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Miriams Hurricane: Rap, Electro und ein wenig Punk
Von Miriam Kern. Eines vorab: Als klassische Hurricane-Besucherin würde ich mich nicht bezeichnen. Ich habe nie Indie oder Alternative Rock gehört, konnte mich höchstens mal für Singer-Songwriter oder einzelne Punkbands erwärmen. Stattdessen feiere ich zu Hip-Hop oder elektronischer Musik in all ihren Spielarten. Getreu dem Motto: Liebe ist, wenn der Bass einsetzt.
Anders als viele meiner Kollegen sehe ich die Verwässerung der ursprünglichen Hurricane-Ausrichtung also positiv. Denn so ist etwas für alle dabei - mich eingeschlossen.
Ich starte in das Festival mit Feine Sahne Fischfilet. Die Punkband aus Mecklenburg-Vorpommern stellt sich gegen den Rechtsruck in der Provinz und thematisiert das auch in ihren Texten. Durch die hin und wieder eingesetzten Trompeten bekommt das Ganze noch einen gewissen Ska-Einschlag. Nur gesanglich dürfe man nicht soviel erwarten, sagt Frontmann Monchi. „Ich kann immer noch nicht singen“, heißt es in dem Song „Alles auf Rausch“. Trotzdem spielen er und seine Band beim Hurricane Festival. Ob sie dem Spott gerecht werden? Zu begutachten am Freitag um 18.30 Uhr auf der Green Stage.
Der Bruch wäre hart, aber je nach persönlicher Stimmung würde ich am Abend einen Besuch bei London Grammar empfehlen. Es lässt sich kaum besser runterkommen, als beim Lauschen der sphärisch anmutenden Stimme der Sängerin Hannah Reid. Spätestens wenn sie ihren Hit „Strong“ spielen, ist Gänsehaut programmiert.
Samstag gibt es dann zum Start in den Tag einen „Klaps auf den Po“ von Romano. Der Berliner mit den langen blonden Zöpfen passt in keine Schublade. Da rappt er einmal über die Liebe zu seiner Metalkutte, ein anderes Mal wippt er lässig zum Drum‘n`Bass-Beat und in goldener Bomberjacke durch seine Videos. Eine Erscheinung, die ich mir nicht entgehen lassen werde.
Abends gibt sich dann die derbste Band der Welt die Ehre und ich ahne, was uns da blüht! In den 90er Jahren bereits Kult, feierten die Beginner vor zwei Jahren ein umjubeltes Comeback! Unverwechselbar, wenn Eizi Eiz (aka Jan Delay) und Denyo heute über ihren Werdegang rappen oder DJ Mad Klassiker wie „Füchse“ und „Hammerhart“ auf den Plattentellern anstimmt. Die Herzen der Oldschool-Fans werden an diesem Abend auf jeden Fall höher schlagen.
Nach dem kollektiven Kopfnicken folgt mit The Prodigy die totale Eskalation auf und vor der Green Stage (wobei es hier die erste unglückliche Timetable-Überschneidung im Übergang von den Beginnern gibt). Nachdem ihr Auftritt vor zwei Jahren ins Wasser fiel, bekommen Keith Flint, Liam Howlett und Keith „Maxim“ Palmer eine zweite Chance - und werden sie zu nutzen wissen. Die Electropunker gelten als die Meister des Raves. Songs wie „Firestarter“ oder „Voodoo People“ prägten eine ganze Generation. Sie sind zwar älter geworden, aber kein bisschen leiser. Wer hier nicht mittanzt, ist selber schuld.
Apropos tanzen, das lässt sich wunderbar am Sonntag zu Meute aus Hamburg. Diese elfköpfige Combo beweist: Blaskapelle und Techno passen tatsächlich zusammen. Sie arrangieren klassische Songs der Elektroszene neu und spielen sie auf Trompete, Tuba und Co. Dabei bieten sie nicht nur ein Fest für die Ohren, sondern machen mit ihren strahlend roten Zirkusjacken auch auf der Bühne eine gute Figur. Manege frei für die selbsternannte Techno-Marching-Band heißt es am Sonntag um 17.30 Uhr auf der White Stage.
Ansonsten gilt wie bei jedem Festival: sich treiben lassen, ist oftmals die bessere Wahl, als von Bühne zu Bühne zu hetzen. Denn die Musik muss schließlich zur Stimmung passen und ist manchmal auch zweitrangig, wenn die Zeltnachbarn sich als interessante Gesprächspartner erweisen. Oder?
Die Bandempfehlungen unseres Redakteurs Lars beschränken sich trotz großer Auswahl auf einige wenige. Welche das sind, lest ihr hier.
Kulturredakteurin Mareike war beim ersten Blick aufs Line-up eher enttäuscht, hat beim zweiten dann aber doch noch einige sehenswerte Bands und Musiker gefunden.
Den ganzen Timetable zum Ausdrucken gibt es hier.