Libeskinds Treffpunkt
Sparkassen-Areal: Star-Architekt schlägt Piazza und vier Türme vor
Vier Türme und ganz viel Leben: US-Stararchitekt Daniel Libeskind (72) war am Freitag mit seiner Ehefrau und Büroleiterin Nina Libeskind in Bremen, um die bislang geheimen Pläne für das Sparkassen-Areal (Am Brill) vorzustellen.
Bremen - Von Thomas Kuzaj. Auftraggeber sind die Investoren Pinchas und Samuel Schapira, die das Sparkassen-Grundstück übernehmen. Die Bank zieht mit ihrer Zentrale Ende 2020 in den Technologiepark. Mit dem Libeskind-Besuch ist die Zeit der Geheimdiplomatie vorbei. Jetzt werden die Pläne öffentlich diskutiert. Und genau das sei auch erwünscht, so die Botschaft, die unter anderem Politiker, Verwaltungsleute und Vertreter der Handelskammer hörten.
„Es ist nichts in Stein gemeißelt“, so Nina Libeskind. Man könne auch umplanen. Bislang war nur bekannt gewesen, dass der Libeskind-Entwurf für das 11. 000-Quadratmeter-Areal vier ovale und begrünte Türme vorsieht. Entlang der Hankenstraße sollen sie hinter der historischen Sparkassen-Fassade aufragen, die erhalten bleibt.
Die Türme sollen unterschiedlich hoch sein und symbolisch für die vier Bremer Stadtmusikanten stehen. Der höchste Turm ist im Entwurf nur zwei Meter niedriger als der Dom (98 Meter). Die Dom-Höhe gilt in Bremen seit Jahrzehnten als architektonische und stadtplanerische Richtschnur. Der New Yorker Architekt nennt seine Türme „niedrig bis mittelhoch“. Es kommt halt immer auf die Perspektive an. . .
Libeskind orientierte sich an der Vergangenheit, an Bremens Geschichte. Nicht weit vom Brill entfernt nämlich stand einst die (im Krieg zerstörte) St.-Ansgarii-Kirche, deren 118 Meter hoher Turm ein Wahrzeichen der Stadt war. Und natürlich auch eine Machtdemonstration.
Noch immer eine internationale Stadt
Deutlich sei zu spüren gewesen, wie sehr Libeskind sich mit Bremens Historie beschäftigt habe, hieß es am Freitag. Bremen sei immer ein Zentrum des Handels gewesen und mit Unternehmen wie dem Norddeutschen Lloyd in aller Welt bekannt. Bis ins 15. Jahrhundert zurückreichende Stadtansichten habe Libeskind gezeigt – im Vordergrund die Weser, dahinter die Türme der Altstadtkirchen. Die Botschaft: Höhe war in Bremen immer ein architektonisches Thema.
Bremen, so eine weitere Botschaft, sei noch immer eine internationale Stadt – heute zum Beispiel durch die vielen Touristen. Denen aber müsse man auch Attraktionen bieten. Hier setzt der Entwurf an, der mit seiner Mischung aus Kultur, Freizeit und Wohnen vieles von dem enthält, was gegenwärtig mit Blick auf die Zukunft der Innenstadt diskutiert wird. Mischnutzung ist das Zauberwort, ein sozialer Treffpunkt soll wachsen. Mit der historischen Kassenhalle wird das Herz des Areals geöffnet, eine großzügige Piazza soll für Leben und Begegnung sorgen.
Ein „Sky Café“ mit Blick über Bremen
Hotels (drei und fünf Sterne) sind geplant, Seniorenwohnungen, möblierte Appartements, Luxuswohnungen im Turm und auch Studentenwohnungen – zu marktüblichen (mithin: erschwinglichen) Preisen, wie SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe auf Nachfrage hörte.
Einzelhandel ist an der Brill-Seite und an der Bürgermeister-Smidt-Straße vorgesehen. Ein „Sky Café“ soll Blicke über Bremens historischen Kern ermöglichen. Und: „Auf der Nordseite des Geländes ist ein Kulturgebäude geplant, um die Vielfalt der Nutzungsangebote um eine Vielzahl an kulturellen Aktivitäten zu bereichern“, so Amanda de Beaufort vom Studio Libeskind. „Kulturgebäude“ ist diplomatisch formuliert – es gibt schon konkretere Ideen. Das Focke-Museum könnte hier einziehen. Es hat Platznöte – und seine Lage in Schwachhausen gilt als schwierig, was Besuche von Touristen angeht.
„Gestaltungsgremium“ im Einsatz
Ronny Meyer, Staatsrat für Umwelt, Bau und Verkehr, dankte Libeskind für die Präsentation und sprach von einem „überzeugenden Aufschlag“, der jetzt mit den Bürgern diskutiert werden müsse. Auch Beirat und Deputation würden beteiligt, zudem werde ein „Gestaltungsgremium“ eingesetzt – besetzt mit Architekt und Bauherren sowie Senatsbaudirektorin Iris Reuther, Landeskonservator Georg Skalecki und dem Präsidenten der Architektenkammer, Oliver Platz. Man müsse „genau hinsehen, ob sich das Vorhaben mit der Umgebung und damit der Nachbarschaft verträgt“, so Staatsrat Meyer.
Libeskind-Seite setzt auf Tempo
SPD-Mann Tschöpe: „Das Bauvorhaben muss auch einen Beitrag dazu leisten, dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder: „Zukunftsweisende und außergewöhnliche Architektur kann ein Imagegewinn sein und zusätzliche Anziehungskraft für unsere schöne Stadt generieren.“ FDP-Fraktionschefin Lencke Steiner: „Wir unterstützen den Wunsch der Handelskammer, dass Bremen den Mut haben wird, dieses Projekt umzusetzen.“
Die Libeskind-Seite setzt auf Tempo. So war am Freitag der Wunsch zu hören, mit der Bauleitplanung im September zu beginnen. Dass die Bremer da schon mit ihren Diskussionen über das Projekt fertig sind, ist aber unwahrscheinlich. Zudem kommen ja noch Bürgerschaftswahl und Sommerpause. . .
