„Unruhig“
„Wird immer schlimmer“: Gen Alpha hat Schwierigkeiten mit uralter Fähigkeit
Die Generation Alpha gibt Eltern, Erziehern und Lehrkräften Anlass zur Sorge. Bestimmte Grundfertigkeiten fehlen ihr. Ein Generationenforscher beleuchtet die Folgen.
Hamburg – „Egal wo ich hinschaue, es wird immer schlimmer“, schreibt eine Frau im Online-Forum Reddit. Sie ist bestürzt über die Fähigkeiten der Generation Alpha und kritisiert, dass Kinder immer ungebildeter würden. 12-Jährige scheiterten laut der dreifachen Mutter an einer einfachen Geburtstagskarte. „Aufmerksamkeitsspanne ist bei null“, regt sich die Frau auf, die selbst beruflich mit Kindern arbeite. Die Alphas würden es teilweise nicht schaffen, einen Film zu Ende zu schauen, weil nach spätestens 45 Minuten die Luft raus sei. „Man merkt, wie sie von Minute zu Minute unruhiger werden und wieder ans Handy wollen“, schreibt sie.
Die Generation Alpha, das sind die Kinder, die ab 2010 geboren worden sind. Sie haben Sprachprobleme, mit denen sie Kitas vor Herausforderungen stellen und erschrecken Lehrkräfte, weil sie immer schlechter lesen können. Der Psychologe und Gründer des Instituts für Generationenforschung, Rüdiger Maas, hat in der ersten deutschlandweiten Generation Alpha Studie untersucht, wie die Alphas ticken.
„Reflexhaft“: Wie die Gen Alpha tickt und warum sie sich nicht langweilen kann
Die kurze Aufmerksamkeitsspanne beim Filmschauen erklärt der Generationenforscher so: „Wir alle sind geneigt, bei langweiligen Sequenzen parallel auf unser Smartphone zu schauen, FOMO (Fear of missing out) nennen das einige Forscher“, sagt Maas BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media. Zudem sei das regelmäßige aufs Handyschauen bei vielen Menschen so stark konditioniert, dass es schon automatisiert ablaufe. Sobald etwas langweilig sei, etwa eine Stelle im Film oder wir auf den Bus warten, komme sofort „reflexhaft“ das Smartphone ins Bewusstsein.
Auch wenn wir etwas Tolles sehen, seien die meisten Menschen geneigt, diesen Moment erstmal mit dem Smartphone festzuhalten. „Bei offenbleibenden Fragen und Gedanken greifen wir sofort aufs Smartphone zurück, um die Antwort zu erhalten, beziehungsweise objektiv betrachtet, um unsere Bedürfnisse sofort zu befriedigen“, sagt Maas. Die Generation Alpha wiederum kenne gar keine andere Welt als diese, wo viele Menschen so agieren. Sie haben also oft weniger Handlungsmöglichkeiten gezeigt, bekommen oder erarbeiten müssen. Wenn es langweilige werde, hilft das Smartphone weiter. „Das haben sie so sehr verinnerlicht wie wir das Anziehen, wenn wir aufstehen“.
„Kann ich auf meinem Handy gucken?“: Generation Alpha hat Schwierigkeit bei uralter Fähigkeit
Ein weiterer Punkt, der bei der Mutter und Autorin des Reddit-Beitrags für Empörung sorgt: „Uhren lesen? Was bedeuten diese komischen Zeiger?“ Letztens habe ein Zehnjähriger auf ihre Armbanduhr geschaut. Als sie ihn fragte, wie er auf sechs Uhr kommen würde, es sei schließlich 10:15 Uhr gewesen, hätte er auf die sechs rechts an der Uhr gezeigt. „Die Kalenderanzeige, es war der 06. September“. Eine Lehrerin berichtet von einem zwölfjährigen Kind, das nach einem Hinweis auf die Uhr an der Wand gesagt habe: „Ich kann das nicht lesen. Kann ich auf meinem Handy gucken?“
Der Grund dafür sei laut Generationenforscher Maas, dass Kinder zu Hause immer weniger „analoge“ Uhren vorfinden würden. Uhr lesen werde in einigen Schulen nicht mehr tiefgründig genug unterrichtet, „dadurch werden sich über kurz oder lang auch unserer Kulturtechniken ändern“, sagt er. Mittlerweile sagt das Smartphone oder die Smartwatch jedem die Uhrzeit. Doch das habe Konsequenzen: Wenn wir auf die Uhr schauen, sehen wir auch, dass Nachrichten kamen und würden vom simplen auf die Uhr schauen, um die Uhrzeit zu wissen, „sofort auf eine andere Informationsebene geleitet“. Die Fähigkeit, analoge Uhren zu lesen, könnte aussterben. Oder sie erlebt ein Comeback, wie die Handschrift an Schulen. (Quellen: Reddit, eigene Recherche)
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