„Überfluss“
„Entwickeln keine Ausdauer“: Pädagogin warnt vor Erziehungsfehler beim Spielen
Zu viel Spielzeug kann Kindern schaden, warnt eine Erziehungsexpertin. Sie erklärt, was Eltern tun können und wie freies Spiel die Entwicklung fördert.
Hamburg – Viele Eltern kennen die Situation: Das Kinderzimmer quillt über vor Spielzeug, doch die Kinder wissen nichts mit sich anzufangen und wechseln ständig zwischen verschiedenen Aktivitäten. Statt sich stundenlang in ein Spiel zu vertiefen, springen Kinder heute oft rastlos von einem Spielzeug zum nächsten. Ein Phänomen, das die Erziehungswissenschaftlerin Renate Zimmer mit Sorge beobachtet.
„Gerade der Überfluss an Spielmaterialien führt dazu, dass Kinder sich nicht auf eine Spielidee konzentrieren, sie wechseln schnell, entwickeln keine Ausdauer, lassen sich schnell ablenken“, sagt Zimmer BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media. Sie ist Expertin auf dem Gebiet Bewegungserziehung und hat unter anderem das Buch „Schafft die Stühle ab! Plädoyer für einen bewegten Alltag“ geschrieben.
Zimmer beobachtet bei den heutigen Kindern, also der Generation Alpha, eine Veränderung im Spielverhalten: „Kinder spielen nach wie vor mit großer Begeisterung, aber ihre Art des Spielens hat sich verändert. Ihre Fantasie wird häufig durch Figuren, die sie aus den Medien kennen, dominiert, das freie selbstbestimmte Spiel tritt in den Hintergrund“, erklärt die Pädagogin.
Weniger ist mehr: Pädagogin gibt Eltern Tipps, wie sie freies Spiel umsetzen können
Besonders kritisch sieht sie den Einfluss digitaler Medien: „Medien stehlen Zeit, engen die Fantasie ein, lenken das Spiel oft in eine einseitige Richtung. Medien werden zudem meist im Sitzen konsumiert – eine für alle Menschen, vor allem aber für Kinder sehr gesundheitsschädliche Körperhaltung.“ Die Lösung liegt laut Zimmer in der Einfachheit. „Mit einem einfachen Karton, mit Seilen oder Tüchern haben Kinder oft die kreativsten Einfälle“, betont sie.
Freies Spiel fördere nicht nur die Kreativität, sondern auch die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder. „Sinneserfahrungen unterstützen die Netzwerkbildung des Gehirns, vor allem die Nutzung der körpernahen Sinne aktiviert die Nervenzellen und führt zur Bildung von Synapsen“, erklärt Zimmer. Eltern können ihre Kinder dabei unterstützen, indem sie „am Spiel ihrer Kinder teilhaben, sich einbinden lassen, auch einmal die Perspektive des Kindes einnehmen“.
Besonders wichtig sei der Aufenthalt in der Natur. „Im Wald findet man viele Gelegenheiten zum freien Spiel, zum Balancieren und Klettern und zum Sammeln von Steinen oder Tannenzapfen“, so die Pädagogin. Diese natürlichen Materialien ließen sich dann auch zu Hause für freies Spielen nutzen.
Therapeutin: Wie Eltern mit den digitalen Spielen ihrer Kinder umgehen sollten
Was aber, wenn Kinder sich hauptsächlich für Computer und digitale Spiele interessieren? Die Therapeutin Melanie Hubermann rät Eltern: „Statt aus Angst vor den Gefahren der virtuellen Welt alles zu verbieten, hilft es, gemeinsam zu verstehen“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland. Sie sollten fragen: „Was macht dir daran Spaß? Welche Rolle nimmst du im Spiel ein – zum Beispiel Anführer?“ Daraus könnten Eltern etwas ableiten. Wenn ein Kind gern führt und koordiniert, könne es Mannschaftssportarten ausprobieren. Kinder bräuchten im Alltag sogenannte Kompetenzinseln: Aktivitäten, in denen sie gut sind und die ihnen Freude bringen.
Grundsätzlich rät die Expertin, dass Kinder besser früher als später mit Hobbys starten sollten. „Mit 14 oder 15 noch neu anzufangen, ist für viele herausfordernd. Schule nervt, und Neues ausprobieren fällt dann oft schwer“, sagt Hubermann. Wenn Kinder jedoch bereits früh in einem Verein sind, sei es leichter, durch „schwierige Pubertätsjahre zu kommen, in denen sie oft alles hinschmeißen wollen“. (Quellen: eigene Recherche)
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