. „Delta ist eine hochansteckende Variante die nach einiger Zeit, wenn die Immunität abgenommen hat, gegenüber Omikron wieder einen Vorteil haben könnte“, sagt er in einem von der Universität Basel veröffentlichtem Interview.

Wir müssen also die Entwicklung und Entstehung neuer Varianten weiterhin genau überwachen, damit wir neue Varianten frühzeitig entdecken und ihre Eigenschaften verstehen und nicht unvorbereitet in eine neue Welle reinrutschen

Richard Neher von der Universität Basel schließt neue Corona-Varianten mit noch unbekannten Eigenschaften nicht aus

Wären neue Virusvarianten denn gefährlicher oder eben harmloser, als es auf bisher bekannte zutrifft? Laut Klaus Überla kann darüber nur spekuliert werden. „Ausbreitungseffizienz in der Bevölkerung und Gefährlichkeit für den Infizierten sind verschiedene Eigenschaften von Viren, die sich unabhängig voneinander entwickeln können“, heißt es von ihm. Die Ungewissheit bleibt also vorerst bestehen. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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