„Entscheidung ist überfällig“
2G im Einzelhandel: Bremen will Corona-Regel wieder aufheben
Noch gilt 2G im Bremer Einzelhandel. Die Corona-Regel erlaubt nur Geimpften und Genesenen den Zutritt. Möglicherweise ist die Maßnahme aber zeitnah wieder passé.
Bremen – Der Frust ist groß, der Stachel sitzt tief. Das gilt für Ungeimpfte, die durch die 2G-Regel im Einzelhandel nicht mehr in Bremen shoppen können wie auch für die betroffenen Händler selbst. Nach Informationen vom „Weser-Kurier“ könnte dies jedoch bereits in der Woche ab Montag, 7. Februar 2022, der Vergangenheit angehören. Denn der Bremer Senat soll einen entsprechenden Beschluss bereits am Dienstag fassen.
2G im Einzelhandel: Bremer Senat soll Beschluss fassen und damit Corona-Regel abschaffen
Sollte 2G im Bremer Einzelhandel wegfallen, wäre beim Shoppen in der Innenstadt kein Impf- oder Genesenen-Nachweis mehr notwendig. In diesem Szenario dürften nämlich auch wieder Ungeimpfte nach Herzenslust in Boutiquen oder Fachgeschäften einkaufen gehen. Lediglich das verpflichtende Tragen einer FFP2-Maske bleibt bestehen.
Zunächst einmal muss die Bremer Politik jedoch eine offizielle Entscheidung treffen. Laut dem „Weser-Kurier“ habe Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) bereits bestätigt, dass der notwendige Beschluss am Dienstag, 8. Februar, gefasst werden soll. Dieser sei bereits mit den betroffenen Behörden abgesprochen.
Bremen will nachziehen: 2G im Einzelhandel in einigen Bundesländern bereits gekippt – folgt die Hansestadt schon am 9. Februar?
„Nachdem bereits in mehreren Bundesländern – darunter auch in unserem Nachbar-Bundesland Niedersachsen – die 2G-Regelung im Einzelhandel nicht mehr gilt, ist eine bundesweite Regelung nicht mehr zu halten“, wird Bovenschulte zitiert. Dementsprechend sei es für ihn nur die logische Konsequenz, dass auch sein Bundesland nachzieht und der Bremer Senat das Ende von 2G im Einzelhandel* beschließt.
Um einen ausreichenden Infektionsschutz zu gewährleisten, gilt aber weiterhin die Pflicht, eine FFP2-Maske zu tragen. Bremen wird sich zudem für eine entsprechende bundesweite Regelung einsetzen.
Dementsprechend müsste auch die Corona-Verordnung Bremens angepasst werden. Nach dem Senatsbeschluss bedarf es in diesem Fall der Zustimmung der Bürgerschaft oder des dortigen Geschäftsführungsausschusses. Unter Berufung auf die Staatskanzlei heißt es, dass die Aufhebung von 2G im Einzehandel schon am 9. oder 10. Februar erfolgen könnte.
„Wettbewerbsnachteil“ für Bremens Einzelhändler verhindern: Politik will 2G im Einzelhandel abschaffen
Auch Kristina Vogt (Linke), Wirtschaftssenatorin in Bremen, spricht sich für ein Ende von 2G im Einzelhandel aus. „Die Entscheidung des Senats, die 2G-Regelung für den Einzelhandel in Bremen in der kommenden Woche abzuschaffen, ist überfällig. Es gibt dazu bereits Gerichtsentscheidungen aus anderen Bundesländern, die bundesweite Regelung ist nicht mehr zu halten und wir wollen nicht hinterherhinken“, wird Vogt vom „Weser-Kurier“ zitiert.
Es wird gar explizit darauf verwiesen, dass für die Einzelhändler Bremens kein „Wettbewerbsnachteil“ entstehen soll. Auf Bundesebene bezogen betrachten die Chefs der großen Supermarktketten in Deutschland den Sachverhalt ähnlich. Vertreter von Aldi, Edeka, Rewe sowie der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) hatten bereits einen Brief an die Politik formuliert und eine Aufhebung von 2G im Einzelhandel gefordert*.
Aldi, Edeka und Lidl fordern ebenfalls Ende von 2G im Einzelhandel – Finanzminister Christian Lindner (FDP) befürchtet andernfalls „wirtschaftlichen Schaden“
Ein Schritt, der nicht zuletzt deswegen bemerkenswert ist, da in den Supermärkten aufgrund ihres bundesweiten Status als „Grundversorger“ eben nicht die 2G-Regel eingeführt wurde*. In der jeweiligen Filiale können Menschen weiterhin unabhängig von ihrem Impfstatus einkaufen gehen.
Abseits der Vertreter von Aldi, Edeka, Lidl, Kaufland und Rewe sind die Rufe nach Lockerungen zuletzt immer lauter geworden. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) schlägt in dieselbe Kerbe und spricht gegenüber der „Welt“ von einem „wirtschaftlichen Schaden“, der durch die 2G-Beschränkung im Einzelhandel entstehen würde.
Corona-Regel vor dem Ende: Bremer Senat entscheidet über 2G im Einzelhandel – 2G Plus für Gastronomie bleibt aber bestehen
Gernot Marx, seines Zeichens Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), hält dagegen. Für ihn kommen „Lockerungen der Corona-Maßnahmen, wie sie jetzt einige Bundesländer angekündigt haben [...] zu früh“. Gegenüber der Funke-Mediengruppe warnt Marx vor einer „Achterbahnfahrt“ der Infektionszahlen und stellt den wirtschaftlichen Faktor im Kontext von 2G im Einzelhandel hinten an.
Das dürften die eingangs erwähnten Betroffenen der Corona-Regel nicht gerne hören. Ungeimpfte sowie Einzelhändler setzen vielmehr auf den erhofften Beschluss des Bremer Senats, der zur Abschaffung von 2G im Einzelhandel führen soll. Die Gastronomie soll hiervon übrigens nicht betroffen sein.
In Cafés, Kneipen oder Restaurants in Bremen und Bremerhaven bleibt 2G-Plus bestehen. Ungeimpfte bleiben außen vor, Geimpfte und Genesene müssen zusätzlich einen negativen Testnachweis erbringen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.