„Massives Problem“

„Ständig Abkürzungen“: Trend bei der Generation Alpha kann uns in 20 Jahren zum Verhängnis werden

Wie wir lernen, verändert sich „fundamental“, sagt ein Generationenforscher. Er sieht darin vor allem ein Problem für die Generation Alpha und Beta.

Frankfurt – Die Hausarbeit mit ChatGPT schreiben, das Buchkapitel von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammenfassen lassen oder komplexe Texte übersetzen. Nicht nur viele Schüler nutzen KI: Laut einer Studie der Hochschule Darmstadt verwenden mehr als 90 Prozent der Studierenden aus den Fachbereichen Gesellschaftswissenschaften KI-Modelle wie ChatGPT für ihre Arbeit an der Universität. 34 Prozent der deutschen Unternehmen, die für einen Report des Weltwirtschaftsforums (WEF) befragt wurden, erwarten, dass wegen KI Jobs verschwinden und neu entstehen werden.

„KI-Tools verändern die Art, wie wir lernen und arbeiten, fundamental. Junge Menschen gewöhnen sich daran, ständig Abkürzungen zu nutzen. Das wird zu einem massiven Problem“, sagt der Generationenforscher Rüdiger Maas BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media. Vor allem geistes- und sozialwissenschaftliche Studiengänge lebten davon, dass Studierende selbst Inhalte lesen, verinnerlichen und diskutieren würden. Er befürchtet, dass Studienabschlüsse aus diesem Bereich auf dem Arbeitsmarkt immer mehr an Wert verlieren werden.

„Ohne KI verloren“: Generation Beta könnte in zwei Gruppen zerfallen

Wie wird KI die Berufswahl jüngerer Generationen beeinflussen? (Symbolbild)

Den „mühsamen Weg“ vermeiden und KI als Abkürzung zu benutzen – das wirke sich langfristig auf das Denken aus, sagt Maas. Er glaubt, dass besonders die Generation Alpha und Generation Beta betroffen sein wird. Das sind die Kinder der Millennials und der Generation Z, die in etwa 20 Jahren ins Berufsleben starten. Sie würden in „Superbegabte“ und „den Rest“ gespalten. „In die, die KI intelligent nutzen und damit noch besser werden und in die, die ohne KI verloren sind und die Antworten von KI nicht mehr einordnen können“, sagt er BuzzFeed News Deutschland.

Hinzukomme, dass „uns die digitale Welt, wenn wir ständig im Abstrakten arbeiten, immer nur Informationen“ und nichts Physisches zurückgebe. „Das macht uns auf Dauer unzufrieden“, glaubt der Generationen-Experte. Im Gegensatz dazu stehe das Handwerk, bei dem physische Produkte erschaffen würden. Berufe, die Menschlichkeit, Nähe und Interaktion erforderten, wie Physiotherapie oder die Zimmerei, können außerdem weniger gut durch KI ersetzt werden. „Viele Experten und Expertinnen gehen davon aus, dass das Handwerk für jüngere Generationen wieder interessanter werden dürfte.“

Gen Alpha: „Stattdessen standen sie Schlange fürs Löten“

Ein Elektriker habe ihm von einer Messe erzählt, auf der es einen Stand gegeben habe, an dem Jugendliche (meist Gen Alpha) löten konnten. Auf der anderen Seite der Halle sei ein sprechender Roboter gewesen, was vor zehn oder 20 Jahren der absolute Renner gewesen wäre. Doch „kein einziger Jugendlicher hat sich für den Roboter interessiert“, berichtet Maas. „Stattdessen standen sie Schlange fürs Löten, weil das etwas Neues, Faszinierendes für sie war.“

„Viele wissen heute nicht mehr, wie man einen Hammer hält oder einen Schraubenzieher benutzt“, sagt Maas BuzzFeed News Deutschland. Im Gegensatz zur Nutzung von KI. Wenn das Handwerk wieder mehr gefragt werde, müsste sich dies ändern. Hier könnten „Handwerksinfluencer“ oder Tage der offenen Tür in Betrieben helfen. Oder Eltern, die mehr handwerklich mit ihren Kindern arbeiten. „Vor allem brauchen die nachfolgenden Generationen wieder eine höhere Frustrationstoleranz. Unser Gehirn muss trainiert werden und sollte nicht permanent lernen, den einfachsten Weg zu gehen. Wir sind gemacht für Treppen, nicht für Fahrstühle.“ (Quellen: hda Studie, WEF Report, eigene Recherche)

Rubriklistenbild: © Depositphotos/Imago

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