Der Zelt-Vergleich auf dem Hurricane
Schlammrutschen - unbedingt, oder? Standard- vs. Luxus-Camping
Von Jan Dirk Wiewelhove. Zerstörte Pavillons auf der einen, Gartenzwerge in Reih und Glied vor dem ordentlich aufgebauten Zelt auf der anderen Seite des Zauns - oder traditionelles Hurricane-Camping vs. Luxus-Zelten im Resort - günstig vs. teuer. Wie unterschiedlich die Ansprüche des Festivalbesuchers im Jahr 2018 sein können, zeigt der Partymarathon am Eichenring ziemlich deutlich. Wir haben uns mal umgeschaut. Fällt euer Urteil selbst, welchen Stil ihr bevorzugt.
Die Anreise
Schon bei der Anreise trennt sich die Masse in zwei Lager - der Standard-Camper, der bis zu 199 Euro für das Standard-Camping berappt hat, muss die weiteren Wege in Kauf nehmen, sich mit der Herde bei den Eingängen geduldig anstellen und über ausgetretene Pfade einen Campingplatz ergattern. Dabei ist der auserkorene Bollerwagen-Lenker stets bemüht, dass kein Rad zu Bruch geht oder die mit Panzerband befestigte Bierpalette "5,0" nicht auf den Boden fällt - eine geradezu weltmeisterliche Anstrengung.
Ganz gesittet hingegen geht es im Luxus-Resort "Ruf der Eule" zu. Keine Schlange am Eingang, zugewiesene Zelte und mit Holzboden ausgelegte Wege, die auch dem zehnten Regenschauer des Wochenendes Stand halten.
Der Aufbau
Es ist der pure Kampf mit den Elementen, der den Aufbau schon zu einem Erlebnis an sich werden lässt. Die einen sind genervt, wenn der Sturm die Zeltplane immer wieder anhebt, den gerade erst gekauften Pavillon in die Knie zwingt und der Regen den Grill löscht, wieder andere feiern die Nässe nach sechs Stunden Anreise aus Dresden und sagen: "Regen und Matsch - das gehört einfach dazu."
Wenn das Camp dann steht, die ersten Bierdosen geleert sind, startet die Drei-Tage-Party mit starker Musik auf dem Infield. Der Luxus-Camper braucht, je nach Kategorie, nicht für den Aufbau zu sorgen, sondern bezieht einfach das stabile Zelt und los gehts. Irgendwie auch langweilig oder?
Drei Tage Festival
Na gut, die Zustände in den Camps klaffen mit fortlaufender Festival-Dauer immer weiter auseinander. Wer im Luxus lebt und ordentlich dafür bezahlt, hat Anspruch auf regelmäßige Müllabfuhr, saubere Toiletten und Duschen, und auf eine gewisse Grundordnung im Resort, die von so ziemlich allen Buchern bewahrt werden will.
Hingegen auf dem ordinären Gelände regiert König Chaos mit harter Hand. Alle Versuche von den mit Traktoren ausschwärmenden Mülltrupps für Ordnung zu sorgen, werden durch wahnwitzige Gesellinnen und Gesellen torpediert, indem sie Bier-, Ravioli-Dosen & Co. möglichst großflächig um das Camp verteilen. Der Verlust von 10 Euro Müllpfand ist von vielen wohl fest ins Festival-Budget eingerechnet. Wenn dann die Nachbarn mit eher fragwürdiger Musik für 24-Stunden-Dauerbeschallung sorgen, ist das Standard-Camperlebnis perfekt.
Die Abreise
Auch hier könnte das Lebensgefühl der Campingtypen nicht unterschiedlicher sein. Hier sollte der umwelt- und preisbewusste Beobachter darüber grübeln, wieso plötzlich und fast schon unerwartet eine grauenhafte Dekadenz auf den Inklusiv-Zeltplätzen ausbricht. Wenn am Montag um 12 Uhr das Gelände geräumt sein muss, bleiben unzählige, teils völlig intakte Zelte einfach stehen. Drumherum stapeln sich Müll und Camping-Utensilien, die völlig im Eimer sind. Leichenblasse Gestalten schleppen sich zum Zug oder Auto und sagen: "Geil wars, im nächsten Jahr wieder." Unterdessen im Resort: Der gehobene Gast packt seinen Rollkoffer zusammen, verlässt die Hütte besenrein und bedankt sich am Empfang für den angenehmen Aufenthalt - fast schon erholsam hier in der norddeutschen Tiefebene.
Zum Glück: Vor der Bühne sind alle gleich
Es gibt einen letzten Ort, wo Hurricane-Macher Jasper Barendregt glaubt, dass alle Besucher zusammenstehen: Direkt vor den Stages. Im Circle Pit sind sie alle gleich. Wer abrocken, pogen und abgehen will, ist in der ersten Welle genau richtig. Und wenn jemand mal im Matsch landet, bekommt sofort sie oder er sofort helfende Hände gereicht - Hurricane United.
Eure Wahl, auf welchen Style ihr mehr Bock habt.



