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Vom Ministeramt ins Aus: Deutschlands spektakulärste Politiker-Rücktritte
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Franz Josef Strauß (CSU): Im Jahr 1962 veranlasste die Bundesanwaltschaft Durchsuchungen beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wegen angeblichen Landesverrats. Verteidigungsminister Franz Josef Strauß trieb das Vorgehen hinter den Kulissen maßgeblich voran, stritt seine Mitwirkung jedoch zunächst ab. Dieser schwere Angriff auf die Pressefreiheit löste bundesweite Proteste aus und zwang Strauß zum Rücktritt. Seine politische Karriere war damit jedoch nicht beendet: Von 1978 bis zu seinem Tod 1988 regierte er als Ministerpräsident von Bayern.
Willy Brandt (SPD): Bundeskanzler Willy Brandt übernahm 1974 die politische Verantwortung für die sogenannte Guillaume-Affäre. Einer seiner engsten Mitarbeiter, Günter Guillaume, war als Spion der DDR enttarnt worden. Dieser gravierende Sicherheitsverstoß im Kanzleramt führte zum Rücktritt des angesehenen Friedensnobelpreisträgers.
Uwe Barschel (CDU): Kurz vor der Landtagswahl 1987 in Schleswig-Holstein geriet Ministerpräsident Uwe Barschel unter Verdacht, seinen politischen Gegner illegal bespitzelt zu haben. Obwohl er auf einer Pressekonferenz sein „Ehrenwort“ gab, nichts davon gewusst zu haben, wurde der öffentliche Druck zu groß. Barschel trat zurück und wurde wenige Tage später tot in einem Genfer Hotelzimmer aufgefunden.
Björn Engholm (SPD): Der SPD-Politiker Björn Engholm stolperte 1993 über Falschaussagen im Zuge der späten Barschel-Affäre. Er hatte vor dem Untersuchungsausschuss verschwiegen, dass er früher als angegeben über die Bespitzelung und vertrauliche Geldzahlungen an einen Schlüsselfigur informiert war. Der Verlust seiner Glaubwürdigkeit kostete ihn das Amt des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten und den SPD-Parteivorsitz.
Günther Krause (CDU): Der damalige Bundesverkehrsminister Günther Krause musste 1993 nach mehreren kleinen Skandalen zurücktreten. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, staatliche Gelder für den Umzug und die Putzfrau seiner Familie abgerechnet zu haben. Diese Unregelmäßigkeiten kosteten den Mitunterzeichner des Einigungsvertrages sein politisches Amt.
Oskar Lafontaine (SPD): Im März 1999 sorgte Oskar Lafontaine für ein politisches Erdbeben, als er wegen tiefer Differenzen mit Kanzler Gerhard Schröder überraschend alle Ämter niederlegte. Später verließ er die SPD und baute die Partei Die Linke maßgeblich mit auf. Nach seinem Austritt im Jahr 2022 begleitet er die Politik vor allem im Hintergrund und unterstützt das von seiner Ehefrau gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW).
Gerhard Glogowski (SPD): Der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Glogowski musste Ende 1999 nach gut einem Jahr im Amt zurücktreten. Er war massiv in die Kritik geraten, weil er sich seine Hochzeitsfeier und Urlaubsreisen von Unternehmen hatte sponsern lassen. Der Vorwurf der Vorteilsnahme beendete seine politische Karriere auf Landesebene vorzeitig.
Helmut Kohl (CDU): Im Zuge der CDU-Spendenaffäre gab Altkanzler Helmut Kohl im Jahr 2000 den Ehrenvorsitz seiner Partei ab. Er hatte zugegeben, illegale Parteispenden in Millionenhöhe angenommen zu haben, weigerte sich aber strikt, die Namen der Spender zu nennen. Dieser Bruch des Parteiengesetzes beschädigte sein Ansehen als „Kanzler der Einheit“ schwer.
Wolfgang Schäuble (CDU): Als direkte Folge der CDU-Spendenaffäre trat Wolfgang Schäuble im Februar 2000 als Partei- und Fraktionschef zurück, nachdem er eine verheimlichte 100.000-Mark-Barspende eines Waffenlobbyisten eingeräumt hatte. Anders als für viele andere Politiker bedeutete dieser Rücktritt jedoch keineswegs das Karriereende: Unter Angela Merkel feierte er ab 2005 ein beispielloses Comeback als Bundesinnen- und später als Finanzminister. Von 2017 bis 2021 bekleidete er als Bundestagspräsident schließlich sogar das zweithöchste Amt im Staat.
Manfred Kanther (CDU): Der frühere Bundesinnenminister Manfred Kanther legte im Jahr 2000 sein Bundestagsmandat nieder. Er war maßgeblich in die hessische Schwarzgeldaffäre verwickelt und hatte heimlich Parteigelder in Millionenhöhe ins Ausland transferiert. Um die Herkunft zu verschleiern, wurden diese Gelder der Öffentlichkeit fälschlicherweise als „jüdische Vermächtnisse“ präsentiert. Mit der Niederlegung seines Bundestagsmandats am zog er die Konsequenzen und beendete seine politische Karriere vollständig.
Plagiate, Urlaubsbilder und Korruptionsvorwürfe: Ein Rückblick auf die wichtigsten politischen Rücktritte, die Deutschland seit den 1960er Jahren geprägt haben.
Plagiate, Affären, Vertuschung
Politische Karrieren verlaufen selten ohne Turbulenzen, doch manchmal führt ein einziger Fehler zum abrupten Ende einer langen Laufbahn. In der Geschichte der Bundesrepublik gab es zahlreiche Fälle, in denen Amtsträger dem öffentlichen Druck weichen mussten. Die Gründe dafür sind erstaunlich vielseitig und reichen von persönlichen Verfehlungen über fehlerhafte Promotionen bis zu handfesten politischen Affären. Wer das Vertrauen des Parlaments oder der Bevölkerung verliert, hat meist nur wenig Handlungsspielraum.
Auch Jens Spahn geriet nach der öffentlichen Bekanntgabe, gemeinsam mit seinem Mann eine Leihmutter in den USA in Anspruch genommen zu haben, massiv unter Druck – ein direkter Widerspruch zur offiziellen CDU-Position – und gab schließlich die Führung der Bundestagsfraktion ab. Bei Rudolf Scharping handelte es sich juristisch gesehen sogar um eine Entlassung durch den Bundeskanzler: Zwar hatten Urlaubsfotos vom Mallorca-Pool während eines laufenden Militäreinsatzes bereits für Unmut gesorgt, doch den entscheidenden Ausschlag gab schließlich die Enthüllung fragwürdiger Honorarzahlungen eines PR-Beraters.
Verboten, geduldet oder Pflicht? Regeln im Alltag, die kaum jemand genau kennt
Welche Dynamiken den Rücktritt von Ministern beschleunigen können
Ein Rücktritt ist meist das Ergebnis einer längeren Kette von Ereignissen. Das Zusammenspiel aus medialer Berichterstattung und nachlassendem Rückhalt in den eigenen Reihen verstärkt die Dynamik in Krisenzeiten enorm. Für die Amtsinhaber bedeutet der Schritt zwar das Ende der aktuellen Position, doch die politische Landschaft vergisst mitunter überraschend schnell. So mancher Politiker nutzte die Auszeit für eine spätere Rückkehr in andere Aufgabenbereiche, während andere der Politik für immer den Rücken kehrten.