Präparate machen Hoffnung

Omikron: Welche Medikamente helfen gegen die Corona-Variante?

Impfen gilt als oberstes Gebot im Kampf gegen das Coronavirus. Wie aber verhält es sich mit neu entwickelten Medikamenten? Helfen sie vor allem gegen Omikron?

München – Am Anfang war die Gesellschaft komplett überfordert. März 2020, das neu entdeckte Coronavirus breitet sich in Deutschland aus und nimmt großen Einfluss auf das öffentliche Leben. Knapp zwei Jahre später herrscht die Pandemie weiter vor, doch konnte bereits entsprechend auf Varianten wie Omikron reagiert werden. Vor allem Boosterimpfungen gelten als probates Mittel. Gilt das aber auch für neu entwickelte Medikamente gegen Corona?

Omikron: Corona-Variante verbreitet sich rasend schnell – wirken Corona-Medikamente überhaupt noch?

De facto verbreitet sich Omikron deutlich schneller als beispielsweise die Delta-Variante*. Ein milderer Vorlauf gilt nur bei Geimpften als wahrscheinlich, eine Garantie gibt es hierfür jedoch auch nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass bei Omikron bestimmte, aufwendig entwickelte Medikamente versagen. Hoffnung gibt es dank neuerer Präparate dennoch.

Casirivimab, Imdevimab, Etesevimab und Bamlanivimab: Allesamt Medikamente, die im Kampf gegen das Coronavirus zum Einsatz kommen. (Symbolbild)

Laut einer im Fachmagazin „Cell“ veröffentlichten Studie scheinen mehrere Präparate bei Omikron an Wirksamkeit zu verlieren. Die Uni Erlangen teilt mit, dass es sich hierbei um die meisten der zugelassenen und gegen frühere Corona-Varianten wirksamen Medikamente auf Antikörper-Basis handelt.

Corona-Medikamente nicht auf Omikron angepasst: Virus-Variante stellt Medizin vor große Herausforderung

Antikörper werden vom Körper nach einer Impfung oder Infektion gebildet. Sie können sich an das Virus binden und es letztendlich auch eliminieren. Diese Antikörper können auch biotechnologisch hergestellt werden, um beispielsweise Corona-Infizierte auf diesem Wege zu behandeln.

Der casus knacksus: Da Omikron gegenüber anderen Corona-Varianten eine veränderte Struktur aufweist, können Antikörper – ganz gleich, ob körpereigene oder als Medikament hergestellte – die Infektion nicht mehr so gut bekämpfen. Doch um welche Medikamente handelt es sich eigentlich, wenn von der Bekämpfung der Viren die Rede ist?

Antikörper-Präparat Sotrovimab soll Omikron hemmen – Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht Empfehlung aus

In einem Atemzug sind Casirivimab, Imdevimab, Etesevimab sowie Bamlanivimab zu nennen. Allesamt Antikörper-Präparate, auf denen zunächst die große Hoffnung ruhte. Werden diese früh verabreicht, sollten sie schwere Verläufe oder gar Long-Covid-Folgen* verhindern.

Die Wirkung gilt bei der Omikron-Variante jedoch als reduziert. Die dpa spricht von Studien, denen zufolge das neue Antikörper-Präparat Sotrovimab Omikron hemmen soll. Dieses Präparat wird auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die sich ebenfalls für das Stillen von Müttern trotz Corona-Infektion stark macht*, empfohlen.

Medikamente gegen Corona: „Werkzeugkasten“ besser gefüllt denn je – Experte ist sich sicher

Grundsätzlich sieht Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie an der München Klinik Schwabing, den „Werkzeugkasten“ an Medikamenten gegen Corona besser gefüllt denn je. Schon ab Ende Januar soll das vielversprechende Präparat Sotrovimab für die stationäre Therapie zur Verfügung stehen. „Es gibt auch hier eine klare Perspektive“.

Die Zufuhr von Antikörpern hilft nur in einer frühen Phase. Demgegenüber steht das entzündungshemmende Dexamethason, das später bei schwerem Verlauf die Standard-Behandlung darstellt. Darüber hinaus werden auch weiterhin Interleukin-6-Antagonisten, die auch die Entzündungsreaktion blockieren, verabreicht.

Selbiges gilt für Januskinase-Inhibitoren wie Baricitinib. Ein Mittel, das schon länger bei Covid-19 angewendet und nun auch von der WHO empfohlen wird. Zudem werden präventiv Blutverdünner verabreicht, um Thrombosen, Schlaganfällen und Infarkten vorzubeugen.

Pillen gegen Corona als „Quantensprung“ der Forschung: Wirken auch gegen Omikron

Hoffnungen im Kampf gegen Corona und die zahlreichen Symptome der Omikron-Variante* ruhen aber auch auf den neuen antiviralen Arzneimitteln Paxlovid und Molnupiravir. Hierbei handelt es sich um die ersten Pillen gegen Corona, die schon zeitnah auf Rezept in den Apotheken erhältlich sein sollen. „Da ist ein Quantensprung eingetreten“, heißt es in diesem Kontext von Wendtner.

Auch Christoph Spinner von der TU München sieht in den neuen Corona-Medikamenten gute Chancen. Molnupiravir werde „als Kapsel zweimal täglich über fünf Tage eingenommen und wirkt auch gegen die Omikron-Variante“. Als weitere orale Therapie-Option werde in Kürze Paxlovid hinzukommen. Laut Spinner würde es vor Omikron schützen – und gar bis zu 90 Prozent vor schweren Verläufen.

Corona-Medikamente trotz wahrscheinlich großer Wirksamkeit keine Alternative zur Impfung

Und auch Remdesivir, ursprünglich gegen das Ebolavirus entwickelt und 2020 gegen Corona zugelassen, wird laut Spinner weiter eingesetzt. „Es wirkt ebenso gegen Omikron und zeigte in einer neuen Studie einen etwa 80-prozentigen Schutz vor schweren Verläufen“. Remdesivir müsse aber weiter intravenös, also über eine Vene, als Kurzinfusion verabreicht werden. Dies sei ambulant möglich.

Vorbeugend wiederum soll das Antikörper-Präparat Evusheld eingesetzt werden. Laut Impfstoff-Hersteller AstraZeneca soll dieses auch gegen Omikron wirksam sein. Es muss jedoch nicht wie bei bisherigen Antikörpern im Krankenhaus über die Vene verabreicht werden. Stattdessen kann es einmalig in den Muskel gespritzt werden.

„Das wirkt sechs Monate“, heißt es in diesem Zusammenhang vonseiten Wendtners. Eine Alternative zur Impfung, wie auch eine Omikron-Infektion, sei es aber nicht*. Evusheld ist erheblich teurer, vor allem aber regt es den Körper nicht dazu an, eigene Antikörper zu bilden. Es sei nur geeignet für Menschen, die eine Impfung nicht vertragen oder keine Antikörper bilden können. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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